Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/143/
noch ein bisschen weiter wachsen, aber im Wesentlichen werden wir es auch dort mit eher langsamen Zuwächsen zu tun haben. Für unsere Städte ist die Phase der Konsolidierung gleichzeitig dadurch geprägt, dass unsere Bevölkerung sich sehr stark verändert. Wir wissen alle, der Anteil der Alten an der Bevölkerung wird sehr stark steigen, Kinder werden weniger werden. Die Gesellschaft wird sich in dieser Hinsicht ändern: Sie wird eher ruhiger, eher weniger dynamisch, weniger mobil sein, als sie es bisher gewesen ist. Auch das ist eine historische Zäsur in der Entwicklung unserer Städte, die ja in den letzten 50 Jahren, seit dem Zweiten Weltkrieg, eine ungeheuere Dynamik durchgemacht haben. Was ich gesagt habe, gilt für die europäischen Städte, nicht für die Städte in der dritten Welt, die weiter wachsen; aber zumindest für die Städte Mittel- und Nordeuropas gilt es. Polen ist ein Land, das noch wächst, aber ansonsten können wir davon reden, dass ganz Europa in eine Phase der Konsolidierung eintritt, was die Bevölkerung betrifft. Es hat sich in den letzten fünfzig Jahren ein neuer Typ von Sied - lungs struktur herausgebildet, der drei Ursachen hat: Die eine Ursache ist der enorm gewachsene gesellschaftliche Reichtum. Unsere Kaufkraft hat sich in den letzten fünfzig Jahren versechsfacht. Diese gewachsene Kaufkraft ist einerseits angelegt worden in Flächen – unsere Wohnfläche hat sich, wie erwähnt, verdreifacht. Das ist nur bei entsprechendem ge- sellschaftlichem Reichtum möglich. Ausserdem ist die Kaufkraft ange- legt worden in verfügbare Zeit – die Arbeitszeiten sind in den letzten fünf zig Jahren von über 48 auf teilweise 36 Stunden pro Woche gesun- ken. Wenn Sie dazu rechnen, dass wir im Schnitt 10 bis 20 Jahre älter werden als damals, dann hat sich die freie Zeit, die jeder von uns zur Verfügung hat, im genannten Zeitraum in etwa verdoppelt. Und das be- deutet, dass wir sehr viel mehr Zeit haben für Nichtarbeit. Zum Beispiel fürs Wohnen, wir können unsere grösseren Wohnflächen viel besser be- wohnen. Aber im Wesentlichen drückt sich das in unseren Freizeit akti - vi täten aus. Also eine Verdreifachung der Wohnflächen und eine Ver - dopp lung der Zeit; und, was hinzukommt, der dritte Teil unseres Reich - tums wurde in Mobilität angelegt. Zum Beispiel in Reisen, insbesondere aber in Autos. Als ich Kind war, konnten wir auf den Strassen spielen und ein Auto kam alle fünf Minuten vorbei; heute ist das nicht mehr möglich. Die Automobilität ist enorm gewachsen. Der Durchschnitt liegt heute meines Wissens in Vorarlberg bei zwei Autos pro Haushalt. Auch das hat unser Leben in Hinsicht auf die Flächeninanspruchnahme 143
        

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