Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/140/
wieder aufzurichten. Und in und mit dem Neuen tut Ihr dann so, als wä- ret Ihr immer noch Bauern, aber mit Bodenheizung und automatisch schliessendem Garagentor.» Frau Oehri nickt andächtig, flüstert aber zu ihrem Nachbarn, dass die liechtensteinische Bauerngeschichte eine Geschichte bitterer Armut für die meisten war. Was soll bedenkenswert sein an einem alten Stall, dessen Ertrag nicht reichte für die vielköpfige Familie? Ich gebe ihr Recht, denn ich komme auch aus einer Prättigauer Familie, die noch vor drei Generationen mausarm war. Ich weise aber darauf hin, wie mich die prestigeträchtige Aufrüstung der Neureichen melancholisch macht, und frage, was denn deren Beitrag und kulturelle Leistung seien. Frau Hilti und Herr Wohlwend zucken leicht mit den Wimpern, wenn ich zusam- menfasse: «Privatheit und Wohlstand begründen die Selbst- und Fremd - bilder Liechtensteins. Die Gesellschafts- und Politbilder und also auch die Ortsbilder. Wie Fremdlinge stehen die Ansprüche guten Bauens und genügsamen Lebens im Land.» Und Herr Brunhart schnauft hörbar auf, als ich sage: «Gemessen aber an der Grösse des Landes gibt es bemer- kenswert viele Einfamilienhäuser, Villen, Schulhäuser und andere Staats - bauten, die nicht allein der Architektur des geringsten Widerstandes fol- gen. Es gibt quer durch die drei Stränge Spannendes im Land. Überra- schende Bauten, die sich vor dem, was im Vorarlberg oder Graubünden geschieht, nicht verstecken müssen. Und ich rate, ermutigen Sie die Ermutiger. Beantragen Sie beim Fürsten, dass er alle drei Jahre einen grossen und ein paar kleine Orden für baukulturelle Leistungen verleiht: Gutes Bauen in Liechtenstein. Zusätzlich zu eurem Mitwirken im Ost - schweizer Schönheitswettbewerb. Denn Ihr seid ja eigensinnig.» Frau Schurti streckt auf und sagt, dass hier in Liechtenstein das pri- vate Leben der Familie über allem stehe, das brauche ein Haus und ein bis zwei Autos und keine öffentliche Figur und Form und keinen Or - den. Was Herr Gantenbein denn damit meine? Der erinnert an die Art, wie hier im Museum die Bilder hier an der Wand hängen, er verweist auf den kulturellen und gesellschaftlichen Faden, der jede Privatheit mit dem Rest der Welt verbinde. Und er fragt wie ein Lehrer: «Was haben wir bei der gestrigen Kunstbegehung gelernt?» Elisabeth Sele streckt auf, denn sie hat ja alles aufgeschrieben und sagt: «Das Ortsbild ist Ensemble und nicht Einzelstück. Und das Ortsbild ist öffentlicher Raum.» Richtig, lobe ich und führe aus: «Liechtensteins Ensemble ist die Landeshaupt - strasse von Balzers bis Schaanwald und Ruggell. Sie läuft mitten durch 140Köbi Gantenbein
        

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