Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/196/
196 
auf der Straße von Lom-Palanka nach Berkowatz, wobei das^ 
selbe in beständige Fühlung mit dem rumänischen Detachement 
in Lom-Palanka und unserem Detachement in Wratza trat. 
Belgrad, 3. Dez. Am Andreastage (12. Dezember) wird 
die Unabhängigkeit Serbiens feierlich proklamirt werden; deßhalb 
wird bis dahin die ganze aktive Armee in der Stärke von 68,000 
Mann mobilisirt sein. Die Abreise des Fürsten zur Armee wird 
am 15. Dezember erfolgen und dann soll die Aktion beginnen. 
Jur Belehrung. 
Was sollen die Fenster? 
(Schluß.) 
Kein solches Mittet, kein Heiliger, kein Kapuziner und keine 
Zauberin vermögen diese Geister zu verbannen; aber zwei ein- 
fache Hausmittelchen machen ihnen binnen kürzester Frist den 
Garaus; es sind Wischer und Meerrohr in der Hanö der sorg- 
lich waltenden Hausfrau und Gottes freie sonnige Luft. Jene 
treiben sie aus ihren Verstecken hervor in den Rachen des Alles 
zersetzenden Sauerstoffs, den die Luft mit sich führt. Wie ein 
hungriger Löwe stürzt er über die Giftpilze her und zerreißt sie 
in ihre unschädlichen Elemente, die sich durch den weiten Luft- 
ozean zerstreuen, um sofort wieder in den Kreislauf des Lebens 
hineingerissen zu werden. Der Luftstrom saugt die Feuchtigkeit 
von allen Wänden des Zimmers und aus dem Innern der 
Mauern. Wie manches Zimmer, dessen Wände im Winter 
mit Pilzbärten oder einer Eiskruste sich überziehen, könnte auf 
einfachste Weise durch fleißiges Lüften trocken und wohnlich ge- 
macht werden. 
Leider werden viele Leute durch langen Aufenthalt in ge- 
schlossenen Zimmern so verweichlicht, daß sie den frischen Luftzug, 
der dem oft in freier Natur weilenden Menschen zuträglich und 
erquickend ist, nicht vertragen. Durch tägliche Abwaschungen des 
Körpers mit frischem Wasser, durch täglichen Gang ins Freie 
(die einfachsten nnd billigsten Mittel sich gesund zu erhalten) 
Härte man sich ab und bald wird man sich dem erfrischenden 
Luftzug aussetzen dürfen, ohne Zahnweh, Schnuppen oder Rheuma- 
tismus aufzulesen. 
Welch hohe Aufgabe, ihr Frauen nnd Töchter, ist laut dem 
Gesagten in eure Hände gelegt: als Schutzgöttin des Hauses zu 
walten, indem ihr dem reinigenden Luftstrom die Fenster öffnet- 
mit dem Meerrohr in der einen und dem Flünmwisch in der an, 
dern Hand auf das letzte Stäubchen im hintersten Winkel Jagd 
macht und euern Stolz darin sucht, recht viel Wasser und Seife 
zu brauchen. Nicht nur im Sommer werdet ihr fleißig Thüren 
und Fenster gegen einander aufsperren, auch im Winter laßt ihr 
die beim Aufstehen geöffneten Fenster der Schlafzimmer offen, 
bis alle Morgengeschäfte verrichtet und zuletzt die weit ausein- 
andergeschlagenen Betten in Ordnung gebracht sind. Ihr lüftet 
auch die Stube selbst beim kältesten Wetter, Morgens und 
Abends nach der Mahlzeit und so oft die Zimmerluft dumpf 
werden will. 
Allerdings verursacht solche gründliche Lüftung ein wenig 
Mühe und geht im Winter etwas Wärme verloren, aber der 
erzielte Gewinn wiegt die Mehrarbeit und den Wärmeverlust 
tausendfach auf: In die gescheuerten und durchlüfteten Rämne 
ziehen Gesundheit und Heiterkeit, Arbeitslust und Friede ein, 
und mancher Hausvater wird immer seltener Abends sein von 
Reinlichkeit glänzendes und von Behaglichkeit duftendes Stübchen 
verlassen und an die Rauchhöhle der Bierkneipe vertauschen; 
drum die Thüren auf, die Fenster auf! geschwinde, geschwinde! 
_____ (Samstagsbl.) 
Verschiedenes. 
* Zur Telephon!e. Durch das Telephon, welches in 
letzter Zeit so vielfach den Gegenstand von Mitheilungen bildete, 
ist unser an neuen Erfindungen und Einrichtungen, au Erwei 
terungen des Gesichtskreises reiches Zeitalter um eine neue Er- 
findung bereichert worden, welcher von vorn herein eine große 
Tragweite unbedingt zuzugestehen ist, obschon dieselbe sich noch 
gar nicht übersehen läßt. 
Ein vor einem Magnetstab befestigtes Eisenplättchen wird 
durch jeden auf dasselbe gerichteten Ton oder Laut, artikulirt 
oder nicht und beliebig modulirt, in Schwingungen versetzt; dadurch 
werden in einer den Magnetstab umgebenden Drahtspirale mag- 
neto-elektrische Ströme erregt; diese setzen sich durch eine Draht- 
leitnng, wie wir sie zu telegraphischen Zwecken angewandt zu 
sehen gewohnt sind, in den Drahtnmwindungen eines zweiten 
gleichartigen Instrumentes an einem entfernten Orte fort, ver- 
setzen dort in umgekehrter Ordnung das vor dem Stahlstab be- 
festigte Eisenplättchen durch Aenderung des magnetischen ZustandeS 
dks Stabes in die dem erregenden^ Ton oder Laut entsprechenden 
Schwingungen und übertragen hiedurch den erregenden Ton in 
das Ohr des Hörers. Die Uebertragung bloßer Töne von 
verschiedener Höhe kann an sich noch ruhig hingenommen werden, 
obgleich auch das schon erstaunlich genug ist, daß ein zwischen 
Holzlatten eingeklemmtes und nur iu der Mitte beiderseits frei 
liegendes Eisenblech durch Einwirkungen von so minimaler Bc- 
dentuug in hinreichend kräftige Schwingungen versetzt werden 
kann, um dem Ohr vernehmliche Töne zu erzeugen. Viel auf 
fallender erscheint eS schon, daß dieselben Elsenbleche nicht nur 
die Schwingungen einzelner Töne, sondern auch die vielfachen 
Schwingungen voller Akkorde und harmonischer Musikstücke ver- 
mittel» und wiedergeben, wenn das eine Instrument auf ein 
Pianoforte, am besten auf den Resonanzboden eines Flügels ge- 
setzt und das andere am entfernten Orte ans Ohr gehalten 
wird. Die Töne werden hierbei so laut, daß man das enpfan- 
gende Telephon gar nicht einmal dicht an das Ohr zu halten 
braucht, so daß mehrere Personen gleichzeitig hören können. Am 
meisten überrascht aber doch, daß das kleine unscheinbare Instru 
ment auch vollständig zum Träger und Vermittler der mensch- 
lichen Sprache und Stimmen wird, daß jedes auf die eine Eisen- 
platte gesprochene, gesungene und selbst nur geflüsterte Wort in 
der entfernten Eisenplatte dem daran gehaltenen Ohr vernehmbar 
wiedertönt, daß die zweite Eisenplatte zum Echo der auf die erste 
Eisenplatte gerichteteu Töne und Laute wird. Die Töne er- 
klingen hiebei anch ganz in der Art eines Echo's, man vernimmt 
die Worte wie aus weiter Ferne, allein nach ganz kurzer Uebung 
so klar und deutlich, daß man nicht nnr die Laute, sondern selbst 
die Modulation der Stimme und aus der Stimme den Redenden 
unzweifelhaft erkennt. 
(Schluß folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Vr. Rudolf Schadler 
Thermometerstand nach Reaumur in Baduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
itterung. 
Nov. 
28. 
+ 
3 W 
+ 
6%!+ 
5'/. 
fast hell 
H 
29 
+ 
4'A 
+ 
7%\ 
+ 
3% 
fast hell 
n 
30. 
+ 
3 % 
+ 
2 
+ 
1% 
trüb, regnet 
Dezbr. 
1 
>— 
l h 
+ 
2% 

2 
hell 
H 
2 
— 
1% 
+ 
3 >/ 2 
+ 
1 'Vi 
fast hell 
H 
3 

0 
+ 
2% 
+ 
2% 
fast bedeckt 
* 
4 
+ 
1% 
+ 
3 
+ 
2'/< 
trüb. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien 

6. Dezemb. Silber . . 
106.20 
20-Frankenstück 

100 Reichsmark 
58.95 
London 
119.55 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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