Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
41
Erscheinungsjahr:
2006
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000263362/112/
darauf ausgerichtet, den Anteil der Grenzlinien zu verringern, die Gren - zen zu strecken und sie nach Möglichkeit auf eine pflegeleichte Linie zu reduzieren. Das Gesicht der heutigen Bäche und Flüsse ist Ausdruck dieser Haltung. Das Rheintal als Gebiet zahlreicher Fliessgewässer hat aufgrund dieser Grundhaltung viele Qualitäten verloren. Auf dem Hin - ter grund der notwendigen Landgewinnung mag dieser Zugang zu den Grenzen verständlich sein. Heute wissen wir, dass diese einseitige Fixiertheit auf den Nutzen der Realität und den Funktionen der Gren - zen nicht gerecht wird. Bereits seit einiger Zeit sind Bestrebungen im Gange, Korrekturen vorzunehmen. Sie sind keineswegs nur ökologisch motiviert. Das Konzept der IRKA (Internationale Regierungs kom mis - sion Alpenrhein) führt vor Augen, dass die Wiederbelebung der Funk - tio nalität der Grenzbereiche auch je länger je mehr im Interesse der Sicher heit erforderlich ist. Den Akteuren im Raum scheint nicht nur eine gewisse Sensibilität für die Qualität bestehender Grenzen zu fehlen. Man hat darüber hinaus den Eindruck, dass sie sich häufig zu wenig bewusst sind, wie zahlreich und wie effizient physisch trennende Grenzen geschaffen werden. Na - ment lich in den letzten Jahrzehnten hat der Mensch diesbezüglich eine grosse Aktivität entwickelt: Die heutigen Strassen sind vielerorts tren- nende Linien, die funktionalen Beziehungen zahlreicher Flüsse sind im Interesse der Energiegewinnung unterbrochen worden, die Siedlung schafft zahlreiche physische Barrieren. Ein weiteres Problem der Sensibilität ist die selektive Wahr neh - mung von Grenzen. So werden etwa gewisse Behinderungen des Ver - kehrs flusses schnell als Begrenzung wahrgenommen. Die Beseitigung von Geschwindigkeitsgrenzen geniesst einen hohen Stellenwert. Dabei ist die Gesellschaft auch bereit, die Qualitäten ganzer Talschaften zu op- fern und neue Grenzen – etwa die Einengung der Naherholungsräume der ansässigen Bevölkerung – in Kauf zu nehmen. Fehlende Regeln bei der Beseitigung von Grenzen Im Rheintal sind in den letzten 150 Jahren – unter grossen gesellschaft- lichen Anstrengungen – wesentliche Grenzen beseitigt worden. So wur- de mit der Bändigung des Rheins die Voraussetzung für die landwirt- schaftlichen Meliorationen geschaffen. Beide Werke haben gemeinsam 112Heiner 
Schlegel
        

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