Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/27/
zugestanden: daß sie 15 Perzent mehr als bisher 
von dem Erträgnisse zurückbehalten kann; was 
jährlich für unsere Kassaeinem Ausfall von ca. 
4000 fl. gleich kommt. 
DaS sind ungefähr die „weiteren Punkte" die mehr oder 
weniger in unseren eigenthümlichen Verhältnissen begründet 
sind, und die nicht unterschätzt werden dürfen. 
AuS all dem ergiebt sich die Schlußfolgerung: D a ß w i r 
in Anbetracht des Nutzens einer stabilen Münze 
an sich, dann in Anbetracht der Zweckdienlichkeit 
einer Münzreform gegenüber unseren gegenwär 
tigen eigenthü ml ichenVerhältnissenimwohlv er 
standenen Interesse deS Landes die Durchfüh 
rung einer Münzregelung auf Grund eines ande- 
ren Gesetzes anstreben müssen. 
Jeder unparteiische Sachverständige auch im Auslände, 
der unsere Lage und die Gründe unseres StrebenS kennt, wird 
grundsätzlich die gleiche Anschauung haben. 
Das „Wie" einer Münzreglung haben wir bereits in Nr. 
4 und 5 der „L. W." ausführlicher besprochen und können 
vorderhand auf die dort gemachten Vorschläge ver- 
weisen, diesowohl den Rechten deS Gläubigers 
und Schuldners, als auch den dabei in Betracht 
kommenden Billigte itSrücksichten gerecht zu 
werden beabsichtigen. Wir werden übrigens später noch 
einmal auf diese Vorschläge zurückkommen, und dabei zugleich 
über ein allensallsigeS Zugeständniß bezüglich der alten Kapita- 
lien (und zwar derjenigen vsr dem Jahre 1859) Näheres 
zur Mittheilung bringen. 
Schreiber dieses ist zu jung, als daß er Alles selbst miter- 
lebt hätte, und muß sich daher noch genauer und gründlicher 
über diesen Punkt erkundigen. 
Zum Schlüsse unserer heutigen „Streiflichter" wollen wir 
noch in Kürze einer Einsendung in Nro. 12 der „Feldk. Ztg." 
<„AuS der unteren Landschaft, zum WührungSstreite", betitelt), 
Erwähnung thun. Die Adresse ist "zwar nicht an unS gerichtet, 
sondern an daS „Eingesendet" von Triesnerberg, daS in Nr. 5 
der „L. W." eingerückt wurde und noch für das „Münzgesetz" 
als solches spricht. Wir selbst aber haben bekanntlich nie für 
daS Münzgesetz, sondern nur für die Münzregelung 
baS Wort ergriffen. Dessenungeachtet wollen wir (unbeschadet 
deS Erwiderungsrechtes deS Einsenders von Triesnerberg) die 
Anschauungen deS Einsenders aus der „unteren Landschaft" 
(in Nro. 12 der »Feldk. Ztg.") vorführen. Vorerst müssen wir 
dem Artikel die Anerkennung zollen, daß er ruhig und sachlich 
gehalten und gut geschrieben ist. Der Einsender hat auch die 
nämliche Ansicht, wie wir, daß daS Münzgesetz fehlerhaft sei, 
und daß mit dem Münzgesetze (speziell mit der monatlichen 
Tarifirung) dennoch eine SpezieS von liechtensteinischem ZwangS- 
kurse geschaffen worden sei. Hierin können wir dem Herrn Ein- 
sender nur Recht geben. 
Hingegen müssen wir folgende Beweisführung als nicht 
stichhältig betrachten, weil der Vordersatz unrichtig ist. Der 
Herr Einsender sucht nämlich daS Recht deS „alten Kapitalisten" 
auf vollwerthige Zurückzahlung ungefähr durch folgende Schluß- 
folgerung zu entkräften: „(Sine Waare kann gekauft oder zur 
zeitweiligen Benutzung entlehnt werden. Wird die Waare nur 
entlehnt, so kann sie zur Verfallzeit als solche (sei sie nun im 
Werthe gefallen oder gestiegen) wieder zurückgegeben werden. 
Nun ist aber Geld auch einfach Waare; der Schuldner hat 
eS nur entlehnt, nicht gekauft und kann eS also (sei eS nun 
gefallen oder gestiegen) als solches wieder zurückzahlen." Die 
Schlußfolgerung wäre sehr sinnreich, sehr bequem und sehr rich 
tig, wenn der Vordersatz: Geld ist einfache Waare richtig wäre. 
Fällt aber der Vordersatz, so fällt nach den einfachen Lehren 
der Logik auch der Schlußsatz. 
Mit der Eigenschaft eines allgemeinen Tauschmittels ver 
bindet das Geld freilich zugleich auch die Eigenschaft einer 
Waare, aber in erster Linie ist und bleibt das Geld 
durch seinen stabilen Münzwerth ein allgemeines 
Werthbestimmungsmittel. — Sobald das Geld diese 
Eigenschaft verliert, ist eS eigentlich nicht mehr Geld (gültig) 
eS »währt" nicht mehr (daher der Name Wahrung), eS wird 
alSdann zur Waare uud unterliegt den Preisschwankungen wie 
Kartoffel oder Heu u s. w. — In Staaten, wo da< Geld 
diesen Charakter der Stabilität schon längst nicht mehr hat, 
kann man freilich mit mehr Fug „Waarenhandel" statt „Geld- 
Handel" sagen, aber dieser Zustand ist kein gesunder und kein 
normaler. — 
Wir haben bis Ende 1873 wirkliches Geld, also stabiles 
Geld gehabt, und der Gläubiger kann daher auch für „Dar- 
lehen", die er vor dieser Zeit „auSgelehnt" hat, wieder wirk- 
licheS Geld verlangen. Etwas anderes ist eS mit den Ver- 
bindlichkeiten und Darlehen, die seit 1873 bis jetzt: also zur 
Zeit der „Waare" d. h. deS schwankenden Geldes abgeschlossen 
wurden, hier trifft die obige Schlußfolgerung mit Recht zu; 
und müssen daher auch diese Verbindlichkeiten mit der gleichen 
„Waare" zurückbezahlt werden können. 
DaS ist wenigstens unsere rechtliche Ausfassung, wenn wir 
auch keineswegs eine sehr genaue und fachmannische Kenntniß 
in Münzsachen für unS in Anspruch nehmen wollen. — 
„Nachtrag" zu den heutigen „Streiflichtern zum 
WährungS streite." 
Soeben vor „Thorschluß" lese ich in Nro. 13 der „Feldk. 
Ztg." die „geharnischte ErwiderungSrede" deS I. M. Oehri 
von Eschen. 
Die persönlichen Infamien gegen den ehemaligen Abgeord- 
neten Dr. Rudolf Schädler überlasse ich diesem selbst beziehungS- 
weife den betreffenden Kommissionsmitgliedern zur Beantwortung. 
Herr Oehri berührt aber auch einige Punkte, die ich in 
den „Streiflichtern" der vorigen Nummer besprochen und an- 
gedeutet hatte. Diese mögen hier in Kürze noch ihre Grtedi- 
gung finden. 
Vorerst ist zu konstatiren, baß die maßlos und leidenschaft 
lich gehaltene Erwiderung deS I. M. Oehri an den von mir 
mitgetheilten Thatsachen auch gar nichts zu ändern vermag. 
Ich wiederhole daher: 
1) Herr Oehri hat vor 2 Jahren einer Münz- 
reform beigestimmt. Dafür bürgt das Land- 
tagSprotokoll. 
2) HerrOehri hat vor einigenWochen auch dem 
neuen Münzgesetze mittelst Handschlag feier- 
lich die Zustimmung versprochen. Dafür bürgt 
wiederum daS LandtagSprotokoll. 
3) Ist der Herr Oehri derjenige, der dann sogleich gegen 
dasselbe Gesetz aufhetzte und im „großen Style" auf- 
wiegelte, und zum großen Theile die gesetzeS- 
widrige Demonstration verursachte. DaS ist eine alt- 
gemein bekannte Thatsache. 
4) Bin ich in meinen Artikeln selbst gegen daS neue Münz- 
gesetz aufgetreten, aber auf verfassungsmäßige Weise, und 
habe also nicht gegen den Herrn Oehri zu kämpfen, weil 
er Gegner deS MünzgesetzeS ist, sondern weil er 
in Vaduz ja und 
im Eschnerberge nein sagte, 
waS ein Mann vonWort nicht thun kann und darf. 
Diesen bekannten Thatsachen füge ich noch bei: 
ES möge sich Herr Oehri an den § 65 deS österreichischen 
Strafgesetzbuches (das bei uns Gültigkeit und Kraft hat) erin- 
nern. Als Aufwiegler und Rädelsführer gegen ein bestehendes 
Gesetz hat er zur verfassungswidrigen Auflehnung und zwar 
unter Drohungen gegen unsere staatliche Existenz 
aufgereizt und sich dadurch deS Verbrechens der Störung
        

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