Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/68/
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sie oft aus gar nichts Anderem mehr besteht, so bleibt eigent 
lich zwischen ihr und einer Windmühle kein Unterschied übrig. 
Darum glaube ich auch nur im Sinne meiner Gegnerin zu 
handeln, wenn ich noch einmal meine Lanze gegen sie, resp. 
ihren Waffenträger und Fechtmeister einlege und den „Strauß", 
den sie mir in einem offenen Sendschreiben vom 11. d. MtS. 
anbietet, auch aufnehme. 
Vor Allem habe ich mir gar nie geschmeichelt, daß Ihr (?) 
„Eingeflogen", verehrteste Madame, ausschließlich an mich ge« 
richtet war und ich kann eS mir nur mit Hilfe Ihrer unlo- 
gischen Denkweise, Ihrer VerdrehungS« und UebertreibungSfucht 
erklären, wenn Sie dazu kommen, in Ihrem offenen Send« 
schreiben obige Meinung bei mir vorauszusetzen. 
Ich habe in alinea 12 meines Eingesendet vom 28. v. M. 
nur gesagt, daß Sie mich wegen zweier Behauptungen in 
meinen vorausgegangenen Einsendungen eine „WeiSheitSnase" 
und einen „Angstmacher" zu tituliren geruhten, und nun wollen 
Sie mir zu meine« nicht geringen Verdruß diese Ehrentitel, 
auf die ich schon so stolz war, wieder nehmen, jedoch nicht ohne 
wir für die „WeiSheitSnase" einen, wenn auch wenig tröstlichen 
Ersatz durch die Verleihung deS Charakters eines „Gimpels" 
zu geben, den anzunehmen sich aber wieder meine Bescheiden- 
Heit, alS ganz und gar unverdient, weigert. 
Denn sehen Sie, in alinea 8 ZhreS „Eingeflogen" beklagen 
Sie sich, daß eine WeiSheitSnase vorauSriechen mill, daß die 
Krümer, Händler, Wirthe u. s. w. auch bei der Frankenwahrung 
bei ihren jetzigen hohen Preisen und kleineren Maßen und Ge- 
Wachten bleiben werden, d. h. „es werde nichts billiger", 
< und am Ende derselben alinea nennen Sie den einen Angst« 
macher, der sich die Meinung auszusprechen erlaubte, daß auch 
die Frankenwährung nicht gegen jede Werthschwankung gesichert 
fem dürste. 
Nun, vergleiche jeder unbefangene Leser diese Expektoration 
der Madame mit alinea 20 meiner Einsendung vom 20. Febr. 
und mit alinea 3 der vom 6. v. MtS, und ich frage ihn, ob 
er nicht, wenn er der Schreiber der zitirten alimesn wäre — 
Halbweg l»gischeS Denken vorausgesetzt — obige Titulaturen 
der Madame nicht auf sich bezogen haben würde. 
Aber, bei einem Weibe Logik voraussetzen! DaS hieße wohl 
gegen Windmühlen fechten. 
Ich kann daher nichts dafür, wenn ich Ihrer ächt jesuitischen 
reservatio mentalis zum Opfer gefallen bin, und ich habe daS 
«acrifizio dell' iatelleWo noch nicht dargebracht. 
Glänzend haben Sie Ihre Oberflächlichkeit und Sophisterei 
durch die Art und Weise bewiesen, wie Sie glaubten, daß Sie 
Ihr Schul- und Fechtmeister aus Ihrer geographischen und 
orthographischen Patsche gezogen habe. 
Geben Sie nicht selbst zu, daß man nur Grütli und Rütli 
lieSt, und müssen Sie im Hinblicke auf alinea 6 Ihres „Ein- 
geflogen" und alinea 4 meines Eingesendet vom 28. v. MtS. 
nicht zugeben, daß ich nur behauptete, es gebe in der ganzen 
Schweiz kein klassisches „Rütle", wie Sie die bekannte Wiese 
in Ihrer weiblichen Nonchalance und Gründlichkeit zu taufen 
belieben. 
Was dann das Wort Krakehler betrifft, so will ich wieder 
nicht, daß man „Kragehler" schreibe, wie Sie mir oktroyren 
wollen, und wie Sie ein Blick auf. alinea 3 meines Einge- 
sendet vom 28. v. MtS. belehren könnte, wenn Sie überhaupt 
einer Belehrung fähig sind, was ich jedoch stark bezweifle. 
Verweise übrigens diesbezüglich Sie und Ihren Fechtmeister 
auf das deutsche Wörterbuch der Gebr. Grimm, die mir denn 
doch gewichtigere Autoritäten, sind, wie ein Schullehrer der obern. 
Landschaft. Lächerlich ist, wie Sie sich aus der Patsche, in 
die Sie der Ausspruch: l'etat c'est moi gebracht, zu ziehen 
suchen. 
Ihre „kleinen Fritze" sollten nämlich durch den witzigen 
Kontrast zum großen Fritz wirken. Ich bitte Sie nun, gefällig^ 
^ eine ähnliche Parallele zu den „kleinen Ludwigen" zu ziehen. 
Daß Sie meine zwei Ginsendungen nichts gelten lassen, 
und daß Sie (!) und Andere den Werth der entwertheten 
österreichischen Silbergulden nachgewiesen haben wollen, erklärt 
mir der Umstand, daß nicht wir — daS Volk der unteren 
Landschaft —, sondern ihr — die herrschende Kaste 
deS Oberlandes — die Unfehlbarkeit für euch in Anspruch 
nehmt, die ihr gerade auS Herrschsucht und Eigennutz gar fa- 
patriotisch seid, indem ihr lieber in Liechtenstein die erste Violine 
spielen, alS anderswo bloS begleiten wollt. 
Denn nur so ist euch Kapitalisten die Möglichkeit gegeben,, 
euch vor Schaden zu bewahren, indem ihr diesen, der durch 
die Silberentwerthung unstreitbar vorhanden ist, aus die Schul- 
tern eurer Schuldner überzuwälzen trachtet. 
Ich habe in meiner zweiten Einsendung vom 6 v. Mts. 
bestimmte präeise Fragen an den Herrn Verfasser der Streif- 
lichter gerichtet, er möge unS ziffermäßig unseren sogenannten- 
„unmoralischen" Profit nachweisen, was aber bis zur Stunde 
erfolglos blieb. 
Geradezu frech ist die Verdrehung der Madame, daß ihre 
Schimpfereien nicht gegen das halbe Vaterland, sondern nur 
gegen unS Wortführer gerichtet seien. 
DaS ändert aber an der Sache nichts; denn wir Wenigew 
haben nur den Willen und die Ansicht deS ganzen hinten 
unS, wie ein Mann stehenden Volkes der unteren Landschaft 
zum Ausdruck gebracht, daS mit unS damals nach Vaduz zog 
und daS uns auch bei den LandtagSwahlen nicht deSavouireu 
wirv, fo daß die Herren deS Oberlandes mit H. Heine werden 
singen können: 
„Ihr güldenen Dukaten, 
Sagt, wa seid iyr hmgerathen?" 
Die edle Madame würde einen anderen Begriff von der 
Sachlage bekommen, wenn Sie sich überzeugen wollte, welche 
Entrüstung ihre Schmähartikel beim ganzen Volke der unterm 
Landschaft hervorriefen. 
Sollte aber der Wille deS Volkes in der Währungsfrage 
bei den Wahlen nicht zum Ausdruck kommen, so könnte mm* 
auf dieselben das Epigramm anwenden: 
„Die Herren haben lange Arme, 
Die Pfaffen lange Zungen 
Und das Volk hat lange Ohren." 
Schellenberg, 24. April 1877. 
Fr. Jos. Biedermann. 
Thermometerstand nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
April 18 
+ 2 
-J- 5 
~b 5 
trüb, Schnee,Reg. 
„ 19. 
+ 4 
+ 8 
+ 4 «4 
„ Reg. 
, 20. 
+ 3 
+ 4 
+ 3 
H H 
, 21 
+ 2 
+ 7 
+ 4 
halb hell 
, 22 
+ 4 
+ 6 
+ 5 
trüb; Reg. 
h 23. 
+ 5 
+ SN 
+ 5 
fast trüb; Reg. 
„ 24. 
+ 3 
+ 6 
+ 4% 
trüb; Reg. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
25. April Silber 11390 
20-Frankenstück 10.43 
100 ReichS-Mark ....... 64.05 
London . . 130.25 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirck.
        

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