Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/44/
DaS Feuer brach circa um 1 1 Uhr NachtS aus und währte 
bis gegen Morgens 4 Uhr. 14 Mann waren von Planten 
und 50 Mann von Schaan herbeigeeilt, um dem Umsichgrei 
fen deS Feuers Halt zu machenZ Von Nendeln waren 2 
Manner: Frz. Jos. Mäsner und Carl Schüdler zur Brand« 
löschung zugekommen. Auffallenderweise war trotz Sturmläutens 
sonst Niemand aus dem nahen Unterlande erschienen. Die 
Gefahr lag nahe, daß der Schaaner Wald auch von den 
Flammen ergriffen werde, was jedoch Dank der rasch geleiste- 
ten Hülfe von Planken und Schaan verhindert wurde. Ueber 
daS Entstehen deS FeuerS vermuthet man ziemlich zwei Bet- 
telleute (ein Schweizer und eine Schaanwalderin), die bei der 
starken Kälte in einem,Stalle Unterkunft suchten und wahr- 
scheinlich auS Unvorsichtigkeit daS Feuer verursachten. 
Planken, 12 März. (Eingesendet) ES geht im Lande 
daS Gerede, als hätte der hochw. Hoskaplan Deflorin von 
Schaan in einer Christenlehre in der Plankner Kapelle sich 
für die Münzreform ereifert u. s. w. Diesem Gerüchte ge- 
genüber wird auf daS bestimmteste erklärt und kann von der 
ganzen Gemeinde bezeugt werden, daß an diesem Gerede kein 
wahres Wort ist und auf purer Erfindung beruht. 
Ausland. 
Gegenwärtig wird wieder ein „bischen" die Friedensflöte 
geblasen. Manche hoffen sogar eine recht baldige friedliche 
Abwicklung der orientalischen Frage, wenigstens — 
vorderhand. Wer aber die frühere Geschichte über Rußlands 
hundertjährige politische Thätigkeit nachliest, muß sich doch mehr 
der Ansicht anschließen, daß Rußland ein entschiedenes Ein- 
schreiten in allen Stücken voll beabsichtigt, hiebe! aber Zeit ge- 
Winnen möchte. Hiedurch kann eS einerseits ohne Ueberstür- 
zung seine eigenen Kräfte sammeln und sich Ausklärung über 
die Haltung der übrigen Mächte verschaffen, andererseits ge- 
winnt eS Zeit, um die Türkei in ihren HülfSmitteln zu schwä- 
chen, den ursprünglich kriegerischen Eifer ein wenig einfchlum- 
mern zu machen, oder gar die Katastrophen abzuwarten, die 
eS bereits im Stillen vorbereitet haben könnte. — Alles drängt 
immer mehr zu den Kriegsbefürchtungen und mit den ,Mai- 
lüfterln" dürften vielleicht schon die „eisernen" Verhandlungen 
des „BlaubohnenbucheS" begonnen haben. 
Wenn eS einmal , geschnitten" sein muß, wäre eS besser, 
die „Operation" ginge bald vor sich, man hätte dann wenig- 
Kens Aussicht, daß der „Alp", der auf ganz Europa lastet, 
bälder wieder weggehoben würde, wenn auch die „Operation" 
eine sehr langwierige und verwickelte werden kann. 
Die neuesten telegraphischen Berichte lauten: Die Pforte 
beruft fämmtliche Reserven der Flotte ein. In Bosnien wer- 
den umfassende Vorkehrungen getroffen. Alle größeren Orte 
werden verschanzt, alle Uebergänge der Save und der Unna 
befestigt. 
Verschiedenes. 
* Haag. (Reger-Sänger) Niederland beherbergt 
feit einigen Tagen zehn seltsame Gäste. Es sind dieß frühere 
Sklaven, welche in den vornehmsten Städten als Sänger auf- 
treten, um das Fortbestehen der Zubilee-Hall in Nashville zu 
sichern — eine von der amerikanischen MissionSgesellfchaft zur 
Heranbildung von Lehrern für Kiyder von freigewordenen 
Sklaven gestiftete Anstalt. Die Gelder zur Errichtung der 
Jubilee-Hall wurden auf derselben Reise von den betreffenden 
Reger-Sänger», welche nur Sklaven-Lieder zur Aufführung 
bringen, gesammelt. In Rotterdam und Amsterdam, wo diese 
schwarzen Künstler bereits auftraten, erzielten sie einen groß- 
artigen Erfolg. Nächstens sollen sie auch sowohl für den Kö- 
«ig als für die Königin singen. 
/ 
* Ein Leichenbegängniß besonderer Art fand vor Kurzem 
in Asselfingen, Oberamt Ulm, statt. Der Weg durch besagten 
Ort führte den Einsender am Kirchhof vorüber, in welchem 
der Geistliche gerade an die wie sonst versammelten Leidtragen- 
den die Leichenrede hielt. Auf die an einen OrtSangehörigen 
gerichtete Frage, wem diese Beerdigung gelte, gab dieser die 
Antwort, eS sei heute ein ganz besonderer Fall, eS werde nüm- 
lich der einem jungen BürgerSsohn vom' Arzte abgenommene 
Fuß begralben. Diese Mittheilung war interessant genug, sich^ 
deS Nähern hierüber zu unterrichten und da ergab sich, daß 
ein junger Mann des OrteS vor einiger Zeit durch einen un- 
glücklichen Fall eines seiner Beine so verletzte, daß ihm dasselbe 
abgenommen werden mußte, während er sonst sich wieder rela- 
tiver Gesundheit erfreut. Der begrabene Fuß war Protestant 
tischer Konfession, der begrabende Geistliche auch. 
* Als zweckentsprechend er Zaun st rauch wird vor^ 
geschlagen Maclura aurantiaea, auS Nordamerika stammend, 
aber dennoch bei uns vollkommen eingebürgert und winterfest 
dabei im Sande und Schatten gedeihend. Der Baum gehört 
zu den ganz getrennt-geschlechtigen Pflanzen, so daß bei dem 
Umstände, daß der Baum bei uns bis jetzt sehr vereinzelt vor- 
kommt, einzelne Bäume wohl Früchte tragen, der Samen jedoch, 
weil die Blüthe unbefruchtet blieb, nicht zur Entwicklung kommt. 
Er wächst rasch, ist in Bezug auf Boden nicht wählerisch 
und sein Holz ist eines der härtesten und zähesten. WaS ihn 
jedoch zum Zaunstrauch besonders befähigt, ist, daß er sich sehr 
gut beschneiden läßt und da seine Aeste in ganz wagrechter 
Richtung gezogen werden können, so kann er gut verflochten 
und vom Boden auf dicht gebildet werden; seine scharfen Dor- 
nen machen ihn ganz undurchdringbar, so daß die Thiere seine 
Berührung scheuen. 
DaS schöne Saatgrün, seine dichte Velaubung ist eine an- 
genehme Zierde der Landschaft und indem er weder eßbare 
Früchte trägt, noch von Raupen befallen wird, bleibt er un- 
verletzlich. 
* DaS Geld muß rouliren. Daß die Pariser die- 
sem Grundsatz treu bleiben wollen, beweist die Thatsache, daß 
am ersten Opernball am 13. Januar von 5183 Personen 
93,500 Fr. Eintrittsgelder bezahlt wurden. . 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Gchädler. 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
März 7. 
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trüb, schneit. 
Telegrafischer Kursbericht von Wie«. 
14. März Silber. 112.10 
20-Frankenstücke 9.87 V 2 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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