Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/64/
vorzeigen. Dabei findet Jedermann — ob Goldfreund — 
oder — doch nein — Goldfeinde gibtS auch im Unterlande 
nicht, wenn sie nur recht viele NapoleonSdor hätten, ich möchte 
eS ihnen aufrichtig wünschen — also Jedermann findet am 
famosen Tisch Labung und Stärkung in vaduzer, Eschner- 
berger, wenn er mundet, uhd an der Milch der guten Kuh. — 
WohlbekommtS! Aber die Sücka mit solchen Aufschneidereien 
diSkreditiren wäre doch baarer Unstnn! 
Nun kommt der „andere Anlaß bei meinen GeschäftSgän- 
gen", wo ich abermals als „Agitator" figuriren muß. Bei 
jenem „Anlasse" soll ich mich „nicht entblödet haben, Personen 
... auf unzukömmliche Art darzustellen. " Ich kann mich 
nicht erinnern bei meinen „Geschäftsgängen" über Jemand 
etwas gesprochen zu haben, waö nicht schon bekannt gewesen. 
Da6 mir gemachte Kompliment „Agitator" klingt von Seiten 
der „mehreren Unterländer" gerade so, wie Wenn ein Esel 
den andern Langohr nennt. Somit erkläre ich die Aeuße- 
rung „Agitator" als elende Verleumdung. 
Ganz prächtig macht sich der Witz der mehreren Unter- 
länder über daS von mir angebrachte Bauern Sprüchwort: 
„Schmieren und Salben hilft allenthalben, Hilsts nicht am 
Herrn, Hilsts am Karren", wobei ich spöttisch mit dem berühm- 
ten Philosophen Kant zu rivalisiren vorgestellt werde und mir 
schließlich der Krummstab, die hohe BischosS.Würde in AuS- 
ficht gestellt wird. Ach! wie prächtig macht sich das, von 
einem Bauernsprüchwort hinüberhüpfen aufs Feld der Philo- 
fophie und hohe Kirchenwürden hineinziehen! Welche Logik 
beweisen doch die mehreren Unterländer! Hänget doch Land- 
wirthschaft an den Nagel, bewerbet euch um eine Professor- 
stelle der Philosophie auf irgend einer Hochschule, da< wird 
doch gewiß mehr Ehre und Lohn eintragen, als Zeitungsartikel 
in einer kirchenfeindlichen Zeitung gegen einen einfachen, ein- 
fältigen Kaplan zu schreiben. Solche gelehrte Häuser sollten 
sich mit einfältigen Leuten gar nicht abgeben. Die Sprache, 
welche diese Gelehrten in ihren Artikeln brauchen, und ihre 
Ausdrücke als Sack ohne Boden, Krummstab, Bestallung der 
Geistlichen, die riechen stark nach den rothen Strümpfen in 
Nr. 18 der Feldkircher Ztg.; man sieht, die mehreren Unter- 
länder haben schon ziemlich die Luft der Zeitung, mit der sie 
konferiren, eingealhmet und die LieblingS-RedenSarten derselben 
sich ziemlich mundläufig gemacht. Nur frisch vorwärts auf 
diesem Wege deS Kulturkampfes und der Lorbeeren wirdS nicht 
fehlen. Wenn die vielen Leser der erbaulichen Feldklrcher Ztg. 
die Luft derselben verhältnißmäßig so eingealhmet Huben, wie 
ihre Fühier im Währungsstreile, dann wird man bald unter 
der Bevölkerung Liechtensteins eine Saat aufgehen sehen, über 
deren Früchte man noch staunen wird. Ist eS wahr, daß die 
Feldkircher Ztg. seit dem dieselbe von den mehreren Unterländern 
als Organ ihrer Einsendungen auserkoren worden, bedeutend 
Abonnenten aus dem Bauernstande unserer Bevölkerung ge- 
Wonnen habe und daß nebst dem noch eine große Anzahl 
Nummern, welche Artikel über den Währungsstreit oder per« 
sönliche Anfeindungen gegen ihre Gegner enthalten, nach dem 
Oberlande kolportirt werden? 
Möchten die mehreren Unterländer in ihrer Erwiderung 
vorgeben, ich hätte in meinem Artikel behauptet, daß Schmieren 
und Salben an „ihnen geholfen hätte", so ist daS nur eine 
böswillige Entstellung memeS Artikels, durch welche dieselben 
einen geschickten Advokaten-Seitensprun. machen wollten um 
einen Einfältigen zu fangen, um denselben einer infamen Lüge 
zu bestrafen, um dasjenige zu umgehen, was ich in meiner 
Einsendung wirklich klar und deutlich gesagt hatte, nämlich, 
daß in der unteren Herrschaft Liechtensteins daS „Geldfchmieren" 
angewendet worden fei, um mit dem Währungsstreite durch- 
zudringen. Sind euch mehreren Unterländern derartige redliche 
Manöver keine bekannt?! Ist eS euch denn nicht zu Ohren 
gekommen, daß Unterländerbürger an jenem ewig denkwürdige« 
Tage, zu dessen Ehre man ein Monument im Unterlande setze»? 
will bei uns friedlichen Arbeitern, die zu ihrer lästigen Wuhr- 
arbeit gingen, einen Taglohn von 3 Fr. für den Nachmittag 
versprochen haben, wenn sie sich ihrem Zuge zu einer ungesetz 
lichen Demonstration anschließen würden. Habet ihr auch nicht 
gehört, daß am gleichen Tage ein Unterländerbürger einem Ge- 
meinderathSmitglied einer Gemeinde im Oberlande ein Goldstück 
von 20 Fr. angeboten hat, wenn er fich dem Zuge nach Vaduz 
anschließe? Und haben denn jene Persönlichkeiten, die mich bei 
euch Unterländern als Goldhetzer denunzirten nicht auch gesagt^ 
eS habe eine von ihnen wiederholt ausgesprochen, sie selbst hätte 
den Führern Geld versprochen, wenn fie mit dem Währungsstreite 
durchdringen? Für diese Fälle habe ich n^n Zeugen, die überall, 
so weit eS kommen möchte Zeuge find. Solche Vorkommnisse 
nenne ich^ jetzt in meiner Einfalt „Geldschmieren", die Unter- 
länder mögen sie nennen, wie sie wollen. 
Und habet ihr mehreren Unterländer auch nicht gehört,, 
daß ein Unterländer mir ganz aufrichtig bekannte und zwar 
vor Zeugen, wohl verstanden, man habe eben drunten im 
Unterlanve angegeben, eS würde im Falle der Einführung der 
Goldwahrung der Schuldtitel der Art umgewandelt, daß per 
jedeS 100 fl. ö. W Schulden, 120 Goldgulden, sage hundert- 
undzwanzig, angeschrieben würden, die mit Goldwährung ver- 
zinset und im Kündigungsfalle mit 120 Goldgulden ----- 300 Fr. 
getilget werden müßten? — Wenn das wahr wäre, wer könnte 
denn dem armen Bauer verargen, wenn er sich gegen die 
Goldwährung auch wehrte! — Und auch von solchen Albern- 
heiten habet ihr mehrern Unterländer nichts gewußt? Nun, 
daS ist eben fatal, wenn man nicht getreuere Ueberbringer hat,, 
die nur halbes sagen und nicht Alles, die Hauptsache aber 
verheimlichen. Solche Dummheiten zu glauben, das wahrlich 
braucht festen Glauben. Wenn ich nun solchen Leuten, diese 
Bären, die fie sich hatten anhängen lassen, abnehmen wollte, 
damit fie sich mit denselben nicht weiter blamirten, so werde ich 
von den mehreren Unterländern „ein Wolf im Schafspelze" ge- 
nannt! Auf diese Weise will ich doch lieber ein Wolf sein, 
als armen Leuten solchen Unsinn vorgeben. Wo muß man 
nun die Einfältigen suchen? Wo die redlich Denkenden? Wo 
auch die Schwindler? — 
Beat Deflorin, fürstl. Hofkaplan. 
Schluß folgt. 
Thermometerstand nach Reaumur in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
mi—in in in w um um hii in iini imi hihihi 
Witterung. 
April 
11 
+ 7 
-j- 8 
+ 7VJ trüb, regnet 
u 
12. 
+ 5 
+ 9'/ 2 
+ 9 
fast bedeckt 
tt 
13. 
+ 4% 
+ 13 
+ 11 
halb hell 
tt 
14 
+ ? 
+ 7% 
+ 6% 
trüb, regnet 
n 
15. 
+ 4% 
+ 9 
+ 7 

n 
16 
+ 2 
+ 7 
+ 5 


17. 
+ Vi 
+ 1 
+ 2 

Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
18. April Silber 114 75 
20-Frankenstück 10.37^ 
100 Reichs-Mark . 63.70 
London . 129.60 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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