Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/31/
ganze Münzfrage mit Bausch und Bogen über Bord wirst, 
wohlgemeinte Fingerzeige sein, „wie" ungefähr ein „anderes" 
oder abgeändertes Münzgesetz beschaffen sein soll. Soweit ich 
die Frage verfolgt habe, bin ich immer mehr zu diesen Schlüs 
sen und Auffassungen gekommen, und glaube mit der Ver- 
öffentlichung derselben die öffentliche Meinung doch einiger- 
maßen aufgeklärt zu haben. 
Zum Schlüsse erübrigt mir noch die „zweifelhaft angenehme" 
Aufgabe, ein bischen über die Verlautbarungen ,/über der 
Gränze" zu sprechen. 
Ich meine die „von mehreren Bürgern von Ruggell" in 
Nr. 14 der „Feldk. Ztg." gebrachte Ginsendung. Die halb 
versuchte Ehrenrettung deS Herrn Oehri können wir füglich 
übergehen, da dieser Punkt schon öfters erläutert wurde. ES 
wird aber im Weitern der letzten Landtagsmehrheit eine geradezu 
„faustdicke" Lektion gehalten mit den Worten: „wo stch die 
Ueberzeugung duckt, während dem sie aufrecht stehen sollte, wo 
Ke schweigt, während Pflicht und Ehre doch zu reden gebietet, wo 
sie nachgiebt, während ihr zu fordern zukäme, .... da muß 
^ie politische Freiheit nothwendig verderben und verkümmern" 
u. s. w. Diese Apostrophe halten „mehrere Bürger von Rüg- 
gel!" an die nämliche LandtagSmehrheit, vieden Rugellern 
bis jetzt fast soviel, als allen übrigen Rheinge- 
meinden zusammen, unverzinsliches Darlehen 
4uS der LandeSkassa bewilligten. 
Ich habe selbst in meinen Artikeln daS Borgehen der 
LandtagSmehrheit bei Beschießung deS MünzgesetzeS als einen 
politischen Fehler bezeichnet; aber einen politischen Fehler kann 
der überzeugungStreueste Mann, der eS noch so ehrlich mit 
dem BolkSwohle meint, begehen, — ohne stch zu „ducken" 
u. f. w. 
Weiter kommt die Drohung: „das Unterland fühlt stch 
einig und stark genug, gegen daS neue Münzgesetz zu pro* 
testieren . . . . . dem Landtage soll keine unbeschränkte Voll- 
macht mehr gegeben werden, damit in Zukunft das Volk auch 
tin Wörtlein mitzureden hat." 
Vorerst die Bemerkung, daß ich in meinen Artikeln, wie 
Jedermann klar sein wird, selbst gegen daS neue Münzgesetz 
aufgetreten bin, deßhalb hat insofern die ganze Apostrophe 
die Artikel der „L. W." gar keinen Werth. Ferner muß 
hervorgehoben werden: daß nach unserer Verfassung daS „Mit- 
sprechen deS Volkes" in der Wahl der Landtagsabgeordneten 
und in dem schriftlichen Petitionsrechte besteht; aber nie und 
nimmer in andern „Wörtlein", die mitunter, wie die Ersah- 
rung lehrt, ganz sonderbar klingen könnten. Wir haben keine 
Volksabstimmung, oder ein sog. „Referendum" wie die Schweiz; 
wir haben, wie jeder monarchische konstitutionelle Staat, unsere 
Rechte in der Verfassung gewährleistet, aber auch kein „Wort- 
lein" mehr und weniger. Bon weitern „Wörtlein", als un- 
fere Verfassung erlaubt, kann also auch im Unterlande nicht 
wohl die Rede mehr sein, sonst kommen wir in den 
Zustand der Ungebundenheit d. h. der Anarchie 
und setzen damit die so mühsam errungene Ver- 
fassung selbst aufs Spiel. Zudem muß gegenüber 
dieser eigenthümlichen „Freiheitsliebe" noch konstatirt werden, 
daß das Oberland auch noch ein Faktor ist, mit dem zu rech- 
nen ist. DaS Unterland repräsentirt nämlich ca. %, daS 
Oberland aber ea. % der liechtenstein. Bevölkerung. 
Endlich werden die „mehreren Bürger von Ruggell" doch 
wohl die Vollmacht der Landtagsabgeordneten nicht beschrän- 
ken wollen und können, weil diese Vollmacht durch die Ver- 
fassung gegeben und gewährleistet wurde. Wir stehen 
unter der Verfassung und nicht über der Ver- 
fassung! ^ 
Vaduz, den 21. Februar 1877. 
Der Verfasser der „Streiflichter." 
Vaterländisches. 
Eschnerberg. (Eingesendet.) Gestatten Sie mir 
Herr Redakteur in der unser Ländchen in Athem haltenden 
Währungsfrage gleichfalls einige Worte. 
Es ist zwar schon so viel hierüber gesprochen und geschrie- 
ben worden, daß ich schwerlich viel Neues werde bringen 
können. 
Dennoch will ich es versuchen und zugleich den Standpunkt 
der Unterländer, der ste Stellung gegen das Münzgesetz und 
für die Beibehaltung deS statu« quo nehmen heißt, in einem 
milden Lichte erscheinen lassen. 
ES ist eine Thatsache, daß die untere Landschaft fast aus- 
schließlich mit Vorarlberg verkehrt, auf dessen Märkten der 
Unterländer die kargen Produkte feines Grund und Bodens 
absetzt. Schon ein Blick auf die Karte erklärt diese Erscheinung, 
ist ja Liechtenstein eigentlich nur die Fortsetzung deS österreichi 
schen RheinthaleS nach Süden, wo eS am Passe Luziensteig 
gegen die Schweiz seinen natürlichen Abschluß findet. 
Zu dieser geographischen Lage Liechtensteins kommt aber 
noch eine enge politische und administrative Verbindung deS 
Fürstenthums mit dem Kaiserstaate, gegen den unS keine Zoll- 
schranken wie eS gegen die Schweiz der Fall ist, absperren. 
Gut also: angenommen, daß besondeS wir Unterländer mit 
unserem Handel und Wandel auf Oesterreich angewiesen find, 
so wird einmal dieser Verkehr durch die Einführnng einer Ba- 
luta, welche von der der österreichisch-ungarischen Monarchie 
verschieden ist, gewiß nicht gefördert werden. Ja, wird man 
mir sagen, wir hatten ja auch bisher nicht die gleiche Währ- 
ung, wie die Oesterreicher. Nun, dem gegenüber möchte ich 
nur andeuten, daß wir bisher die gleiche Scheidemünze hatte», 
daß diese nunmehr bei Einführung der Goldwährung jedenfalls 
verdrängt würde und daß sohin dem Namen nach wohl daS öster 
reichische Goldstück als gesetzliche Münze stguriren, in der That 
aber die Frankenwährung bestehen würde, während bis dato 
bei uns wirkliche österreichische Silbergulden kurstrten und als 
gesetzliches Zahlungsmittel galten. Zudem ist nicht zu ver- 
gessen, daß dem Oesterreicher daS Silber denn doch viel ge- 
läufiger ist, als fein Gold, welches er nur vom Hörensagen 
kennt. 
Ist bei uns die Goldwährung eingeführt, so kann deshalb 
der Unterländerbauer noch nicht seine Produkte auf den öster- 
reichischen Märkten gegen Gold, sondern wegen der Konkurrenz 
ohne Preissteigerung, wie bisher, gegen Papier absetzen. 
Zu Hause aber soll er seinen heimatlichen Verpflichtungen 
gegen Staat, Gemeinde und Gläubiger, in Gold gerecht wer- 
den, demnach eine Verschlechterung seiner ohnehin schon drücken- 
den Lage um 7—10 % erfahren, wozu noch die Prozente 
kommen, die ihm durch die UmwechSlung deS Papiergeldes in 
Gold jedenfalls verloren gehen. Wir haben also schon einen 
Punkt, der eS sehr begreiflich macht, daß der Unterländerbauer 
gegen die Einführung der Goldwährung ist. 
Der zweite Punkt liegt darin, daß der Kapitalsschuldner 
auf einmal daS in Gold zurückzahlen soll, waS er in Silber 
empfangen hat, obwohl nach dem Darlehensbegriffe, Sachen 
derselben Gattung und Beschaffenheit zurückzugeben find. 
Meiner Anficht nach, ist die Silberentwerthung von dem 
weiteren Standpunkte einer allgemeinen Kalamität aufzufassen 
und ich sehe gar nicht ein, warum den Ausfall gerade der 
Schuldner tragen soll. 
Hätte der Kapitalist sein Geld im Kasten behalten, so würde 
e r den Verlust leiden, nun aber,, da ihm der Bauer das Ka 
pital im Schweiße seines AngefichteS fruchtbringend macht, soll 
dieser ihn auch noch für eine vis major, wie die Silberent- 
werthung, schadlos halten. 
Liegt hierin nicht eine Ungerechtigkeit? 
Dies ist der weitere Grund, warum die Unterländer, die 
zum weitaus größten Theile aus verschuldeten Kleinbauer»
        

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