Um dies zu verwirklichen, bedurfte es fundierter Informationen. Würde 
man die heutigen Börsen vom breiten Informationsfluss unserer Tage ab- 
schneiden, müssten sie verdorren oder würden schnell in die Hände von 
wenigen Spekulanten geraten. Ohne verlässliches Wissen kein funktionie- 
render Markt. Die «Geldkommunikation» hat jedoch nicht immer mit dem 
Wachsen des Wohlstandes und des Handelsvolumens der Kapitalmärkte 
Schritt gehalten. Unabhängige Ratgeber waren und sind gesucht. Tageszei- 
tungen, Zeitschriften und Zirkulationen von Banken und Vermögensver- 
waltungsgesellschaften sind allein auch heutzutage noch nicht in der Lage, 
das Informationsbedürfnis der Anleger gänzlich zu decken. 
Der erste deutsche Börsenbrief 
Eine wichtige Lücke sollten die Börsenbriefe schliessen. Die Geburtsstunde 
gedruckter Börseninformationen in Deutschland lässt sich genau fixieren. 
Es war der 21. Juli 1856. An diesem Tag erschien die erste Nummer des 
Frankfurter Gescháfisberichtes. Dieser Bericht im Zeitungskleinformat hatte 
eine Auflage von nicht einmal 1'000 Exemplaren; er kann als Vorláufer 
aller Bórseninformationsbriefe angesehen werden. Der Herausgeber war 
Leopold Sonnemann, der die erste Bórsenpublikation Deutschlands wie 
ein Hausierer auf den Stufen der Frankfurter Bórse verkaufte. Spáter grün- 
dete Sonnemann die liberale Frankfurter Zeitung, die man auch in der 
Schweiz fast bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lesen konnte. 
Maximilian Harden — Die Zukunft 
In Berlin wirkte in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts der grosse 
Briefschreiber Maximilian Harden. Seine von 1892 bis 1922 wochentlich 
erscheinenden Briefe trugen den Titel Die Zukunft und umfassten jeweils 
20 bis 25 Seiten. Harden war der Erste, der in seinen Briefen auch andere 
Autoren zu Wort kommen liess: Bórsen- und Bankenspezialisten. Die pu- 
blizistische Wirkung dieses ersten einflussreichen privaten Informations- 
briefes war enorm. Harden wagte es, den damals jungen Kaiser Wilhelm II. 
frontal anzugreifen, weshalb er für ein paar Monate nach Posen in Festungs- 
haft kam. Der pensionierte Reichsgründer Fürst Bismarck spielte Harden 
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