Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/28/
der öffentlichen Ruhe schuldig. gemacht. Die Strafe dieses Ver- 
brechenS ist schwerer Kerker von einem bis zu fünf Iahren. 
Daß übrigens dieser 8 65 bei dem Verhalten deS I. M. 
Oehri vollständig zutrifft, dafür kann er stch bei jeder „juri- 
(tischen Fakultät" die „zutreffende" Antwort geben lassen, die 
unter allen Umständen gegen den Herrn Oehri ausfallen müßte. 
An diesen „kalten Wasserstrahl" möge sich daS erhitzte 
Gemüth deS Herrn Oehri erinnern, wenn ich ihm auch wünsche, 
daß unser Landesfürst in diesem Falle Gnade vor Recht er- 
gehen lasse. 
Noch weiter zurück mag stch Herr Oehri an eine frühere 
Episode auS seinem parlamentarischen Leben erinnern, die auch 
wieder ein „unvergleichliches" Schlaglicht auf denselben wirst. 
Herr Oehri hatte sich nämlich vor 2 Jahren, wie allgemein 
bekannt, an der Bewegung^ gegen das Jagdgesetz betheiligt. 
Dagegen habe ich nichts einzuwenden, da dies eine sachliche 
gegnerische Auffassung war, die zudem nicht gegen unsere Ver 
fassung auftrat. 
Wohl aber mußte eS im hohen Grade befremden, daß der 
gleiche Herr Oehri und zur fast gleichen Zeit fich privatim um 
— die „Waidjungenstelle" bewarb womit er stch bei Freunden 
und Gegnern seiner Haltung punkto Jagdgesetz nur „blamierte". 
Diese verschiedenen „Stücklein" erlauben denn doch wohl, daß 
man dem Herrn Oehri Inkorrektheit zum Vorwurfe machen 
konnte, und diesen Vorwurf hätte der „neue VolkSmann" schön 
stille über fich ergehen lassen sollen, anstatt mit persönlichen 
„Stänkereien" die Beweisführung herauszufordern. 
Mit solchen thatfächlich verbürgten Mittheilungen 
glaube ich genug in dieser Affaire gesprochen zu haben; und 
werde, wie bisher, mich wieder ruhig und gelassen mit der 
Münzfrage selbst beschäftigen. Wer sich überhaupt mit Ernst 
um die Münzfrage bekümmert und von dem Ernste der Lage 
auch erfaßt wird, muß stch bald mit Eckel von derartigen per- 
sönlichen „Reden", die Herr Oehri zu seiner „Ehre" zu halten 
beliebt, abwenden, weil dieselben den ruhigen Blick auf die Sache 
selbst nur beschränken. 
Vaduz, den 14. Februar 1877. 
Der Verfasser der „Streiflichter." 
Vaterländisches. 
Vaduz, 14. Febr. (Oeffentliche Erklärung.) Ge 
genüber der Behauptung deS Herrn I. M. Oehri in Nr. 9 
und 13 der „Feldk. Ztg ", als hätte der Abgeordnete Dr R. 
Schädler in der der II. LandtagSsitzung unmittelbar vorangegan- 
giften KommissisnSsttzung den Ausdruck fallen lassen: „DaS 
Volk gilt nichts" erklären die unterzeichneten m jener Sitzung 
anwesenden KommisstonSmitglieder nach ihrem besten Wissen 
und Gewissen 
1) daß jener Ausdruck von dem Abg. Dr. Schädler nie 
gebraucht wurde, 
2) daß die Aeußerungen des Abg. Dr. Schädler in jener 
Sitzung in summa dahin gingen, daß er dem Abg. Kaiser ge- 
genüber erklärte, eine Abstimmung über das neue Münzgesetz 
durch daS Volk sei nach unserer Verfassung unzulässig. 
Rheinberger, 
Ch Wanger, 
Erni, 
Dr. Schlegel. 
Auf obigen Attest meiner Herren Mitkollegen mich stützend 
halte ich meine in Nr. 10 der „Feldk Ztg." und in der letzten 
Nummer der „Liechtenst. Wochenztg." abgegebenen Erklärungen 
ihrem Wortlaute nach vollkommen aufrecht und erkläre zugleich, 
indem ich alle weitern in Nr. 13 der „Feldk. Z g." vor* dem 
Herrn I. M. Oehri gegen mich gerichteten Angriffe als nicht 
zur Sache gehörend still verachtend übergehe, meine heutigen 
Worte als die letzten an Diesem Platze und in dieser Ange 
legenheit. 
Zur weitern Aufklärung bemerke ich schließlich, daß jen^ 
Kommisston, in welcher ich den streitigen Ausdruck gebraucht 
haben soll, aus 7 Mitgliedern und zwar aus den Herren Erni, 
Rheinberger, Dr. Schlegel, Wanger, Oehri, Kaiser und meiner 
Person zusammengesetzt war. 
Dr. Rud. Schädler. 
' Vaduz, 14. Februar. In Folge der andauernden und 
starken Regengüsse dieser Tage find unsere losen Wildbächs • 
ziemlich angeschwollen. Die Maurerrüse ist in Bewegung ge- 
rathen und zwar derart, daß der Eisenbahndamm zum Theile 
überschüttet wurde und die Züge % Tag nicht kurstren konn- 
ten. Auch die Mühleholzrüfe hat von gestern auf heute et- 
was Geschiebe bis über die Landstraße her gebracht. Eine zu 
dieser Jahreszeit ungewöhnliche Erscheinung. 
Verschiedenes. 
*Ueber Düngung der Obstbäume schreibt ein 
Praktikus im „Zürcher Bauer": Vor mehreren Jahren mach- 
ten wir Versuche, einzelne Bäume während der Blüthezeit zu 
düngen; das Gras wurde abgeschnitten und Stalldünger in 
ziemlich reicher Menge auf den Rasen gelegt, nachher mit 
Jauche Übergossen; der Erfolg war ein so auffälliger, daß 
wir diese Art Düngung jeder andern vorziehen. Aus diese 
Weise entwickelt sich eine kräftige Grasnarbe, bei dem spätem 
Schnitt muß natürlich hochstopplig, daS heißt über dem Dün- 
ger, gemäht und die sogenannte Rechete zum Einfaulen liegen 
gelassen werden. Durch dieses Verfahren erzielt man einen 
Rasen, der wie ein Schwamm im Stande ist, eine ziemliche 
Menge Wasser auf der Oberfläche festzuhalten und so dem 
Baume die nöthige Feuchtigkeit nebst Düngung zu liefern. Als 
eine weitere Folge dieser DüngungSart ist ferner der Umstand 
zu notiren, daß stch die feinen Saugwurzeln nach der Ober- 
fläche hin vermehren und ausbreiten, worauf stch die Frucht- 
barkeit und Ergiebigkeit des Baumes wesentlich zurückführen 
läßt. Diese BehandlungSweise ist namentlich in trockenen, 
heißen Sommern die erfolgreichste ; denn ein trockener, harter 
Boden unter den Bäumen wird dadurch auf naturgemäße 
Weise vermieden. 
Ein Franzose, der längere Zeit in Deutschland gelebt 
hatte und etwas Deutsch verstand, machte einst folgenden drol- 
ligen VerS: 
Wie daS KnoSp' am Rosenstock, 
Abbeißt, auffrißt Ziegenbock, 
So die Tod das Mensch frißt auf, 
Räch sein kurzes Lebenslauf. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Thermometerstaud nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Februar 7. 
+ i 
+ 5 
+ 3'/ 2 
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Telegrafischer fturSbericht vou Wien. 
14. Februar Silber 114 75 
20-Frankenstücke 9.88% 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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