Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/83/
chandenen Nährstoffe, namentlich auch den HumuS, fördert die 
Verwitterung von Mineralbestandtheilen und beschleunigt die 
Vegetation (WachSthum) der Pflanzen. Er eignet sich deß- 
halb besonders für Gebirgslagen und für schweren, feuchten 
Boden und saure Wiesen. Seine Wirkung zeigt sich indessen 
-oft erst im zweiten und dritten Jahre deutlich und kann, da 
er selbst den Pflanzen nur wenig direkten Nährstoff liefert, nur 
auf einem Boden, der solche Stoffe in hinreichender Menge 
enthält, eine bedeutende sein. Folgt ihm nicht Dünger nach, 
so erschöpft er den Boden, wie wir beim Mergel gesehen 
haben*) 
DaS Knochenmehl ist namentlich wegen seines starken Ge 
haltes an PpoSphorsäure ein höchst werthvoller Hülfsdünger. 
Die PhoSphorsäure besteht auS einem Theil Phosphor 
und fünf Theilen Sauerstoff. Der Phosphor ist ein einfacher 
oder Urstoff, wird aus Thierknochen und gewissen Mineralien 
gewonnen und ist sehr giftig und übelriechend. Allgemein be« 
jannt wurde er durch feine Verwendung zu Streichhölzchen 
Alle Pflanzen (wie auch der thierische Körper) enthalten PhoS 
phorsäure. Sie ist auch im Boden allgemein verbreitet, aber 
nur in sehr geringer Menge. An ihr verarmt der Boven meist 
am schnellsten und wird dadurch unfähig zu guten Ernten. 
Darum sind die phosphorsäurehaltigen Düngemittel, zu denen 
in erster Linie Guano und Knochenpräparate gehören, von so 
außerordentlicher Wichtigkeit. 
DaS Knochenmehl enthält an PhoSphorsäure in 100 
Pfund etwa 20—25 Pfund, ferner 30—35 Pfund Kalt- und 
Bittererde und 3—4 Pfund ammoniakbildenden Stickstoff. Die 
Asche der Weizen-, Roggen- und Maiskörner enthält in 100 
Pfund 40—50 Pfund PhoSphorsäure. Daher die hohe 
Wichtigkeit deS Knochenmehls für den Getreidebau. Man 
nimmt an, daß 1 Pfund Knochen in drei Ernten zusammen 
10 Pfund Kornwerth erzeugt, und setzt 1 Zentner Knochen 
mehl gleich 25—30 Zentner Stallmist. Außer auf Getreide 
tvirkt eö auch günstig auf Erbsen, RepS, Rübsen, Ackerbohnen, 
Wicken, Möhren. Auf mittelschwerem Boden und zur Herbst« 
saat angewendet, wirkt eS sicherer als auf ganz schwerem oder 
ganz leichtem Boden und zur Wintersaat. Da eS sich lang 
samer löst als Guano, so ist eine Mischung von beiden na- 
mentlich für verspätete Wintersaaten sehr günstig. Auf leichtem, 
hitzigem, kalkreichem WieSboden zeigt eS oft wenig Wirkung, 
besonders wenn derselbe schon die für die Wiesenpflanzen nölhige 
Menge phosphorsauren KalkeS enthalt. 
Als Hauptregel gilt, nur fein gemahlenes Knochenmehl 
zu verwenden. Man fetzt dasselbe auf Haufe«, begießt diese 
mit Jauche und läßt sie etwaS gähren oder anfaulen. Noch 
wirksamer, weil schneller löSlich, ist das durch Dämpfen und 
Säuren „ausgeschlossene" Knochenmehl, besonders als Zwischen- 
und Ergänzungsdünger — etwa 2 Zentner per Juchart. 
In England wurde die hohe Wichtigkeit, dieses Knochen- 
düngerS zuerst, d. h. schon vor 70 Jahren, erkannt. Seither 
führte es ununterbrochen Knochen überall her, aus Schlacht, 
feldern, Leichenstätten :c. ein, gegenwärtig jährlich 60—80,000 
Tonnen (ä 20 Zentner), wodurch es seinen Getreideertrag un- 
endlich gesteigert hat. Die sächsischen Landwirthe verwenden 
jährlich etwa 130,000 Zentner Knochenmehl. Bei dieser hohen 
Wichtigkeit der Knochen ist jede Ausfuhr derselben aus einem 
Lande ein großer Verlust für die Bodenkraft desselben, und eS 
*) In England und Mitteldeutschland wird die Kalkdüngung 
sehr reichlich angewandt, bei uns noch seltener; daher hier emeAn» 
leitung dazu. Man kalkt zu Wintergetreide, Klee, Kartoffeln, Reps, 
bringt aber natürlich den Kalk nicht mit dem Saatgut zugleich in 
den Boden, sondern führt ihn einige Wochen vorher, 12 — lö Mal« 
ter per Juchart, in frisch gebranntem Zustande auf, setzt ihn in 
kleine Häufchen, bedeckt ihn für kurze Zeit mit etwas Erde und 
breitet ihn, wenn er zu Pulver gefallen ist, sofort gleichmäßig 
aus, pftügt ihn unter und mischt ihn noch mittelst der Egge recht 
innig mit dem Erdreich, — alles das aber nur bei trockener Witte- 
rung. 
liegt im höchsten Interesse der Landwirtschaft (und damit deS 
ganzen Volkes), daß alle Knochen sorgfältig gesammelt und 
im Jnlande dem Boden zurückgegeben werden. Denn, wiege- 
sagt, t Pfund Knochen ----- 10 Pfund Korn! Dieß wird im 
Allgemeinen noch so wenig begriffen, daß die Schweiz gegen- , 
wärtig sorglos jedes Jahr 8— 11,000 Zentner Knochen aus 
führt und damit gegen 3 Millionen Zentner Stalldünger- 
werth verliert. 
Der Guano oder amerikanische Vogeldünger ist erst in 
neuester Zeit in Europa heimisch geworden. Im Jahre 1840 
kamen als Probe 20 Fässer nach England. Der Versuch zeigte 
eine solche außerordentliche Wirkung, daß schon 18-44 weit 
über 100,000 Tonnen eingeführt wurden, und heute England 
allein etwa 3 Millionen Zentner Guano jährlich verbraucht. 
Auf den unbewohnten Felseninseln, welche der Westküste 
Pem'S und Chili'S gegenüber im stillen Meere liegen, Hausen 
unermeßliche Schwärme von allerlei Seevögeln, gewaltige Pin- 
guine (Fettgänse) und Alke, welche mit ihren Flügelstummeln 
nicht fliegen und mit ihrem fetten, plumpen Leibe nur unbe- 
Holsen gehen, dafür aber trefflich schwimmen können, zahllose 
Pelikane (Löffelgänse). Albatros, Möven, Seeschwalben, Tau- 
cher u. s. w. Seit unvordenklicher Zeit holen diese Vögel ihre 
Fischnahrung aus dem Meere und haben mit ihren Auswürfen 
die Jnselklippen 20, 30, ja bis an 100 Fuß hoch bedeckt. 
Diese Auswürfe, verbunden mit den Federn und Leichen der 
Vögel, bilden eine erdige, fettig anzufühlende Masse mit durch- 
dringendem Harngeruch. Die obersten Schichten sehen schmu- 
tzig gelblich aus und sind der beste, kräftigste Guano; die 
untern Lager sind fester, dunkelbraun und von geringerem 
Werth?. Da es in jenen Gegenden theils gar nie, theilS nur 
sehr selten regnet, so sind diese Düngerlager auch nicht auS- 
gewascyen, sondern enthalten so ziemlich den ganzen Werth der 
kräftigen Fischnahrung jener Vögel in sich. 
(Schluß folgt.) 
Verschiedenes. 
Auch die größte Landeshauptstadt der Welt — London 
— hat jüngst ein „Revolutiönchen" erlebt. Ueber diese Volks- 
demonstratio!,, welche auch bemerkenswertherweise gegen das 
Parlament (englische Landesvertretung) gerichtet war, wird .mk 
term 18. April der Allg. Ztg., mit Hintansetzung von Neben- 
umständen, Folgendes geschrieben: 
Ein Massenzug von „160.000 ernsten und entschlossenen 
Männern" war angekündigt, der sich gegen dag Parlament 
bewegen sollte, um dort für ihren Führer. John de Morgan, 
Zulaß zu ertrotzen. Diese zweideutige Persönlichkeit soll eine 
äußerst anrüchige Vergangenheit haben und sich auf eine ge- 
wisse Arbeiterklasse stutzen. Eine größere Notorietat suchte er 
nun zu erlangen, indem er einen Massenmarsch gegen die 
Landesvertretung organisirte, um die Freilassung deS Betrügers 
Orton Castro, der sich für „Roger Tischborne" ausgab und 
jetzt als Sträfling im Gefängnisse sitzt, im Namen des 
Volkes zu begehren Diese Absicht theilte der freche Volks- 
sührer sogar dem Ministerium deS Innern brieflich mit, welches 
ihm mit Aufmerkfammachung auf die bestehenden Gesetze er- 
wiederte. Morgan aber antwortete keck:- „er habe keine Absicht 
daS Gesetz zu verletzen, ersuche aber die Behörden darauf zu 
achten, daß die Polizei nicht mit dem Volke in Konflikt ge- 
rathe, denn daS würde einen Revolutionsfunken im ganzen 
Lande entzünden und die Nation hätte die Folgen zu verant- 
Worten" — nicht er selbst! Weiter verlangte er im Parla- 
mente zu. sprechen Ein anderer bekannter PolkSführer mahnte 
ab, eiklarte dieses Vorhaben für ungesetzlich und den öffentli- 
chen Frieden äußerst bedrobend und wieS darauf hin, daß auf 
solche Weise die im vorigen Jahrhundert von Lord Gordon 
angeregten Unruhen entstanden, die Stadt London vom Pöbel 
gchlündert, das Newgate Gefängniß erbrochen wurde, :c.
        

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