Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/137/
der um die Stränge wachsenden Landschaft sein Auge und sein Herz geben.» Nach einem guten Znacht mit Ribel, Tatsch und Holdermus und einer Flasche Zweigelt vom Fürsten lese ich eine gescheite Arbeit der Ar - chi tekturhochschule über die Stadtwerdung von Liechtenstein. Die vier Stränge erhalten da theoretischen Grund. Professor Angelus Eisinger und seine Studenten schlagen vor, dass man von den Beständen und nicht von den Parolen ausgehen solle, um das Land zu planen. Das tönt gut. Dann lege ich mich ins Bett und denke: «Zur Ortsbildpflege Liech - ten steins gehört die Hochschulpflege. Beide haben’s mit Beständen einer Agglomeration, die längs des Rheins wächst und wuchert, sich ausdünnt und zusammenzieht. Eine Stadt und doch nicht. Dafür fehlt das Durch - einander. Es ist eine Landschaft, bestimmt vom zentralen Autostrang und dem Zugang zu Wohnplätzen. Ein Leopardenfell. Die dunklen Flecken sind die Menschenhäuser, die hellen die Pflanzen- und Tierorte. Liechtenstein ist ein Stadtpark und das heisst ...» Weiter komme ich nicht, ich bin eingeschlafen. Meinen zweiten Wandertag beginne ich mit einem Schwatz bei Pfläs terern, die Stein auf Stein ins Beckagässli von Vaduz schlagen. Ich komme auch aus einem reichen Land, aber staune, mit welchem Auf - wand hierzulande Oberflächen poliert werden – von den mit polnischem Granit gepflästerten Strassen über die Fassade des Kunstmuseums, die ja auch nicht von sich aus glänzt wie mit einer Speckschwarte eingerieben, bis hin zu den Ausstattungen der Fassaden kleiner Bauten, ihrer Gara - gen einfahrten und Blautannengärten. Ich bin auf dem Weg zum Schloss. Die Flagge weht im Wind und ich will den Fürsten besuchen, um ihn zu fragen, wie er es denn mit dem Ortsbild habe. Der Fürst ist, so habe ich gelernt, neben dem Volk der zweite Liechtensteiner Souverän. Er könn- te also mit einem Erlass die Ortsbild- und Architekturpolitik von einem Tag auf den andern umkrempeln und die ortsbildnerische Gestaltung der vier Stränge seines Landes voranbringen: Nachbarabstände abschaffen, dafür Zwischenräume einführen, urbane Verdichtungen anordnen und Nutzungen herbeischaffen. Halb betäubt vom Duft des Bärlauchs, der entlang des Schlosswegs wuchert, komme ich beim Schlosstor an. Dann verlässt mich der Morgenmut. Kann ich einfach beim Fürsten läuten? Ist das nicht unanständig und brächte gar meine Auftraggeber in Not? Ich kehre um, studiere die kühne Konstruktion, mit der der Gerüst-Hof - liefe rant vor dem Schloss sein Gestänge befestigt hat. Ich schliesse aus 137 
Liechtenstein, das Ortsbild und die Architektur
        

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