Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/200/
leichter zu handhabende Weise kaum hergestellt werden. Auch für 
Eisenbahnen wird das Telephon unzweifelhaft vielfach und schnell 
Eingang finden; denn abgesehen von der Beförderung telegraphi- 
scher Nachrichten, bietet dasselbe die günstigste Gelegenheit, jeden 
Wärter in der Bude auf der Strecke in unmittelbare Verbindung 
mit dem nächsten Bahnhof zu bringen und einen unschätzbaren 
Ersatz für die bei schleunigen Aenderungen in dem Betriebe so 
häufig lästigen und verzögernden Zirkularmittheilungen von Wärter 
zu Wärter; ob das Telephon auch zu Signalen auf einem fah- 
renden Zuge wird benutzt werden können und zur Vermittlung 
eines Verkehrs zwischen den Passagieren und dem Zugpersonal, 
läßt sich vorläufig noch nicht entscheiden. Zweifelsohne ist die 
Welt um ein neues Verkehrsmittel reicher geworden, welches die 
Telegraphie vielleicht nicht verdrängen wird, jedenfalls aber dem 
Berkehr der Menschen auf mehr oder minder weite Entfernungen 
ganz neue Bahnen und Aussichteu eröffnet. (Köln Ztg.) 
* Die Tieferlegung des Bodensee's. Dieses Pro- 
jekt, dessen Nützlichkeit anfänglich unbestritten war-, '.scheint nach 
gründlicher, allseitiger Prüfung der Frage auf Schwierigkeiten 
zu stoßen und die Einwendungen, welche jetzt gegen das Projekt 
erhoben werden, dürften ohne Zweifel das Scheitern zur Folge 
haben. Fachmänner behaupten nämlich, die Tieferlegung des 
Bodensee's sei den Interessen sämmtlicher Rheinländer zuwider, 
hauptsächlich des Großherzogthums Baden, des Elsaß und der 
Pfalz, und zwar aus folgendem Grunde: der Bodensee bildet ein 
ungeheures Reservoir, das die Hochwasser etwas regulirt und 
etwas langsamer abfließen läßt. Wenn man den Hochwasser- 
spiegel des Bodensee'S um 60 bis 70 Centimeter tiefer legen 
will, so wird diejenige Wassermasse, welche sich bisher im See 
aufstauen und nach und nach abfließen konnte, leichter abfließen 
und dem Rheine eine Wassermasse übergeben, zu deren sofortigen 
Abfluß die vorhandenen Hochwasserdämme in ihrer jetzigen Höhe 
und Stärke nicht mehr ausreichen. ,Die Überschwemmungen 
dürsten Dimensionen annehmen, die alles bisher Dagewesene 
weit hinter sich lassen. Die „Pfälzer-Zeitung" findet, daß die 
Interessen der ganzen Rheinlande schwerer wiegen, als diejenigen 
einiger Bodenseeuferbewohner 
* Vergiftung des Viehes. In manchen Gegenden 
kommt es häufig vor, daß auf den Weiden und Wiesen Nuß- 
bäume stehen. Wie vorsichtig man dabei zu verfahren hat, zeigt 
die Beobachtung, nach welcher 3 Stück Rindvieh, welche das 
Gras, das unter den Nußbäumen gewachsen und mit den schwar 
zen, schon schlammig und schmierig gewordenen Blättern des 
Nußbaumes untermischt war, gefressen hatten, innerhalb 24 
Stunden verendeten. 
* Ueber die heldenmüthige Selbstaufopferung einer französi- 
schen Nonne erzählt die „Gazette Hebdomadaire de Medicine": 
„Bei einem Spaziergang wurde Schwester S. in Begleitung 
von fünf Kindern, deren das älteste acht Jahre zählte, von einem 
großen Schäferhunde angegriffen Das schreckliche Aussehen des 
Thieres, dessen Maul von Geifer triefte, ließ sofort die Gefahr 
erkennen, und augenblicklich warf sie sich zwischen die entsetzten 
Kinder und das rasende Thier. Gleich beim ersten Anprall 
wurde sie furchtbar gebissen; aber während sich die Kinder 
schreiend an ihren Rock klammerten, warf sie sich muthig auf 
den Hund. Mehr als zehn Minuten lang hielt sie ihn fest, 
wälzte sich mit ihm auf dem Boden, sucht ihn zu ersticken, indem 
sie unbekümmert um seine Bisse ihm die Hand in den Rachen 
steckte. Endlich ließ der Hund, als einige Bauern zu Hilfe ka- 
meu, sein Opfer los und wurde erschlagen. Schwester S. wurde 
sofort in Pflege genommen, aber schon nach wenigen Tagen zeigte 
sich die Wasserscheu. Das edle Mädchen machte sich keine 
Täuschungen und sah dem grausamen Tode mit Ergebung ent- 
gegen. Sie hatte nur Sorge, die aufopfernden Frauen, welche 
sie pflegten, zu entfernen, glücklich in ihrem Opfer und ihren 
Trost findend in dem Gedanken, daß sie um den Preis ihres 
Lebens die ihr anvertrauten Kinder gerettet habe. 
* Die Winzer an der Mosel haben dem sehr säuerlich 
schmeckenden Dießjährigen in verzweifeltem Humor deu bezeichnen- 
den Namen „Schipka,, beigelegt. 
Luftige Naturgeschichte. 
Wiederkäuer. 
Der Bock 
ist jenes Thier, welches auch als Bier getrunken werden kann. 
Er ist sehr ungezogen und bockbeinig, aber auch zum Springen 
eingerichtet. Der Bock ist ein abgesagter Feind von allem, was 
fett ist und stößt sogar den Menschen, wenn er fett ißt. Der 
Bock hat eine starke Hirnschale und auf derselben zwei Hör- 
ner. Die hauptsächlichsten Aufenthaltsorte des Bockes sind: 
Turnsäle, wo er als zweckdienliches Mittel jungen Leuten zu an- 
genehmen und wohlfeilen Quetschungen zu verhelfen, sehr beliebt 
ist, und ferner die Brauhäuser, wo er gekocht wird. Ungezogene 
Buben werden hin und wieder in denselben gespannt, auch findet 
er sich häufig an Staatswagen und Lohnkutschen. Bei den al- 
ten Römern hieß er Caper, weil er zu Kapernsauce verbraucht 
wurde. 
Das Schaf (Ovis) 
ist fürchterlich dumm. Es geht als Kinderspielzeug auf Rädern 
und thut Niemand etwas zu Leide. Geschoren gibt es die Schaf- 
wolle, welche zu Strümpfen, Hosen, Röcken und zu Nachtmützen 
sich verwenden läßt. Ist die Schafwolle besonders rauh, so 
heißt man sie Merino. Eine feinere Abart trifft man in Bra- 
silien unter dem Namen „algodao" an; dieselbe wird roh ex- 
portirt und kommt als Hemd für die hiesigen Schafe wieder 
zurück. Die Schafe sind sehr leicht daran zu erkennen, daß ihre 
Blattern, die sog. Schafblattern, im Gegensatz zu den „schwar- 
zcn", keine Narben hinterlassen. Das Schaf dient auch zur 
Nahrung der Menschen, alsdann wird es aber „Hammelbraten" 
genannt. 
Der Ochse (Los) 
ist der Esel unter den Thieren. Sind mehrere Ochsen zusammen, 
so nennt man sie Rindvieh. Der Ochse lebt von Gras und 
Heu; doch pflegt er alles was er frißt, viermal wiederzukäuen, 
was für die, so es mitansehen, furchtbar langweilig ist. Man 
verzehrt ihn als Beefsteak, Schmorbraten. Sauerfleisch und Koch- 
fleisch; auch empfiehlt die Medizin den rohen Ochsen als blut- 
anhäufendes Mittel für blutarme Leute. Ist das Fleisch des 
Ochsen schlüpfrich und kraftlos, so nennt man den Ochsen Kuh. 
(Schluß folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur «.Herausgeber: 0r. Rudolf Schadler 
Thermometerstand «ach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Dezbr. 5. 
4- 2 
+ 3 1 / 4 i + 2% 
trüb 
„ 6 
-j- 2 
+ 31/4 
+ 1 
fast hell 
. 7. 
+ ^ 
-}- 6 
+ 3'/ a 
„ trüb 
„ 8 
+ 5 
+ 6 
+•' 1 
trüb; schneit 
* 9 
+ % 
-f- 2 V'i 
0 
halb hell 
„ 10 
— 3V 4 
- % 
— 2 
fast hell 
„ 11. 
- 2 >/ 2 
+ 2 Vi 
+ VA 
halb hell 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
12. Dezemb. Silber 105.60 
20-Frankenstück . . . . . . . 9.57 
100 Reichsmark ....... 59.— 
London 119.50 
Druck von Heinrich Graff in Feldtirch.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.