Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/26/
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allgemeines WerthbestkmmungSmittel, während das Silber den 
in neuerer Zeit verhältnißmäßig großen Kursschwankungen 
unterliegt. Diejenigen Münzen eineS Landes, welche das ge 
setzliche Zahlungsmittel bilden, müssen im inländischen Verkehre 
zu ihrem Nennwerthe für voll angenommen werden; der je- 
weilige Werth hingegen solcher Münzen, welchen nicht als ge, 
setzlicheS Zahlungsmittel geltende Münzen haben, ist der Tausch- 
Werth oder auch Handels- oder KurSwerth derselben, welcher 
auf Börsenplatzen in den Kurszetteln notirt "wird. Die Re- 
gierung eines Landes kann aber auch fremde Münzen höher 
oder niedriger tarifiren, als es den Münzfüßen beider Münzen 
entsprechend ist. Der solchergestalt festgesetzte Werth ist der 
ValvationS- oder Tarifwerth. Am besten muß sich daher im- 
wer derjenige Staat befinden, der ein Geld besitzt, das in sich 
selbst den möglichst hohen Gegenwertb hat und sozusagen keinen 
schädlichen Werthschwankungen unterliegt. Da die Staats- 
pflege auf die Beförderung des Wohlstandes wirken soll und 
kann, so fällt auch daS Münzwesen wesentlich unter die staat- 
liche Aufsicht, weil daS Geld daö unentbehrlichste Verkehrsmittel 
ist. — Je größer b x t Kursschwankungen eineS Geldes sind, 
desto höher muß der Kaufmann seine Waare berechnen, desto 
theurer werden die Lebensmittel, und ein desto günstigeres Feld 
erwächst den Geldspekulanten Zudem berechnet der Kaufmann 
besonders bei Forderungen, die ihm voraussichtlich erst nach 
Halbjahres- oder Jahresfrist eingehen, die Perzente der bis dann 
«»öglichen oder wahrscheinlichen Kursschwankungen, um in keinem 
Falle Schaden am Gelde erleiden zu müssen. Obwohl Schrei- 
der dieses kein Kaufmann ist, so denkt er sich eine vorsichtige 
GeschäftSgebahrung solchergestalt. 
Au< dem ergibt sich die Schlußfolgerung, daß der Staat 
als solcher und dann weiter speziell jeder Konsument durch ein 
schwankendes Geldwesen nicht unwesentlich geschädigt wird, und 
daß daher jeder Staat, so gut und so rasch eS angebt, für 
ein geordnetes d. h. für ein stabiles, möglichst sich gleichblei- 
bendeS Geldwesen Sorge tragen muß. Abgesehen von dem be- 
deutenden Schaden, den alle mit fixem Gehalte Angestellten, 
ferner die öffentlichen Fonde und alte Schuldverschreibungen 
bei anhaltenden und größeren Geldschwankungen naturgemäß 
erleiden, mag das oben Gesagte schon zum Theile beweisen, 
wie nothwendig auch für unser kleines volkswirtschaftliches 
Leben eine geordnete und stabile Geldwährung iß. 
ES lassen sich aber noch weitere und schwerwiegende 
Gründe vorbringen, die in unseren eigenthümlichen Verhältnissen 
und in der durch die neuerlichen Strömungen geschaffenen Lage 
liegen. Der Kürze und Deutlichkeit halber fassen wir dieselben 
in folgende weitere Punkte zusammen: 
1. Der Kredit unseres Ländchens wird durch 
daS gänzliche Fallenlassen einer Münzregelung 
überhaupt geschädigt werden. 
Unser Ländchen hat sich feit circa 20 Jahren ganz bedeu- 
tend erholt. Wir haben eS in erster Linie der rastlosen Thätig- 
keit und Energie unserer Regierung und dem thätigen Eifer 
der früheren Landtage zu verdanken: daß wir neben einem ge- 
ordneten und vortrefflichen Staatshaushalte den Wohlstand auch 
im Besondern durch die Entwässerung, Straßenbauten, Rhein- 
schutzbauten, ferner durch die Errichtung der Sparkassa wesent- 
lich gehoben finden. Zudem ist unser Grundbuchwesen durch 
die Katastralvermessungen u. s. w. in einen mustergültig ge- 
ordneten Zustand versetzt worden. 
DaS sind unbedingt Fortschritte. Zu Alledem sind dem 
Lande durch die Zollerträgnisse, und durch daS von unserem 
Fürsten gewährte unverzinsliche Darlehen von 175,000 fl. ver- 
hältnißmäßig ganz enorme Geldeinnahmen zugegangen, die groß- 
tentheils bei den so nothwendigen Rheinschutzbauten an die In- 
länder selbst wieder ausgegeben, also vom Znlande wieder ein 
genommen wurden. Nur so und unter diesen günstigen Ver- 
hältnisien war eS möglich, daß unser arbeitsames, sehr thätigeS 
Völklein den schweren Kampf mit dem Rheine aufnehmen 
konnte, ohne dabei zu Grunde zu gehen. — Diese Gelder find 
nun aber erschöpft. Wohl hat die LandeSkassa über einen noch 
ziemlich großen Vorschuß zu verfügen, aber der wird auch bald 
seine Verwendung am Rheine finden. Die Zollerträgnisse wer- 
den voraussichtlich in Anbetracht der durch die Zeitumstände 
gedrückteren Verkehrsverhältnisse nicht mehr die Höhe der letz- 
ten Jahre erreichen. Auch der allgemeine Verdienst im Jnlande 
und im Auslände wird in Folge der überall um sich greifen- 
den wirtschaftlichen Krift« und UnternehmungSlosiqkeit vorüber 
gehend ein geringerer werden. — Und dann? WaS hat das 
alles mit unserem Geldwesen zu thun? wird mancher fragen. 
Unsere Antwort ist die: unmittelbar hängt daS Geldwesen mit 
diesen Erscheinungen freilich nicht zusammen, aber wohl mit 
dem Eredite, und somit mittelbar auch mit unserem Geld- 
wesen. 
Wenn nämlich eine Münzregelung in keiner Weise zur 
Durchführung kommt', so befürchten wir, daß Mißtrauen in 
die Sicherheit unserer öffentlichen Zustände entsteht, daß beson- 
derS die ausländischen Kapitalisten ihre Gelder zum großen Theil 
zurückziehen, daß ferner die Geldeinlagen in unsere Sparkassa 
nur mehr sehr spärlich sein werden u. s w. falS Beispiel diene, 
daß wie wir vernehmen in anderen Jahren von Neujahr bis 
jetzt circa 20—30,000 Gulden in die Sparkassa einliefen, wäh- 
rend Heuer bis jetzt sozusagen nichts.) Vergleicht man alle 
diese Umstände, so läßt sich nicht leugnen, daß die Beibehal- 
tung unserer schwankenden Geldwährung oder was noch schlim 
mer wäre die „thatkrästige* Sehnsucht nach dem österreichischen 
Papiergelde unseren Kredit heru«tersetzen müßte. — DaS kann 
insofern von bedeutender Wichtigkeit werden, wenn durch daS 
erregte Mißtrauen größere Kapitalkündigungen (besonders vom 
Auslande her) stattfinden, oder auch das Geldbedürsniß zu 
Rheinbauten u. s. w.' in Folge der Erschöpfung der öffentlichen 
Kassen im Jnlande selbst nicht mehr genügend befriedigt zu 
werden vermag. — Solche „Möglichkeiten" können bei eintre- 
tenden Nothständen dazu zwingen, daß man wieder im AuS- 
lande Geld suchen muß. Und waS dann ? Bei unseren schwankenden 
Geldverhältnissen und bei dem möglichen Falle: daß allenfalls 
noch gar dem österreichischen Papiergelde zugesteuert wird, wird 
(vielleicht auch auS übertriebenem Mißtrauen) die Lust immer 
mehr schwinden, Hierlands Gelder auSzuleihen. 
DaS find Blicke in die Zukunft, deren thatfächliche Bedeu- 
tung sich Jedermann, der unsere Frage auch gründlich nach 
allen Seiten studiren will, naturgemäß aufdringen muß. 
Die Einführung einer stabilen d. b. nicht schwankenden 
Geldwährung kann aber solchen möglichen Uebelständen zum 
größten Theile die Spitze brechen. DaS Vertrauen wird da- 
mit neuerdings gekräftigt, unsere Sparkasse wird durch fort- 
dauernde Einlagen dem Geldbedürfnisse wieder fortentsprechen 
können; und wenn der Fall eintreten würde, hätten wir auch 
wieder Kredit im Auslände. 
2 Ein anderer Grund ist der: 
Mit dem FaNen lassen einer ZHünzregelung 
überhaupt wird anstatt an Stelle deS „politischen 
Fehlers" d h. deS neuen MünzgesetzeS ein ande- 
res und besseres Münzgesetz zu setzen, ein neuer 
und noch viel größerer politischer Fehler began- 
gen. Die Vorarbeiten deS Landtages in den letzten 3 Jahren 
werden mit dem Münzgesetze feierlich zu Grabe getragen, und 
bei den eigenthümlichen Vorgängen und Szenen, die in der 
„Gehenströmung" zum Theile zu Tage treten, läßt sich dann 
sagen: eS wird gewissermaßen der Aufstand selbst zum Volks- 
rechte; um so mehr weil uns der materielle Hintergrund einer 
Staatsgewalt fehlt. 
3. Hat uns die österreichische Regierung laut 
neuem Zollvertrage die Freiheit der selbständig 
gen Münzregelung nur unter dem Bedingnisse
        

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