Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/195/
icr angreifende Theil sind und nach Süden vorzudringen suchen, 
ist die bei Rustschuk stehende Armee des Großfürsten-Thronfolgers 
durch die Truppen Suleiman Pascha's wiederholt angegriffen 
worden, und hat — wie z. B. durch die Verbrennung von Pir- 
Los — ziemlich empfindliche Verluste erlitten; indessen sind die 
Angriffe Suleiman Pascha's nicht ernst und concentrirt genug, 
um auf den Gang des Feldzuges, dessen Brennpunkt Plewna ist, 
einzuwirken. Die kleinen Verluste, welche die Russen bei Ruft- 
schuk durch vereinzelte Vorstöße und Vorpostengefechte erleiden, 
sind leicht zu verschmerzen, wenn die Armee Osman Pascha's 
sich aus Mangel an Munition und Nahrungsmitteln ergeben 
muß. Der Zarewitsch scheint deßhalb auch den Befehl zu haben, 
auf die wiederholten Herausforderungen Suleiman Pascha's nicht 
einzugehen, sondern sich damit zu begnügen, seine Stellungen zu 
halten, bezw. wiederzugewinnen, wenn dieselben durch überraschende 
Angriffe momentan verloren gehen sollten. — Die aus den 
Hauptquartieren Bogot und Poradim eingetroffenen officiellen 
Nachrichten geben über die am 23. Nov. erfolgte Einnahme von 
Prawitza (Prawza) nachstehende Details. 
„Die Hauptmacht der Russen, unter dem Commando des 
Grafen Schuwaloff, vertrieb am 24. Nov. die vorgeschobenen 
türkischen Truppen und besetzte die Stellungen gegenüber von 
Prawitza. Sie legte hier Verschanzungen an und beschoß die 
unzugänglichen Höhen, um die Türken an einen Frontalangriff 
glauben zu machen. Den ganzen Tag und auch die darauffol 
gende Nacht hindurch unterhielten diese Truppen das Gewehr- 
fever, ohne zu schlafen und ohne eine andere Nahrung, als den 
Zwieback, welchen sie bei sich trugen. Während die Aufmerksam- 
keit von der Seite nach Orkhanje und Etropol durch Schein- 
angriffe von Wratza gegen Orkhanje und die beiden Ufer des 
Jsker abgelenkt wurde, ward der Hauptschlag gegen die linke 
Flanke und den Rücken der Türken vorbereitet, indem die Um- 
gehungscolonne des Generals Rauch sich schon am 21. Nov. 
Morgens in Marsch setzte, sich durch beinahe unzugängliche 
Schluchten mit Hülfe des Dynamites einen Weg bahnte und die 
Artillerie an vielen Stellen nur durch die Anstrengungen der 
Soldaten fortschaffen konnte. Nach 48 Stunden eines höchst 
beschwerlichen ununterbrochenen Marsches erreichte die Colonne 
des Generals Rauch die linke Flanke der unzugänglichen Stel 
lung der Türken, griff den Feind um die Mittagsstunde an und 
vertrieb ihn aus seiner Position. Die Türken flohen unter einem 
Hagel von Granaten, welche ihnen die Artillerie des Grafen 
Schuwaloff nachsandte. Die Rauch'schen Truppen verfolgten 
den Feind trotz ihrer ungeheuren Ermüdung bis 5 Uhr Abends, 
d. h. bis die Dunkelheit und ein dichter Nebel die Fliehenden 
verbarg. Unsere Truppen besetzten die mittelst unglaublicher 
Anstrengungen genommenen Positionen und drangen auf der 
Straße nach Orkhanje bis Lazani vor. Die Kolonne des Ge 
nerals Rauch, welche die Schlacht entschied, bestand aus dem 
tapfern Regiment Semenowsky, den Schützen des Kaisers und 
der kaiserlichen Familie, drei Sotnien kaukasischer Kosaken und 
einem Zuge reitender Artillerie. Unsere Verluste sind nicht be- 
deutend. Es sind gegen 70 Soldaten, ein Offizier vom finn- 
ländischeu Schützen - Bataillon, der Fähnrich Brunno und ein 
Kosaken-Offizier verwundet. Brunno hat einen Schuß durch 
beide Beine unterhalb des Knies. Bis jetzt sind 70 türkische 
Soldaten und 1 Offizier zu Gefangenen gemacht." 
Ein Telegramm vom 25. Nov. aus Bogot lautet: 
„Am 23. Nov., Vormittags 10 Uhr, haben zwei türkische 
Bataillone, unterstützt von Cavallerie, Tetewen bei Slatitza an- 
gegriffen und unsere Vorposten zurückgedrängt; jedoch wurden sie 
um 4 Uhr Nachmittags vom 2. Bataillon des 10. Infanterie- 
Regiments zurückgeworfen. Wir hatten zwei Todte und einen 
Verwundeten." 
Ein Telegramm vom 26. Nov. meldet aus Bogot: 
„Die Türken fahren fort, unsere Vorposten auf der Ost- 
Front zu beunruhigen. Am Morgen des 25. Nov. vertrieben 
2 TaborS, 1 Cavallerie-Regiment und 2 Geschütze unsere Vor- 
Posten von Opaka und Polomartscha; aber sobald die russischen 
Unterstützungen in Folge des Gewehrfeuers eingetroffen waren, 
wurden die Türken mit großem Verlust auf den Schwarzen Lom 
zurückgeworfen. An demselben Tag umzingelten zwei Compagnien 
türkischer Infanterie und eine Eseadron unsern Husaren-Posten 
von Krupscha, jedoch gelang es demselben, sich mit Verlust von 
einem Todten und einem Verwundeten durchzuschlagen. Am 
Schipkapaß wüthet seit drei Tagen ein heftiger Sturm. Ein 
Telegramm von heute meldet aus Poradim, daß die Türken 
gestern Vormittag um 9 Uhr in beträchtlicher Stärke über den 
Lom gegangen sind und die Stellungen deS von der Armee des 
Zarewitsch detachirten Armeecorps in der linken Flanke angegriffen 
haben. Das Gefecht dauerte bis zum Abend; jedoch wurden die 
Türken zurückgeworfen; unser Verlust beziffert sich auf ungefähr 
300 Mann. Auch an verschiedenen anderen Stellen sind die v 
Angriffe der Türken abgeschlagen worden. Der Großfürst Wla- 
dimir erhielt den St. Georgsorden 3. Klasse." 
Neueste Nachrichten. 
Wien, 3. Dez. Aus Belgrad meldet die „Polit. Corresp.: 
Der serbische Agent in Konstantinopel, Hr. Christitsch, ist an- 
gewiesen worden wegen fortwährender Grenzverletzungen durch 
die türkischen Truppen Genugthuung zu verlangen. Es ist un- 
richtig, daß Serbien die Tributzahlung verweigert habe. Die 
Pforte hat nur den Tribut bisher nicht urgirt. Wegen Content- 
rirnng türkischer Truppen an der Driua ist die Milizbrigade von 
Schabatz Valjewo dorthin beordert worden. — Der Senator 
Balinarkowitsch ist zum General und Commandanten des Mo- 
rawa-Eorps ernannt worden. 
Paris, 3. Dez. Marschall Mac-Mahon hat heute Vor- 
mittag den Vorsitz im Ministerrath geführt und daher die De- 
putation der Pariser Kaufleute nicht empfangen können. Er 
beauftragte jedoch einen Adjutanten, der Deputation zu erklären: 
da ihre Vorstellung offenbar die Lage des Handels und der In- 
dustrie betreffe, so ersuche er (der Marschall) sie, ihre Borstel- 
lnngen ihm durch den Handelsminister mitzutheilen, welcher die 
erste Competenz habe mit den Petenten diese Specialfragen zu 
erörtern. 
Paris, 3. Dez. Der Marschall Mac-Mahon empfing 
heute Vormittags Dufaure in eiustündiger Conferenz. — Die 
Deputation der Versammlung von Pariser Kaufleuten wurde 
durch den Oberst Vaulgrenart, Adjutanten des Marschalls, 
empfangen. 
Paris, 3. Dez. Der „Temps" meldet: Marschall Mac- 
Mahon hat Dufaure mit der Bildung eines neuen Cabinets 
beauftragt. Dufaure zog seine politischen Freunde zu Rathe. 
Dem „Moniteur" zufolge willigte Dufaure ein, als Vermittler 
zwischen den Gruppen der Linken und dem Marschall zu dienen. 
I ie Mission Dufaure's besteht vornehmlich darin: eine Kammer- 
Mehrheit zu gewinnen und deren Bedingungen zu präcisiren, jedoch 
uichrs zuzulassen, was der Marschall nicht annehmen könnte. 
Dufaure habe die Concessionen specisizirt, welche vernünftiger- 
weise die Kammer fordern könne, der Marschall habe dieselben 
pure acceptirt, und Dufaure darauf versprochen, alleö aufzubieten 
um einen glücklichen Ausgang der Krisis herbeizuführen. 
St. Petersburg. 3. Dez. Offiziell wird aus Bogot, 
2. Dez., berichtet: Die Türken haben ohne Kampf die sehr starke 
Befestigung bei Wratschasch und Lutikowo verlassen und sich auf 
zwei Wegen gegen Sophia zurückgezogen, nämlich auf der Straße 
von Orkhanje und der von Lutikowo nach Sophia. Am 29. 
Nov. besetzte.die Colonne des Generals Ellis die von den Türken 
verlassenen Positionen und verfolgte am 30. Nov. die Türken 
bis Arab-Konak jenseit des Engpasses. 
St. Petersburg Z.Dez. Officielle Meldung aus Bogot, 
3. Dez.: Am 30. Nov. besetzte ein Detachemeut des Generals 
Arnoldi Tscherkeßky-Kriwina am Tschibra^Fluß und Kutlowitza
        

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