Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/72/
bar zu erhalten, indem dadurch die vom Schmutz verstopften 
Oeffnungen der Rinde geöffnet und das MooS, sowie die In- 
selten sammt ihren Eiern vernichtet werden. Man bedient sich 
dazu einer gestielten, vorn spitzigen, hinten breiter werdenden 
ftarkborstigen, scharfen Bürste und verrichtet die Abwaschung 
deS Schaftes von oben bis unten am Besten, wenn der Stamm 
noch naß ist. 
Verantwortlicher Redakteur ».Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Schaan. Eingesandt. (Schluß.) 
Im Weiteren machten sich die mehreren Unterländer noch 
groß mit Kredit und fürchten sich nicht wenn auch ganz Pom- 
palufien aus einmal stützig würde. — ! Oho! Kredit! Kredit 1 
Wisset ihr mehreren Unterländer wo wir noch Kredit allen 
falls haben? Ich glaube im Lande JudeaS und durch euere 
herausforderlichen Schimpfereien gegen Blutzgerland und Pom- 
palusten scheinet ihr mir die Hasen in die Küche der Wucherer 
treiben zu wollen; ich meine damit man mich recht verstehe, 
diese Schimpfartikel können Veranlassung geben zur Kündigung 
der auswärtigen Kapitalien, wobei denn der arme Bauer zu 
den Geldkönigen seine Zuflucht nehmen muß und schließlich noch 
froh sein um Wucherzinse Geld zu bekommen; Roth bricht 
Eisen. Ich sage auch nicht, daß die mehreren Unterlänver das 
beabsichtigen, aber könnte das nicht in der Absicht anderer 
Gchürer liegen? Mir will'S gar nicht in den Kopf hinein, wie 
man soll mit Kredit sich groß machen können, ich spreche da 
schon nicht vom Kredite der mehreren Unterlander, wenn Bür 
ger eineS Staates, die noch gute Unterpfands geben können, 
Geld aufnehmen müssen gegen 5% Provision, d. h. wenn der 
Schuldner 100 fl. empfangen zu haben unterschreiben muß, 
wahrend er wirklich nur 95 bekommt, wofür sie mehreren 
Unterländer Belege haben sollen, wenn fernerS Burger gegen 
73/ 4 o/ 0 Geld aufnehmen und gegen solche hohe Zinse ihnen 
nicht länger als auf % Jahr kreditirt wird, wenn endlich 
Bürger 10% zu zahlen stch herbeilassen müssen, weil sie nicht, 
wissen, wiewohl gutes doppeltes Unterpfand da wäre, woher 
Geld nehmen solche Kapitalien zu tilgen, für diese letztange- 
führten Alle habe „ich" Belege. Sehet, mehrere Unterländer 
solche Umstände und Kredit, das kann ich in meiner pompa- 
luser Einfalt gar nicht vereinigen. Wie käme eS nun er,t 
heraus, wenn daS beschimpfte und geschmähete Pompalusien 
auf einmal stutzig würde und die beiläufig 200,000 Güldele 
werthe Bombe ins Kredit-Ländchen Liechtenstein absenden thätk 
mit dem Nachrufe: Nun Kredit-Männlein, zahl mich aus?! 
Da würde man wohl noch herzinniger bitten und anhalten und 
weinen a«'S eS in jüngster Zeit geschah, da ein Kapitalist von 
den Schuldnern unseres Ländchens seine Zinse einzog, unv nur 
seine „Zinse" und nicht die „Kapitalien". Wenn Pompalusien 
mit einer solchen Bombe das Ländchen nicht in Schrecken setzt, 
so tragen daran die mehreren Unterlänver keine.Schuld, durch 
ihre Schinchsartikel von Blutzgerland und Pompalusien zc. haben 
sie ihr „Möglichstes" geleistet, damit diese Kapitalien gekün- 
diget werden sollten, dieses muß dann nur der schon wieder- 
holt und wiederholt bewiesenen Großmuth Pompalusiens gegen 
Liechtenstein zugeschrieben werden, das den Spott und die 
Schimpfereien, die Einzelne sich erlauben, nicht Allen in die 
Schuhe schieben will. Was übrigens noch nicht geschehen, 
kann sich ereignen, vielleicht sieht man noch zu, ob im Länv- 
chen schließlich nicht noch ein anderes Wort als das „Wörtlem" 
der mehreren Ruggeler- Bürger gesprochen wird. Also vor- 
wärtS, ihr Volksbeglücker, und vielleicht gelingt eS euch am 
Ende noch auS dem Ländchen ein zweites gelobtes Land zu 
machen, das da überfließet von Milch und Honig. 
Im Bewußtsein eineS vollen Kredites werfen die mehreren 
Unterländer auch noch das stolze „bis jetzt ist Nichts verloren", 
den Pömpalusern in'S Gesicht. DaS ist die Sprache aller in 
der Klemme sich befindlichen Schuldner, „bis jetzt hast du an 
mir Nichts verloren." Nichts verloren?? Schlaget nur im 
Grundbuche nach und da könnet ihr noch nachsehen, ob Pw 
paluser Nichts verloren haben. Nichts verloren? Haben euere 
Großväter oder Väter nicht gutes, vollwerthigeS Geld von 
Pompalusien herunter bekommen, und nun muß Pompalusien 
mit Ausnahme der wenigen Briefe die speziell auf Franken 
lallen, mit einem entwertheten österreichischen Silbergulden, den 
nicht einmal die Goldschmiede mehr einlösen und den man vorigen 
Sommer in Pompalusien nicht um „1 Fr. und 30 Rappen" 
an den Mann brachte, sich zurückzahlen lassen. Rechnet einmal 
den Schaden nach, nur zu 10 % Verlust (was immerhin daS 
Minimum ist) aus 194,000 fl, die beiläufig aus Guldenbriefe 
lauten könnten, wenn wir die anderen 6000 fl. auf Franken- 
briefe rechnen. DaS macht daS kleine Sümmchen von 19,400 fl. 
aus, oder nicht? Das verliert oder hat Pompalusien jetzt 
schon verloren an seinem Kapital. Dann kommen noch die 
Zinse dieses Kapitals, die jährlich zu 5 % angelegt, 9700 fL 
abwerfen Von diesen 9700 fl. ZinS verliert Pompalusien 
wieder 10%, das macht jährlich ZinSverlust 97Q fl. Und 
daS heißt jetzt nun „Nichts verlieren" in den Augen der meh- 
reren Unterländer! Da liegt wohl doch der Hase im Pfeffer. 
Da sieht man auch den BilligkeitSsinn der mehreren Unter- 
länder, die doch Jedem geben wollen, was ihm gebührt.- 
Auf die übrigen Beschimpfungen von meiner Heimath Pom- 
palusten trete ich nicht ein; wollte ich mir Zeit unv Mühe 
nehmen, könnte ich die mehreren Unterländer mit baarer, voll- 
gültiger Münze heimzahlen, hiezu reut mich aber nicht nur die 
Zeit und die Mühe, sondern auch selbst Papier, Tinte und Feder. 
Schließlich gebe ich den mehreren Unterländern noch den 
guten Rath, daß sie, Falls sie der Lust nach dem schönen Pom- 
palusten zu reisen nicht widerstehen könnten, ja nicht vergessen, 
Gold- oder grankenwahrung (Pvil-paluser machen keinen Unter- 
schied zwischen Gold« oder Frankenwährung) mitzunehmen, denn 
um den österreichischen Sil vergüten würden sie nichl einmal 
ein Nachtlager in Cngaoin bekommen, wiewohl in dort laut 
Stat.stik 5161 Betten für fremde Gäste auf kommenden Som- 
mer in Bereitschaft gehalten werden. 
Mit diesen Worten nehme ich nun von den mehreren Unter- 
ländern Abschied auf ein hoffentlich Nimmerwiedersehen auf 
diesem Felde. Gehabt euch wohl und hütet euch a Bitzele vor 
dem auf's Eis gehen! 
Schaan, den 16. April 1877. 
Beat Deflorin, fü^stl. Hofkäplan. 
Anmerkung der Redaktion. Mit dem Schlüsse des vor- 
liegenden „Eingesendet" werden wir weitern etwaigen Person- 
licheh. Einsendungen in unserem Blatte keinen Raimi mehr 
gewähren 
Thermometerftand nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
April 
25 
+ 4 
+ 10 
+ 91/2 
fast hcll 
V 
26. 
+ ^ Vi 
+ I2V2 
+ 12 
hell 
M 
27. 
+ 6 
+ 16 
+ 14 
II 
H 
28 
+ 9 
+ H 
+■ 8 
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29. 
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+ 10 V 2 
+ 8 
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II 
30, 
+ 7% 
+ 11 
+ 8 
fast trüb; Reg. 
Mai 
1. 
+ 5-/, 
!+ 53/4 
+ 4 3 / 4 
trüb; Reg. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
2. Mai Silber. 111 25 
20-Frankenstück . . .... 10.30 % 
100 ReichS-Mark . 63.30 
• London 128.85 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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