vertrauenden Anleger durch in der Summe überragende Anlageentschei- 
dungen zu wohlhabenden Menschen gemacht hat. Als Investitionsvehikel 
dient dabei die Firma Berkshire Hathaway, an der sich jeder — auch mit 
relativ kleinem Einsatz — beteiligen kann. Da das Vertrauen zu Buffett sehr 
gross ist, flossen ihm Milliarden an Kapital zu, mit denen er Aktienpakete 
und ganze Firmen aufkaufte. Neuerdings hat das «Orakel von Omaha» 
jedoch nicht mehr so grosse Erfolge. 
Warren Buffett gibt pro Jahr nur einen einzigen Brief heraus, der aller- 
dings weltweit Resonanz findet: den Aktionärsbrief seiner Beteiligungsge- 
sellschaft Berkshire Hathaway. Dieser enthält tief greifende Einsichten über 
Erfahrungen mit Märkten und Unternehmen. Seine Leser hängen an den 
Lippen des Börsengurus, der zugleich ein geschickter Verkäufer seiner ei- 
genen Produkte ist. Die Verflechtung zwischen Information und Geschäft 
ist perfekt. Die Publizität Warren Buffetts sprengt alle Vorstellungen von 
Privatbriefen zur Zeit Zickerts. 
Wo sind die Persönlichkeiten? 
Die Chance, dass es einen würdigen Nachfolger für den Briefschreiber 
Hermann Zickert bei uns in Europa geben könnte, ist praktisch gleich null. 
Woran es heute fehlt, sind unabhängige Persönlichkeiten, denen man ver- 
traut und die — wie ehemals Zickert — ihrer Zeit immer einen Denkschritt 
voraus sind. Solche Persönlichkeiten könnte man sich zum Beispiel fürs 
Fernsehen wünschen. Aber noch vor dreissig Jahren lehnten es in Deutsch- 
land die beiden TV-Anstalten ARD und ZDF ab, auch nur ein paar Mi- 
nuten täglich über die Börse zu berichten: «Wir dürfen doch nicht mit 
Fernsehgebühren für die Kapitalisten Reklame machen.» Inzwischen wurde 
diese Zurückhaltung aufgegeben. 
Eine Ausnahmeerscheinung in Europa war die Tätigkeit des ungarischen 
Börsenexperten Andre Kostolany, der es verstand, auf Seminaren und in 
Büchern den reichen Zitatenschatz alter Börsianer — wie etwa Hermann 
Zickert — wieder lebendig werden zu lassen. Hinter Kostolany stand eine 
erfolgreiche Vermögensverwaltungsgesellschaft, auf die er immer dann 
verweisen konnte, wenn man von ihm konkrete Tipps erwartete. 
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