Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/43/
gnädigsten Fürsten und der anderen Tit. Collatoren, zu den 
Geistlichen auS dem Blutzgerlande. WaS die angeblichen meh- 
reren Bürger von Ruggell anbelangt, die wirklichen Bürger 
Don dort wissen schon, daß ste kein Collaturrecht haben, so sind 
sie ja vollkommen frei und mögen ihr VertrauenS-Votum immer- 
hin einem hochw. Herrn auS ihrem Lande schenken. 
Zst aber einmal ein Geistlicher kanonisch angestellt, so hat 
feine Gemeinde, viel weniger noch die mehreren Bürger von 
Ruggell, ein Recht, denselben zu entfernen; dieses Recht steht 
kanonisch, d. h. nach den Airchengesetzen, nur dem hochwürdig- 
Ken Diözesan-Bischöfe zu, vor hochwelchen die betreffenden Ge 
meinden ihre Klagen dringen können. Und diese Ordnung 
herrscht in allen katholischen Staaten, in denen die katholische 
Kirche nicht gemaßregelt und geknechtet wird. AuS diesem 
Wenigen mögen die mehreren Bürger von Ruggell wehen, daß 
sie auch nicht ein Wörtlein dazu zu reden haben, ob ein fürst- 
licher Hofkaplan in Schaan oder andere hochw. Herren aus 
dem Blutzgerlande in ihre Blutzgerheimath zu gehen haben oder 
nicht; das sage ich allerdings, daß ich freilich in Schaan nicht 
ergrauet wäre, wenn ich unter Bürgern gewesen wäre, wie die 
angeblichen mehreren Bürger von Ruggell eS „nun" sind. 
Den letzten kostbarsten Brillant, der die Bestimmung hatte, 
dem, Strahlenkranze im Eingesandt der Refraktionen der Streif- 
lichter, den höchsten Glanz zu verleihen, sollte eine weise Lehre 
für einen jungen Geistlichen sein, die aber, weil die Wahl eine 
gefehlte war und wie bei den Haaren herbeigezogen, den 
Strahlenkranz nur entstellt, und zu demselben ungefähr so gut 
paßt, wie eine Kauft auf ein Auge, wiewohl die angeblichen 
Einsender ihre weise Lehre, wahrscheinlich auS Jubel und 
Freude über ihr gelungenes Werk, mit einem dreifachen AuS- 
rufungSzeichen beschließen. Nun ja, „Finis coronat opus", daö 
Ende krönt das Werk! daS ist ein bekanntes Sprichwort. Die 
weise Lehre der mehreren Bürger von Ruggell lautet: „Wir 
haben gehört, daß Demuth und Bescheidenheit Kardinal-Tu» 
genden eines jungen Geistlichen seien!!!" 
Nun, nun! au< Vorkämpfern deS hitzigen WährungSstreiteS 
werden die angeblichen mehreren Bürger von Ruggell auf ein- 
mal noch ASceten, GeisteSlehrer. Glück auf! Baterland, nun 
magst du ruhig sein, ohne Sorgen und Bangen für deine Zu- 
fünft; wenn solche GeisteSlehrer daS kleine StaatSruder zu 
führen bekommen, da gehl Wohlstand und Kredit nicht ver- 
loren. Für wen sonst ist eigentlich diese weise Lehre gegeben? 
Der Hofkaplan in Schaan mit 41 Jahren, von denen er 14 
in der Seelsorge zubrachte, kann doch wohl nicht gerade zu 
den jungen Geistlichen gezählt werden. Sei eS nun denn doch, 
daß die mehreren angeblichen Bürger von Ruggell, den Hof- 
kaplan in Schaan in der AScese, in der GeisteSlehre, schul- 
meistern wollten, wie der Zusammenhang zwar klar sagt, so 
bekenne ich doch offen, ihr Schüler hierin nicht sein zu wollen. 
Nothwendig habe ich schon, in der AScese noch gebildet zu 
werden, daS bekenne ich offen; mir fehlt noch gar viel bis zur 
Vollkommenheit meines Standes; da gehe ich aber doch lieber 
zu einem k. Eearamelli und Chaignon in die Schule, die mich 
nicht nur Demuth lehren, sondern unter anderen meinem Stande 
anpassenden Unterweisungen, welche sie mir geben, von mir 
auch verlangen, daß ich bete und betrachte, denn ohne Gebet 
und Betrachtung gelange ich nie zur Demuth. Gebet sei, sa- 
gen diese berühmten GeisteSlehrer, daS allgemeinste und wirk- 
famste Mittel um jegliche Tugend zu erlangen, die Betrachtung 
führe mich zur Erkenntniß meiner Armseligkeiten, meiner Schwach- 
Helten, kurz zur Selbsterkeuntniß, zur größten aller Wissen- 
schasten, und diese Selbsterkenntniß sei der Weg, der dann 
zur Demuth führe. Die mehreren Bürger von Ruggell sehen 
schon, daß ich ihnen als Asceten auch gar kein Zutrauen schenke. 
Wenn das Sprichwort wahr ist: „Niemand gibt, was er nicht 
hat", so fürchte ich sehr, die mehreren Bürger von Ruggell 
haben wenig Demuth und Bescheidenheit. Mir kommt eS vor, 
dieselben bilden sich ein, so ziemlich die einzigen Weisen im 
Lande zu sein, die weisesten GesetzeSerklärer, die Einzigen, die 
einsehen waS dem Baterlande zum Wohle diene, und daß die- 
selben durchaus Niemanden ein Wort hierin mitreden lassen 
wollen, weßwegen dieselben Aeden, der sich untersteht, in schwe- 
bender Frage ein Wort zu reden, mit der HerkuleS-Keule mund- 
todt schlagen wollen. DaS scheint mir doch Anmaßung zu sein, 
und keine Demuth. 
Daß bei den mehreren Bürgern von Ruggell, wie an De- 
muth so auch an Bescheidenheit fehle, wird Jedem klar werden, 
der bedenkt, daß dieselben so weit gehen in ihrem Eingesandt 
nicht nur einen Geistlichen, der von 14 Jahren seiner Seel 
sorge über 12 im Lande wirkte ^so viel in seinen schwachen 
Kräften nur immer möglich war, sondern solche die 19—25 
Jahre treu der Seelsorge im Lande ihre ganzen Kräfte weihten; 
Geistliche, die nicht einmal in ihren Gemeinden sich aufhalten, 
zu deren Wahl ste auch nicht eine einzige Silbe mitzureden hatten, 
ohne jede Ursache auf eine recht gemeine Weise auS dem Lande 
zu verweisen in ihrem ehrwürdigen Alter, nachdem ste die 
Blüthe ihres LebenS dem geistigen Wohle der Bürger des Lan- 
deS gewidmet haben. Solche Leute wollen nun als Lehrer der 
Bescheidenheit auftreten?! Ihnen bemerkend, daß Undank ein 
gar schwarzer Flecken an der Seele eineS jeden Menschen sei, 
sage ich nochmals, daß ich ihr Schüler nicht sein wolle, da 
ich von ihnen weder Demuth noch Bescheidenheit lernen kann. 
(Schluß folgt i« nächster Nummer.) 
Beat Deftorin, fürstl. Hofkaplan. 
Triesenberg, 9. März. (Eingesendet.) Mehrere 
Ruggeller haben in der Feldkircher Zeitung Nr. 18 in ihrem 
WeiSheits-Dünkel alS Lückenergänzung zu ihren Refraktionen 
noch ein Geschoß fabrizirt, das vom Rhein über daS in der 
Neuzeit wichtig gewordene Schaanerried bis Maseschen langt 
unb eine Persönlichkeit trifft, die sich eineö Vergehens nicht 
schuldig weiß und auch nie einen Artikel in die L. Wochen- 
zeitung eingesendet hat. Eben so wenig ist diese Persönlichkeit 
gegen einen Unterländer vorgegangen, wodurch dieselbe gegen 
die Ordnungsliebe sich verstoßen hätte, wohl aber ist diese 
Persönlichkeit von Unterländern in der Neuzeit auf die roheste 
Art behandelt worden >, ohne die geringste Veranlassung dazu 
gegeben zu haben, wobei selbst unsere höchsten Autoritäten nicht 
verschont geblieben sind. Wenn nun diese von zwei Unterlän- 
dem insuln'rte Persönlichkeit diesen Vorfall öffentlich gerügt und 
sich darüber beschwert hat und in Folge dessen dieselben in An- 
klagestand versetzt und zur Verantwortung gezogen worden 
sind, wo sind denn die f a l s ch e n Ankläger zu suchen? Und wenn 
Handlungen der rohesten Art auch von Fall zu Fall empfind- 
lich bestraft würden, welche Nachtheile für unser staatliches Zu- 
sammenleben wären darin zu erblicken und in wie fern wäre 
daS der Ordnungsliebe zuwider? 
In welchem Zusammenhange übrigens dieser persönliche 
Angriff mit den Refraktionen der Streiflichter steht, vermag 
die Logik deS Schreibers dieser Zeilen nicht zu begreisen. 
Ihr mehrere Bürger von Ruggell! Da ihr in euerer 
Phantasie politisch persönlich geworden und zu Lügen und pi- 
kanten Sätzen und Märchen Zuflucht zu nehmen euch veran- 
laßt gefunden habet, in der Meinung dadurch euere Einsicht 
in das privatliche und staatliche Haushaltungswesen unserm 
Volke glänzend vorgestellt zu Haben , so möget ihr gestatten, 
euch zu prophezeien, daß euere Größe herabsinken wird, wenn 
sie nicht schon herabgesunken ist, zu — waS ihr seid. Ihr 
habet euch selbst charakterisirt in euern Zeitungsartikeln und 
gezeigt, wessen Geistes ihr seid. 
Planke», 12. März. (Eingesendet.) In der Nacht vom 
Sonntag auf Montag ist in den sogen. „Plankner Ställen" 
in der' „Wies" ob den „Schwabbrünnen" Feuer ausgebrochen. 
Bier Ställe, zum Theile noch mit Streue angefüllt, sind ab- 
gebrannt. Der Schaden beläuft sich auf annähernd 500 fl."
        

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