Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/35/
Vaterländisches. 
Triefeuberg, 23. Febr. (Eingesendet). Nicht ahnend, 
"daß die wenigen Worte, die ich in Nr. 5 der „Liechtenst. Wo- 
chenzeitung" von Triesenberg auS eingesendet und welche eben 
eigentlich nur meiner Anschauung und Richtung als Recht 
und Ordnung liebender Bürger einen sachgetreuen Ausdruck 
geben sollten, Anlaß zu Zeitungsartikeln geben würden, finde 
ich in Nr. 12 der „Feldkircher Zeitung", die mir erst kürzlich zu 
Gesicht kam, daß meine Einsendung von einem Herrn auS der un 
iern Landschaft einer Kritik gewürdigt wurde, worin unter An- 
derem gesagt wird, ich hätte mit meinem „Eingesendet" die Le 
ser der „Liechtenst. Wochenztg." beglücken wollen. Mein lieber 
Herr! Das war gerade meine Absicht nicht; denn so viel weiß 
ich, daß daS „Volkbeglücken" nicht so leicht geht, weder mit 
Sturmlaufen noch mit Schreiben von Zeitungsartikeln. Weiter 
sagt mein Kritiker, oder wie er sich selbst nennt, mein Lehrer, 
einen Beweis für meine Behauptungen zu bringen hätte ich 
für unnöthig erachtet. — 
Meiner Anschauung nach halte ich daß von mir Gesagte 
noch für richtig, denn selbst die Belehrungen mei eS gelehrten 
Herrn Kritikers sind wirkungslos geblieben oder wo bringt er 
dann die stichhaltigen Gründe gegen ein geordnetes Münz- 
Wesen? 
Wenn der Herr Einander in der „Feldk. Ztg." sagt, daS 
Fallen uud Steigen der Münzen sei überall auch in andern 
Staaten eine natürliche und regelmäßige Erscheinung, so be* 
findet er sich in einem ganz gewaltigen Jrrthum; denn zuge- 
geben, daß daS Silb?r an den Fünffrankenthalern an wirkli- 
chem Werth verloren hat, so gilt der Fünfliber dennoch fünf 
vollwerthige Franken gleich Gold und wird dieses auch fernerS 
gelten. Der Staat steht eben mit seinem Kredit dahinter und 
wird, wenn eine Münzänderung stattfinden sollte 5 Franken 
vollwerthigeS Geld dafür ersetzen. PrivativeConvenien- 
zen oder staatlich und gesellschaftlich geordnete 
Zustünde sind zwei weit von einander abweich ende 
Dinge. 
Meine weitere hinfichtlich deS ZwangSkurseS geäußerte An- 
schauung betreffend ist eS mir heute noch nicht klar, wie dieser 
zur Volkswohlfahrt führen soll. Warum hat denn unter den 
vielen Hunderten von Männern, welche im deutschen Reichstag 
und in der schweizerischen Bundesversammlung sitzen und welche 
doch gewiß viele tüchtige Kämpfer sowohl in politischer als 
volkswirtschaftlicher Beziehung unter sich haben, nicht Einer 
für den ZwangSkurS daS Wort geredet? 
WaS nützt eS mir als kleiner Oekonom (zu deren Klaffe 
ja die meisten in unserm Lande zählen), wenn ich 1 oder 2 
Stück Vieh oder andere Produkte verkaufe und hiefür einige 
Gulden entwertheteS Geld mehr bekomme hingegen meine Be- 
dürfniffe daS ganze Jahr hindurch theurer kaufen muß, so daß 
die Ausgaben mehr als um den Mehrerlös höher zu stehen 
kommell? 
WaS nützt eS mir als Arbeiter, wenn ich dem Nennwerth 
nach 1 fl verdiene, in der Wirklichkeit aber nur 80 kr. habe?. 
Um auf die Beispiele zu kommen, welcher der Einsender in 
der „Feldk. Ztg." zur Bekräftigung seiner Ansicht anführt, so 
find dieselben theilweise schon in Nr. 7 der „Lüchtens! Wo 
chenztg. " einer Erwiederung unterzogen worden. Ohne mich 
weiter auf die in der bezüglichen Einsendung angeführten Bei- 
spiele über Schneiderwerkzeuge, Nähmaschinen und vgl. näher., 
einzulassen, weil mir hierüber daS fachmännische Urtheil fehlt, 
wähle ich ein anderes Gleichniß: Jemand lehnt einen neuen 
Wagen im Werthe von 100 fl auf 20 Jahre aus. Derselbe 
wird während dieser Zeit so stark gebraucht, daß er wenigstens 
noch 100 fl. Reparatur kostet und nach Verlauf der 20 Iah- 
ren ganz verfahren ist und zerfällt. Wer würde nun in einem 
solchen Falle einen Wagen um die üblichen 4—5 Prozent auS- 
leihen? Gewiß Niemand. Vielmehr würde jeder 15—20 oder 
noch mehr Prozente verlangen. Es ist eben zweierlei 
eineSache zurBenützung oder zur Abn ützuna aus- 
zuleihen. 
Der „auch Recht und Ordnung liebende" Liechtensteiner 
sagt ferner in der „Feldk. Ztg wir hätten außer den österr- 
ungar. 8 und 4 fl. Goldstücken keine vollwertigen Münzen 
und diese kenne man nur vom Hörensagen. Mir scheint diese 
Behauptung auf einer kindlichen Aengstlichkeit zu beruhen, da 
wir durch unsern Verkehr mit der Schweiz wie bekannt meistens 
vollwerthiges Geld bekommen. 
Wohin aber der Herr auS der untern Landschaft am Schlüsse 
seiner Kritik kommt, wenn er sagt: „Aber auch Franken und 
Gold steigen und fallen im Werthe u. f. w.," kann ich nicht 
begreifen. Der Herr Kritiker muß einen besonders tiefen Ein- 
blick in die Geldverhältnisse aller Länder haben, denn meines 
Wissens sind in Frankreich und der Schweiz 1000 Fr. älteren 
Datums heute noch 1000 Fr. und in Deutschland 1000 Mk. 
ebenfalls 1000 Mark. 
Weiter schreibt jener Herr Einsender: „ES ist deßhalb noch 
keinem billig denkenden Kapitalisten eingefallen von seinem 
Schuldner für vor 30 Jahren geliehene l00 fl. jetzt so viel Geld 
zurückzuverlangen daß er z. B. den nämlichen Grundbesitz jetzt 
damit erwerben könnte wie damals. Das wird gewiß Niemand 
in Zweifel ziehen aber bewundern muß man dennoch ein Ge- 
nie, das solche Entdeckungen macht, indem manches Grundstück 
seit 30 Jahren den 5—10fachen frühern Werth erreicht hat. 
Zum Schlüsse haben sich in beiden, einander bekämpfenden 
Einsendungen zwei als Recht und Ordnung liebende Liechten> 
steiner gefertigt, jeder sucht Recht und Ordnung auf verschie- 
denem Wege. Möge Recht und Ordnung in unserem kleinen 
Vaterlande stets auf gesunden und ehrlichen Grundsätzen auf- 
gebaut werden! Das ist mein schließlicher patriotischer Wunsch. 
Ausland. 
Der BankauSgleich zwischen den beiden österreichischen 
Reichshälften ist zu Stande gekommen. 
Der Friedensschluß zwischen Serbien und der Türkei ist- 
auf guten Wegen, dagegen scheint derselbe zwischen der Türkei 
und Montenegro auf Schwierigkeiten zu stoßen 
Hingegen steht nach allen Anzeichen zu schließen, der rus- 
sisch - türkische Krieg unmittelbar vor der Thüre. In wenigen 
Tagen dürste die Ueberschreitung deS Pruth von Seite der 
R'lssen vor sich gehen. Bis zu einem Zusammenstoße mit den 
Türken wird eS dann noch einige Zeit brauchen, denn abgesehen 
von den elementaren Schwierigkeiten stehen der Wkiterbesör- 
derung der Truppen in Folge der Spurweitenverschiedenheit 
zwischen den russischen und rumänischen Bahnen Hindernisse 
im Wege. Allein was aus dem Kriege, wenn er größere Di- 
mensionen annehmen sollte, werden wird, weiß heute noch in 
den maßgebendsten Kreisen wohl Niemand auch nur annäherungS« 
weise zu bestimmen. Sowohl ein türkischer als ein russischer 
Sieg könnte leicht zu einer völlig veränderten Lage führen, und 
auch ein Eingreifen von solcher Seite zur Folge haben, von 
welcher vorläufig eine Einmischung nicht beabsichtiget wird. 
Der deutsche Reichstag ist mit einer Thronrede eröffnet 
worden, deren auswärtige Andeutungen zumal von englischen 
Blättern als im Interesse des Friedens aufgefaßt werden. 
Je mehr aber vom Frieden gesprochen wird, desto näher 
liegt der Krieg. Der Stein der Geschichte rollt langsam aber 
sicher trotz officiösen und officiellen Erklärungen. 
Verschiedenes. 
* Im Jardin je« Plantes in Paris trug sich am 31 Jan. 
folgende SchreckenSscene zu: Bei dem Bärenzwinger mit sei- 
nen drolligen Bewohnern hatte sich wie gewöhnlich viel Pub- 
likum versammelt^. alS sich plötzlich ein allgemeiner Schrei des
        

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