Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/59/
warnt der unglücklichen Ehegatten zur Beerdigung über die 
Wiese hinabgeführt wurden, saßen Meier und Giger beim 
„z'Nüni" und schauten, währenddem ste aßen und tranken, zu, 
"wie eine große Volksmenge den Ermordeten die letzte Ehre er- 
Wies. Diese Volksmenge war fast die sämmtliche Bevölkerung 
von Wallenstadt, von der die Missethäter, die droben auf dem 
Hügel saßen und frech herunterschauten, wissen konnten, daß 
Alle, die drunten in sehr ernster Stimmung versammelt waren, 
Fluch und Rache über die Mörder von Gottes Gerechtigkeit 
Verlangten. 
Acht Tage vergingen und der Arm der Gerechtigkeit hatte 
bie Mörder erlangt. Der gerichtliche Untersuch wird vielleicht 
noch Manches zu Tage fördern, worüber man sich in letzter 
Zeit fast den Kopf zerbrach und nirgends einen Anhaltspunkt 
fand. 
Meier hat seine That noch nicht eingestanden; er ist zwar 
bis Dienstag den 2. April auch noch in keinem eingehenden 
Verhör gewesen. Hoffentlich wird er schon mürbe geklopft 
werden können. 
Die Bevölkerung von Wallenstadt hat indessen sich ein 
wenig vom Schrecken erholt und sind namentlich die hiesigen 
Bürger sehr froh, daß diese Schandthat, wie ihresgleichen in 
Wallenstadt noch nie vorgekommen, auf Keinen auö ihrer 
Mitte füllt 
Eine Dorfgeschichte vom Pflügen. 
(Fortsetzung.) 
Ein flaches und mittelmäßig tiefes Pflügen behielt ich 
nur in folgenden Fällen bei: 1) Beim ersten Frühjahrpflügen 
des thonigen und zähen Bodens, der noch in demselben Jahre 
besäet werden sollte, weil ihn dann die Egge besser zerkleinern 
und weil ein zweites Pflügen schneller, leichter und mit besserm 
Erfolge stattfinden konnte 2) Beim Unterpflügen deS MisteS 
Hier mußte das Pflügen um so schwächer geschehen, je zäher und 
thoniger der Boden war, damit der Mist schneller faulen konnte 
und beim folgenden Pflügen den Gang deS PflugeS nicht hin 
derte. 3) Beim steinigen Untergrund. 4) In sehr trockenem 
und leichtem Boden, wo unter der Ackerkrume eine Bodenschicht 
lag, welche von leichterer Beschaffenheit war als der darunter 
liegende Untergrund, -uese leichtere Bodenschicht hatte hier 
nämlich den großen Nutzen, daß ste die Ackerkrume feuchter 
erhielt^ 5) Beim Umpflügen der Stoppeln. Hatte ich diese 
tief umbrechen wollen, so würde ich sie und das Unkrautgesäme 
in eine Tiefe gebracht haben, in der die Stoppeln zu langsam 
gefault, wären, die Unkrautsamen nicht so bald, geleimt hätten, 
als daß sie in ihrem grünenden Zustande noch vor der Saat 
hätten zerstört werden können. Beim flachen Umpflügen der 
Kwppeln dagegen, dem ein tüchtiges Eggen folgte, gingen die 
Unkräuter in 8 bis 14 Tagen auf und tonnten von dem fol- 
genden Pfluge vor ihrer Reife zerstört werden. 6) Beim Saat- 
pflügen, damit der Samen nicht auf den rohen Untergrund zu 
liegen kam. 7) Beim Unterpflügen des SamenS. 
„In allen andern Fallen wendete ich das tiefe Pflügen 
an und ließ mir daher einen tiefgehenden Pflug (den Schwerz'- 
fchen) kommen. Das Vorurtheil, daS mir auch noch damals von 
vielen Seiten entgegentrat, daß nämlich durch das tiefe Pflügen 
der bisher allein bearbeitete Tbeil des Ackerlandes verschlechtert 
unfruchtbar gemacht werde, indem man todte Erde herauf- 
bringe und sie mit der Ackerkrume vermische, schlug ich durch 
die Entgegnung nieder, daß eS todte Erde gar nicht gebe, und 
daß durch die Heraufbringung tieferer Bodenschichten (wenn 
man nur dabei die nöthigen Vorsichtsmaßregeln beobachte) die 
Ackerkrume keineswegs verschlechtert, sondern im Gegentheil 
auf mehrfache Weise verbessert werde. Zugleich legte ich den 
Zweiflern die großen Vortheile deS Tiefpflügens in Folgendem 
dar: 
„Die Ackerkrume bildet den Standort der Pflanzen, den 
Sammler und Behälter der Feuchtigkeit, Wärme und Pflan- 
zennahrung. Abgesehen davon, daß an den Boden von den 
tiefwurzelnden Pflanzen Ansprüche auf eine 'gewisse Tiefe 
gemacht werden, findet man, daß auch die anderen, weniger 
tief wurzelnden Pflanzen dichter und kräftiger stehen und in 
Folge dessen einträglicher sind, wenn ihnen ein tief gelockerter 
Boden angewiesen wird. Ferner sind in einem tief bearbeiteten 
Baden die Pflanzen durch bessern Stand mehr gegen das 
Lagern geschützt. Sie sind in Folge ihres bessern Gedeihens 
vor vielen Krankheiten, namentlich vor Rost und Brand, mehr 
gesichert. Auch werden durch das tiefe Pflügen eine Menge 
mineralischer Bodenbestasdtheile aufgeschlossen und nutzbar ver- 
wendet. Die mineralische Pflanzennahrung liegt in Folge des 
flachen PflügenS als ein todter Schatz vergraben im Boden. 
Gehoben durch tiefes Pflügen, und den Pflanzenwurzeln nahe 
gebracht, wird und muß dieser Schatz aber reichen Gewinn 
bringen; denn die mineralische Pflanzennahrung ist von unge 
meiner Wichtigkeit. Läßt man dieselbe in Folge leichten PflügenS 
unbenutzt in den untern Schichten deS BodenS liegen, fq? ist 
dieS ebenso, als wenn der Kapitalist sein baares Geld nicht 
auf irgend eine Art zinstragend anlegt, sondern müßig im 
Kasten liegen läßt. Durch daS tiefe Pflügen wird aber auch 
die ertragsfähige Vodenfläche vermehrt, und eS können in 
Folge dessen mehr und verschiedenartigere Pflanzen auf dem- 
selben angebaut und ernährt werden. Ein vertiefter Boden 
läßt fich ferner nach Bedarf in jeder zweckmäßigen Weise 
bearbeiten Durch das tiefe Pflügen lassen sich die Felder weit 
leichter von den meisten hartnäckigen Unkräutern, insbesondere 
Wurzelunkräutern, reinigen, als durch daS seichte Pflügen. 
Dazu kommt endlich noch, daß der Boden, wenn man ihn 
tief pflügt, auch mehr Feuchtigkeit und Wärme aufnehme» und 
diese Feuchtigkeit und Wärme bei Trockenheit und Kalte länger 
in sich zurückhalten kann. AuS diesem Grunde schaden auch 
Trockenheit und Kälte, Nässe und Hitze dem vertieften Boden 
weit weniger alS dem seichten. Denn die Nässe kann in dem 
vertieften Boden bald versinken, und bei anhaltender Trocken- 
heit bildet sie eine Quelle von Feuchtigkeit für die angebauten 
Pflanzen. (Schluß folgt) 
Verantwortlicher Redakteur ».Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Offenes Sendschreibe« 
der alten Klatschbase der Mittagsspitz au den jnnaen Klopf- 
fechter am Eschnerberg. 
In der Geschichte unseres Münz« oder Geldstreites wird 
eS in der That „immer heiterer" und auch luftiger, zumal 
man von der Höh, der Hauptfrage auf schiefen Bahnen zur 
N-ederung der Nebensachen so hinabrutschet. — Den Beweis 
hinfür haben Sie, Herr Collega, glänzend geleistet. — Mein 
„Eingeflogen von der Mittagsspitze" in Nr. 12, S. 47 dieses 
BlatteS, war gar nicht an Sie adressirt. Ich habe nicht die 
Ehre Sie zu kennen und habe an Sie auf der schneeigen 
Spitze auch gar nicht gedacht. Ganz erstaunt war ich, als ich 
sah, wie Sie nach Art der Gimpel auf den Leim Jbrer Freunde 
geflogen sind. Finden Sie fich densoch betroffen durch die 
Titel: „WeiSheitönase" und „Angstmacher-, — dann bin ich 
daran nicht schuld. Aber Jeder kratzet, wenn eS ihn beistt, 
besonders an der Nase. 
Vor langen Jahren habe ich irgendwo eine Grabschrift 
gelesen, darunter stand geschrieben: „Selbstgemacht Schulmeister 
allhier." Sie aber haben ein Geschreibsel unterzeichnet, da6 Sie 
offenbar nicht selbst gemacht, sondern ein Kritikaster in seiner 
Unfehlbarkeit Ihnen zur Unterschrift und andern Menschen- 
kinvern zum Besten vorgelegt hat. Da sind Sie zum zweiten 
Male auf den Leim gegangen. 
Der um einige Banknoten gedungene Artikelfabrikant in 
F. geruhte mein .Eingeflogen" als „ein Conglomorat von 
Lüge, Bosheit und Bornirtheit" allergnädigft zu titulire»;, hat
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.