Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/29/
Liechtensteinische 
Fünfter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 8. 
den 23. Februar 1877. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 ff., halbjährig l fl. lammt 
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werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Anzeige. 
Die Gemeindevertretung von Schaan ist Willens 4 Stück 
in ihrem Waldbezirke stehende Nußbäume zu verkaufen und 
ordnet zu di fem Zwecke auf Sonntag den 4. März Nach- 
UtittagK 3 Nhr in der Wirtschaft des Rudolf Quaderer 
eine diesbezügliche Versteigerung an, wozu Saufliebhaber freund- 
lichft eingeladen find. 
Schaan 21. Febr. 1877. 
Jos. Tschetter, Vorsteher. 
Streiflichter zum Wahrungsstreit. 
Wenn ich in diesen Blattern meine Ansichten über die Münz- 
frage entwickelt habe, so glaube ich im Geiste veS Rechtes ge 
handelt zu haben, und geradeaus ohne Winkelzüge vorgefchrit- 
ten zu sein. ES mag den Gegnern einer Münzregelung (sei 
dieselbe nun so oder so gestaltet) und den verschiedenen furcht- 
samen Gemüthern ungeeignet erscheinen, daß man überhaupt 
noch wagt, nach den stattgehabten Ereignissen von der Roth- 
wendigkeit einer Münzregelung zu sprechen. ES mag zudem 
bei der Wahrscheinlichkeit, daß der künftige Landtag von einer 
Münzregelung auch auf Grund eineS andern Gesetzes ganz 
Abstand nimmt und mit „abgekürzter" Tagesordnung wieder 
zum „alten Stand" zurückkehrt, fast nutzlos und überflüssig 
erscheinen, die Münzfrage weiter zu diSkutiren. DieS Alles 
war dem Schreiber dieses schon recht klar, bevor er den ersten 
„Federstrich" in dieser Angelegenheit that. Dennoch glaubte 
ich im Interesse des allgemeinen Wohles offen und geradeaus 
meine Anstchtcn aussprechen zu sollen und zwar: 
1) weil die Notwendigkeit einer Münzregelung (freilich 
auf dem Boden eines andern Gesetzes) seit dem Beginn der 
Silberentwerthung unabweisbar vorliegt. Ich habe in den 
letzten „Streiflichtern" die Beweisgründe hiefür ausführlich mit- 
getheilt und verweise darauf. 
2) well in Anbetracht dieser erbrachten Beweisgründe und 
in Anbetracht unserer jetzigen eigentümlichen Verhältnisse daS 
gänzliche Fallenlassen selbst der Idee einer Münzregelung den 
Kredit unseres Landes beziehungsweise der LandeSangehörigen 
empfindlich schädigen kann und nebenbei in der Entwicklung 
unseres öffentlichen Lebens als ein bedeutsamer politischer Rück- 
schritt angesehen werden muß. 
3) weil unser Landessürst, unsere Regierung und der ab- 
getretene Landtag die Notwendigkeit einer Münzregelung an- 
erkannt haben, welche Anschauung jedenfalls auch jetzt noch vor- 
Händen sein wird. Wenigstens ist nach meiner unmaßgeblichen 
Meinung die Sistirung des MünzgesetzeS unter der Voraussetzung 
erfolgt, daß der kommende Landtag daS Münzgesetz entsprechend 
den verschiedenen Bedürfnissen und Rücksichten abändern möge. 
Denn wenn einmal auch höhern und höchsten OrteS die Roth- 
wendigkeit einer Münzregelung anerkannt wurde, so läßt sich 
doch wohl annehmen, daß man wenigstens die leitende Idee 
nicht ohne Weiteres sogleich gänzlich aufgeben werde. 
4) weil eS unter diesen Umständen nicht nur erlaubt fon- 
dern auch angezeigt erscheinen mußte, für die Idee einer Münz- 
regelung daS offene Wort zu ergreifen, um ruhig belehrend 
und zum Nachdenken anregend auf die Bevölkerung zu wirken; 
daS zumal, weil ein solches Vorgehen in Folge der allzuraschen 
Beschließung deS MünzgesetzeS zur damaligen Zeit nicht mög- 
lich war. 
Nachdem ich diese Begründung meines öffentlichen Auftre- 
tenS vorausgeschickt habe, mag der Faden der Münzregelung 
selbst wieder weitergesponnen werden. 
In der letzten Nummer der „L. W." habe ich die Beweise 
für die Notwendigkeit einer „Münzregelung" überhaupt er- 
bracht, heute komm ich wieder auf daS „Wie" d. h. auf die 
Korm, wie ich mir ein allenfalsigeS zukünftiges Münzgesetz im 
wohlverstandenen Interesse deS Landes vorstelle, zurück. In 
Nr. 5 der „L. W." habe ich bereits in Kürze einzelne Vor- 
schlüge mitgeteilt; diese sollen hier wieder ihre Stelle finden 
und näher präzifirt werden. 
Zn erster Linie muß dem Schuldner sowohl aus Billig- 
keitS- als auch aus RechtSrücksichten das Recht zugestanden 
werden: d ie in der ganzen Zeit der Silberentwer- 
thung eingegangenen Verbindlichkeiten auf österr. 
Gulden lautend wieder in dieser Münze im Voll- 
werthe binnen Jahresfrist zurückzahlen bezieh- 
ungSweife nach demKurse reduzieren zu können. 
Letzterer Punkt: d. h. daS Recht solche Verbindlichkeiten 
auch nach dem Kurse reduzieren zu können ift ein wohl begründetes 
„Angbängsel" und zwar, weil mancher oder vielmehr dte größte 
Anzahl der. Schuldner ohne besondere Kosten und Angelegen- 
heilen nicht wohl im Stande sein würden, binnen IahreSfri^ 
zurückzahlen zu können; durch die gesetzlich verbürgte Möglich- 
keit seine Schuld nach dem Kurse in vollwertiges Geld zu 
reduzieren, fällt dieser Uebelftand weg; und jeder Schuldner 
wird für alle derartige Verbindlichkeiten sicher schadlos gehalten. 
Daß dem Schuldner dieses Recht zugestanden werden soll, 
bedarf wohl keiner besonderen Erörterung mehr. 
Ein weterer Vorschlag bezweckt: den sogen, „alten 
Kapitalien" d. h. denjenigen, die vor der Ze ltder 
Silberentwerthung in damals vollwertbigem 
Gelde angelegt wurden, wieder zu ihrem ihnen
        

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