Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/56/
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Schaden als Nutzen hätte stiften wollen. Der tiefen Bearbeitung 
M BodenS mußten vielmehr erst (da man damals den Unter« 
grundpflug noch nicht kannte) andere WirthfchaftSverbefferungen 
vorangehen. Bis diese durchgeführt waren, pflügte ich zwar 
tiefer alS zeithers aber der eigentlichen Vertiefung deS Acker- 
landeS mußte ich mich noch enthalten. Jene Wirthfchaftsver« 
besserungen, welche der Vertiefung der Ackerkrume vorhergehen 
mußten, bestanden hauptsächlich in der Umänderung deS Wirth« 
fchaftSsyftemS, in dem dadurch vermehrten Futterbau und ver 
größerten Viehstand und in Vermehrung deS Düngers: denn 
dieser ist eine Hauptsache beim Vertiefen der 
Ackerkrume. Wer nicht gehörig mit Dünger versehen ist, 
sollte ganz besonders vorsichtig mit dem Tiefpflügen sein. Denn 
nicht nur ist gewöhnlich die herausgebrachte neue Etdschichte 
ganz arm an Pflanzennahrung, oder die Pflanzenkest ist noch 
nicht aufgeschlossen, sondern die in der bisher dearbeiteten 
Ackerkrume enthaltenen Düngertheile, insbesondere die minera« 
tischen, würden auch in die Tiefe versinken und so theilrveise 
verloren gehen. 
„So sah ich mich also genöthigt, da* eigentliche Tief 
pflügen bis dahin aufzuschieben, wo ich genug Dünger hätte, 
um die vermehrte Ackerkrume auch gehörig düngen zu können. 
Sobald ich dieses Ziel erreicht halte, führte ich aber auch so« 
fort das Tiefpflügen da, wo dasselbe überhaupt zulässig war, 
ein." (Fortsetzung folgt) 
, ■ i 
Verantwortlicher Redakteur ».Herausgeber: vr.RudolfSchädler. 
Vom Eschnerberge. (Eingesendet.) Jetzt wird es immer 
heiterer! Mischen sich ja schon die Weiber in unseren Wah, 
rungSstreit! So schnattert in der letzten Nummer d. Ztg. die 
alte Madame Mittagsspitze ein Konglomerat von Lüge, Bos 
heit und Bornirtheit zusammen, daß man sich eigentlich ärgern 
könnte, wenn man auf der anderen Seite nicht wieder mit 
der verrückten Alten Mitleid haben müßte. 
" Der Spruch: „Wenn Gott ein Volk strafen will, so 
nimmt er demselben den Verstand", scheint stch in der That 
auch an der alten Klatschbase zu bewähren. 
ES ist bekannt, daß Orthographie nicht die starke Seite 
deS schönen Geschlechtes ist, sonst würde Frau Mittagspitze nicht 
„Kragöhler", sondern Krakehler schreiben 
Mit ihren geographischen und geschichtlichen Kenntnissen 
fleht es aber nicht besser auS, denn in der ganzen Schweiz 
gibt eS kein klassisches „Rütle", wohl aber ein Grütli, und 
der Spruch: „L'etat oe»t rnoi" verdankt seine Geburt Lud- 
wig XIV. von Frankreich und nicht dem großen Fritz, der sich 
vielmehr selbst, wie schon jeder Quartaner weiß, nur den 
ersten Diener des Staates nannte. 
Also, liebe Frau, Sie sehe», daß man bei Ihnen schwer 
thun würde, wollte man Ihnen daS Epitheton: „Weise" bei- 
legen. Kramen Sie Ihre politische Kannegießerei in einem 
Zirkel gleich edler Kaffeschwestern auS und dreschen Sie dort 
meinetwegen Ihre böse Zunge todt, schreiben Sie aber um 
GotteS willen keine Zeitungsartikel mehr, sondern stricken Sie 
lieber blaue Strümpfe und lesen allenfalls die Rose von 
Tannenburg oder den Heinrich von EichenfelS dazu, bis Ihnen 
vor Rührung Ihre Aeugelein zu thränen beginnen. 
Das in den höheren Kreisen deS Oberlandes grassirende 
Goldfieber scheint die Alte derart zu haben, daß sie nicht mehr 
weiß, ob sie generis feminin! oder rnasculini ist, denn nur auf 
diese Weise kann ich mir erklären, daß fie sich am Schlüsse 
ihres GewüscheS einen Freund deS Rechtes und der 
Wahrheit nennt. „DeS Rechtes und der Wahrheit!" 
Ist das vielleicht Wahrheit, daß dem Herrn Lehrer von 
Ruggel die Fenster eingeschlagen und der hochw. Herr Pfarrer 
in Mauren schmählich insultirt und mit „Pfaff" begrüßt 
worden sein soll? 
Nein, Gnädige, Lüge. 
Ist daS vielleicht Wahrheit, daß wir Unterländer den 
Grenzpfahl versetzten, so wollen Sie es gütigst beweisen 
Könnte »an aus Ihrer Aufforderung: „nur wieder herauf 
mit der Grenztafel und den schwarzgelben Markpfählen von 
Gallmist nach dem bekannten Brunnen der Schwaben" nicht 
auch schließen, daß eS die bis zur Raserei patriotischen Ober- 
länder thaten, um uns dadurch anzuzeigen, daß sie von unS 
nichts mehr wissen wollen. 
Ist das vielleicht Wahrheit, daß wir uns darüber, warum 
wir gegen die -Einführung der Goldwährung sind, noch nie 
ausgesprochen haben? 
Diesbezüglich möchte ich Sie nur auf meine 2 Einsendungen 
in dieser Zeitung verwiesen haben, welche fie gelesen haben 
müssen, denn Sie belieben mich wegen zweier Behauptungen, 
die ich in den Einsendungen aufstellte, in Ihrer echt weiblichen 
und höflichen Weise ein« „WeiSheitönase" und einen „Sngst- 
macher" zu tituliren, wofür ich Ihnen hiemit den geziemenden 
öffentlichen Dank ausgesprochen haben will. 
. Die weiteren Titel und Eigenschaften, alS: Eigennutz, 
Selbstsucht, Hochmuth, Ehrgeiz, „Kragöhler", Spekulanten, 
Wucherer etc., welche Sie uns Unterländern beilegen, stellen 
wir Ihnen jedoch wieder zur Verfügung und können Sie die- 
selben zu irgend einer Kapuzinade einem nach Golv dürstenden 
Bünzlein überlassen. 
Sie, Freundin der Eintracht, glauben Sie mir, daß man, 
wenn man gegen daS halbe Vaterland eine solche Sprache, 
wie Sie, führt, umsonst KrokodilSthränen über die Eaat der 
Zwietracht weint. Sie sprechen auch von unseren tauben Ohren l 
Nur die unserer Gegner sind ebenso taub und können bei 
dem Durste deS Oberlandes nach Gold am Ende sogar noch 
lang werden, sür welche Eventualität eS antike Vorbilder geben 
soll und Sie daS Nähere in jeder griechischen Mythologie 
nachlesen können. 
DieS, Madame, mein letztes Wort, das ich mit den 
Göthe'schen Versen: 
„So will der Spitz aus unserem Stall 
„UnS immerfort begleiten; 
„Doch feines Vellens lauter Schall 
„Beweift nur, daß wir reiten, 
und dem aufrichtigen Wunsche auf Besserung schließe. 
Schellenberg, am 28. März 1877. 
Fr. Jos. Biedermann. 
Thermometerstand nach Reanmnr in Baduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
März 
28 
+ 6 
+ 12% 
+ IOV4I bedeckt 
H 
29. 
+ ?'/< 
+ 14 
+13 y 2 
halb hell 
II 
30 
+ 7% 
+ 12 
+13 
trüb; etw. Reg. 
H 
31. 
+ s 
+ 10 
+ 9 
hell 
April 
1 
+ 6 
+13 
+ 6 
fast trüb; etw.Reg, 
n 
2. 
+ Vh 
+10 
+ 7 
trüb; Reg. 
tt 
3. 
+ 3% 
+ii y 2 
+12 
hell; Abd. Fhwd. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
4. April Silber. . . . 107.10 
20-Frankenstück 9.74 
100 ReichS-Mark . 59.95 
London . . 122.— 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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