chen, auf die Hermann Zickert bereits 1938 hingewiesen hat, nach wie vor 
unsere Entscheidungen bei der Kapitalanlage beeinflussen. «Mit den Ge- 
boten für die richtige Kapitalanlage ist es ... nicht anders als mit den zehn 
Geboten des Moses. Diese bestehen ja auch überwiegend aus Verboten: Du 
sollst nicht ...! Was soll man nicht tun? Kurz zusammengefasst: Man soll 
gewissen asozialen Trieben der menschlichen Natur nicht folgen, diesen 
«Teufelm nicht nachgeben, sondern sie bekämpfen. Wer diese Gebote oder 
Verbote befolgt, der betätigt sich damit für die Erhaltung und gute Ord- 
nung des Zusammenlebens der menschlichen Gemeinschaft. Man erlaube 
mir den Vergleich: Auch die richtige Kapitalanlage dient dem gleichen 
Zweck. Auch für die richtige Kapitalanlage muss man mehr Verbote befol- 
gen als positive Gebote. Denn die grösste Gefahr liegt auch hier in gewissen 
Untrieben der menschlichen Natur, von denen ich nur das Spielteufelchen 
und den Teufel der Bequemlichkeit als besonders charakteristisch hervor- 
heben will.» 
Nachstehend werden «Die acht Gebote der Finanzkunst» von Hermann 
Zickert auszugsweise zitiert. Jedes dieser Gebote wird in kursiver Schrift 
mit einem Kurzkommentar von mir ergänzt. 
1. Gebot: Arbeiten Sie mit Ihrem Kapital! 
«Niemals war Geldkapital so knapp wie 1924 in 
Deutschland, niemals wurden so hohe Zinsen dafür 
geboten. Nutzen Sie diese günstige Lage aus! ... Wa- 
rum legen Sie das erhaltene Kapital nicht in Gold- 
hypotheken an, die Ihnen halbjährlich ein oft nicht 
zu verachtendes Einkommen liefern? ... Sie müssen 
... stets die beste Anlage suchen. Diese wechselt von 
Zeit zu Zeit, oft schneller, manchmal langsamer... 
Das Geniale kann nicht gelernt werden, wohl aber 
das Handwerksmässige. Ähnlich ist es mit der Finanz- 
kunst... Seien Sie zufrieden, wenn Sie die handwerks- 
mässigen Griffe erlernt haben und es zu einem acht- 
359 Die Publikation wurde im Verlag August Scherl 
351 
352 
353 
G.m.b.H., Berlin, herausgegeben. 
Dieser Begriff ist nach wie vor aktuell: «Die 
erfolgreiche Geldanlage basiert auf den Grund- 
sätzen des soliden Handwerks und hat wenig mit 
Zufall oder Kunst zu tun. Analyse und Lektüre 
sind hierfür das unentbehrliche Werkzeug.» 
Zitiert aus einem Interview mit Andre Kistler, 
Zürich, in: Finanz und Wirtschaft, Nr. 34, 
30. April 2005, S. 27. 
Spiegel der Wirtschaft, Nr. 11, November 1947, 
S.313. 
Deutsche Ausgabe: Die Kunst der Kapitals- 
anlage, Berlin 1910. 
* Spiegel der Wirtschaft, Nr. 11, November 1947, 
S.314. 
Spiegel der Wirtschaft, Nr. 36, 4. September 
1938, S. 405/406. 
143 
  
  
 
        

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