Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/131/
Geschichte des Terrains. Explodierend im Hier und Jetzt. Ausgerichtet auf Spannung und Harmonie. Dienlich und nützlich dem Leben und sei- nem Genuss. Es ist ein Abbild, es bildet ab, wer wie viel Profit ein- streicht.» Frau Sele bittet mich: «Köbi, kannst du das wiederholen, ich will es aufschreiben.» Geschmeichelt wiederhole ich: «Das Ortsbild ist wie das Kunst - bild. Es hat Gesetze, abgeleitet aus Traditionen. Befestigt in der Ge - schichte des Terrains. Explodierend im Hier und Jetzt. Ausgerichtet auf Spannung und Harmonie. Dienlich und nützlich dem Leben und seinem Genuss. Und vor allem – es bildet ab, wer wie viel Profit einstreicht und wer der Verlierer ist. Kurz, wir lernen hier im Kunsttempel die Theorie für die Forschungsreise durch Liechtenstein. Das Ortsbild ist Ensemble, nicht Einzelstück. Das Ortsbild ist öffentlich, nicht privat. Das Ortsbild ist Geschichte, nicht Einfall. Das Ortsbild bildet die Gesellschaft ab, ihre Teilungen, Schichten und Schluchten – es ist kein Zufall.» Sie lachen und denken. «Ein Fremder. Der kennt unser Land nicht. Ein Idealist, darum beginnt er mit der Kunst. Wir aber stehen im Le - ben.» Ich schüttle ihnen die Hände zum Adieu. Ich muss unterwegs, zie- he die Pelerine über und marschiere kreuz und quer durch Vaduz, dann über die Landstrasse Richtung Triesen. Am Strassenrand steht eine leicht verlotterte Wirtschaft, einge - richtet in einem Rucksäckli vor einem Zweifamilienhaus. Es heisst «Santana», hat viel Charme und erinnert mich an eine Tankstelle in einem amerikanischen Film. Ich sitze in die dunkle Höhle und bestelle eine heisse Ovomaltine. Meine Füsse brennen und ich fasse meine letz- ten drei Stunden in meinem grünen Heft zusammen: «Vaduz ist ein lang gezogener Strang, er fängt nicht an und hört nicht auf. Sein Rückgrat ist eine breite Strasse. Wenn die im Museum ge- wonnene Einsicht gelten soll, dass das Ortsbild Ensemble und nicht Ein - zel stück ist, dann ist Vaduz’ Ensemble diese Strasse. Und die Orts bild - bauer sind die Strassenbauer. Sie geben dem Ort den Untergrund und die Materialien, seine Geschichte und auch seine Zuversicht. Sie bestimmen die Position der Quartiere, der Räume, der Zwischenräume und sogar der Gebäude. Der Sinn und Zweck dieses Ensembles heisst Bewegung. Und deren zeitgenössisch liechtensteinische Form heisst Automobil. Dicht auf dicht befährt es diese Strasse und verlässt sie durch hundertfa- che Mäander ins Unterholz der Wohnquartiere. Es verlangt grosse Frei - flächen auf und über der Erde. Liechtenstein ist ein vom Liebgott gege- 131 
Liechtenstein, das Ortsbild und die Architektur
        

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