Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/20/
gemischten Controlkommission betrifft, sei dit höhe Pforte der 
Ansicht an ihre Stelle gewählte, von oSmamschen Funktionär 
ren präsidirte Commissionen treten zu lassen. Der erste, welcher 
ans die Ausführungen Sävfet Päscha'S im RWen dir emo- 
päischen Delegirten antwortete. war General Jgnatieff. Er 
HrKckte das Bedauern auS die Pforte die von Europa einmüthig 
als uner läßlich für die Pazifilation desOrients erachteten Vor- 
schlüge verwerfen zu sehen. (St rief hierauf die Zeugenschast seiner 
Kollegen an für den aufrichtigen Wunsch Rußlands und für seine 
persönlichen Bemühungen betreffend die Erhaltung des Friedens 
Alle - nach einander gemachten Conzessionen Rußlands haben zu 
nichts gedient. Erwerfedie Verantwortlichkeit dafür aufdie Pforte. 
Zltm Schlüsse seiner Rede sagte Jgnatieff: er habe einen gan« 
zey! Stoß von Memoranden und Klagen vor sich liegen, welche 
vorc den Kretensern, Thessaliern, Gpkroten und anderen Chri 
sti der Türkei an ihn gerichtet wurden. Da er Konftantino- 
pel verlasse , halte er es für seine Pflicht diese Christen der 
hohen' Pforte zu empfehlen. Räch ihm ergriff MarquiS v. Sa- 
uSbury das Wort, um zu erklären daß nach der Mittheilung 
Savfet Pafcha's keinerlei Grundlagen für eine weitete Erörte 
rung vorhanden seien und fomit die Wnferenz aufgelöst fei. 
Auch er, fügte er hinzu , habe eine Masse von Klagen und 
Petitivnen der Griechen und Armenier in seinen fänden, und 
betrachte eS gleichfalls als feine Pflicht alle Christen im all- 
gemeinen der Pforte zu emp^hjjH Hinauf verließen die Be» 
vollmächtigen den Sitzungssaal und machten sich daran ihre 
M Abreise zu treffen. 
DaS Schlußprotokoll der Konferenz wurde noch am selben 
Abend im österreichisch - ungarischen BotschaftShotel von den 
europäischem Bevollmächtigten unterzeichnet- und TagS darauf 
den oSmayischea Delegirten zur Unterzeichnung vorgelegt. Ge- 
Kern machten einige Bevollmächtigte idre Abschiedsbesuche beim 
Großwessier, und stellten demselben- die > zurückbleibenden Ge 
schäftsträger vor. Marquis v. Sakisbury schiffte sich noch 
gestern am. Bord deS österreichischen Lloyd-DampferS 0 Gerte* 
citiy welcher gegen Abend trotz deS äußerst stürmischen Wetters 
nach Athen abging. Die andern Botschafter werden, je nach» 
dem. daS Wetter eS gestattet, in den nächsten Tagen abreisen. 
Die türkische Bevölkerung steht der Abreise der fremden Bot- 
schafter mit Gleichgültigkeit zu. Rur zu Gunsten Sir Henry 
ElljotS will sie eine Ausnahme machen, und ihm zu Ebren 
bei-/seiner Abreise eine Sympathie-Demonstration veranstalten. - 
Bezüglich deS GeneialS Jgnatieff gibt sich eine höchst ungün 
stige Stimmung kuyd, und die Bevölkerung kann die Abreise 
dieses bösen GeisteS der Türkei, wie sie sich ausdrückt/ Dar 
nichz erwarten Ueberhaupt ist die Erregung der Gemüther 
geg^n Rußland auf ihrem Kulminationspunkt angelangt. Die 
Kriegsvorbereitungen dieser Macht erschrecken die türkischen 
Massen, durchaus.nicht, und während noch vor kurzem die 
FriAenSkndenz überwog, wünscht man heute, daß der Krieg 
und.die Abrechnung mit Rußwnd ja nur nicht vereitelt werde. 
Ma«hi hofft nicht nur mit einer eventuellen russischen Invasion 
in Anmelien und Anatolien . bald fertig zu werden, - sondern 
auch deit Kriegsschauplatz, namentlich von der anatolischen 
Sejte^ wo mani aus eine Cooperation der Rußland feindlichen > 
Bölfed/chasten rechnet, auf russisches Gebiet verlegen zu können. 
Wie-weit die türkische KrieqSsicherheit geht, dafür^ sprechen die 
Stimmen der türkischen Presse, welche, wie ^Basfiret" und 
„Bakit", daS Verlangen an die Regierung stellen, ein Ulti 
matum an Serbien zu richten, um dieses zur Annahme der 
türkischen FriedxnSbedmgungen innerhalb 24 Stunden zu be- 
stimmen, damit die dort frei werdenden türkischen Truppen fo- 
fort gegen Rußland verwendet werden . können. Die Regie 
rung bereitet auch eine Broschüre gegen Rußland vor, welche 
authentische Doeumente über daS Verhalten Rußlands auf der 
Balkatt-Halbinsel veröffentlichen wird." 
Veychiedems. 
i ^ Holz preise. AuS allen Kantonen der Schweiz gehe» 
Nächrichten über daS Sinken der Holzpreise in Folge des mil 
den Winters, ein. In vielen Kantonen, namentlich im Kantpttz 
^ern, gilt jetzt das Klafter Buchenfpälten von 3% Fuß, wel 
ches früher 50 Fr» und mehr kostete, nur noch 30 Fr. vor'K 
f aus geführt. 
* Landwirthscha ft. Eine Korrespondenz im „Bund" 
impfiehlt den schweiz. Landwirthen, so wenig Ackerbau M 
yur möglich zu treiben, jedenfalls aber sich nicht mehr alS 
^öthig mit der Produktion von Korn abzugeben^ da die Schweiz 
m letzterem.Artikel mit dem Ausland doch nicht konkurriren 
ljönne. Dagegen: hätte sie Grund, mehr und mehr der Vieh- 
zeucht, aber der rationellen Viehzucht, d. h. einer solchen, die 
A. besseres Fleisch erzeuge, als wir eS jetzt haben, sich,zu^ 
zuwenden Bei all' diesen Borschlägen wird auf daS Beispiel. 
Englands hingewiesen, daS sich bei der. Einschränkung der 
Landwirthschast und Ausdehnung der Viehzucht wohl befinde 
Und dessen Bevölkerung, sowohl was daS Brov alS auch daS 
Fleihd betreffe, ungleich besser lebe> als man eS in der Schweiz 
thue. 
i Die ^Auswanderung" der Schweizer, wie sie fortwährend 
stattfindet, hält der Korrespondent an und für sich nicht für 
eine beklagenSwerthe Erscheinung, wohl aber, daß gerade un 
sere besten intelligentesten Köpfe und unsere Kapitalisten einen 
großen Theil der Auswanderung bilden. 
* Amerika. Aus Philadelphia kommen nähere Rachrich- 
ten über den auf der Pazißebahn im Schneesturm verunglück- 
ten Schnellzug. Eine Brücke hoch übet dem Ashtabula Creek, 
brach und der Zug stürzte in den Fluß hinunter. Das Aüf- 
suchen der Leichen wird durch die große Kälte und den tiefen 
Schnee fehl verzögert. Alle Verwundeten sind nach Eleveland 
gebracht worden; Die Berichte der Ueberlebenden enthalten 
herzzerreißende Details. Die Brücke > welch? aus Eisen kott- 
struirt und erst t l Jahre alt Witt, hatte eine Länge von 150 
Fuß und führte in einer Höhe von 70 Fuß über den CreeK 
Von 179 Personen kamen nur 7 unverletzt davbn: 52 wur* 
den verwundet und 120 getödtet. Von 50 Leichen , welche 
auS dem gräßlichen Trümmerhaufen hervorgezogen wurden, 
konnten nur 3 erkannt Werden. Außer der einen Lokömotivt 
wurde der ganze Zug zerschmettert, die Waggons fingen Fetter 
und daS Eis des Flusses brach durch. DaS Feuer wüthete 
bis Minetnacht und der Sturm raste. Viele, die nicht beim 
Hinunterstürzen oder durch Feuer und Wasser getödtet worden 
waren, erfroren: 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vi-. Rudolf Schädler. 
Thermo meterftaud nach Reaumur i» Vaduz. 
Monat^ 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
W itter un g. 
Jänner 24 
- 4% 
- 1% 
- lyj fast hell 
. 25. 
— 2 
+ 1 
0 
trüb; schneit 
. 26. 
■j* 3 
+ 1 
0 
trüb 
. 27 
— 2% 
0 
— 2 
hell 
. 28: 
— 1 
+ 1% 
+ % 
■ J »» 
* 29 
+ 1 
- % 
+ 2 
trüb ^ schneit 
W . 30. 
- y» 
+ 4 
+ 
fast bedeckt. 
Telegrafischer Kursbericht von WieÄ. 
31. Jänner Silber. 115 50 
20-Fränkenstücke 9.79 
Druck'von Heinrich ©raff in Feldkirch.
        

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