Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/19/
den, wenn auch nicht in dem Maßstab?, behaupten; und jeder, 
Her bisher seine Sachen nicht in Oesterreich um Papiergeld 
gekauft hätte, hätte zu seinem Nachtheile große „Schnitzer" ge- 
macht. Ja wenn Niemand im.Lande den Unterschied zwischen 
Banknoten, Silbergulden und NapoleonSdor zu berechnen ver- 
stände, dann hätte der Schreiber vollkommen recht, aber sonst 
nicht. Diese Frage aber uberlassen wir füglich unsern Le. 
fern. — 
Im Weitern will eS dem Ginsender unbegreiflich erscheinen, 
daß durch die Entwerthung des österreichischen Silbergulden 
den LandeSfonden und den im Lande angelegten Cap'ttalien 
ältAen Datums Verluste drehen. 
UnS erscheint aber diese Behauptung als unbegreiflich: denn 
*tn im vollwertigen Gelde angelegtes „altes Capital" verliert 
doch ganz gewiß, wenn eS mit entwerteten Gulden verzinst 
oder zurückbezahlt wird, und zwar auch dann, wenn der ent- 
werthete Gulden gesetzlich für voll genommen werden muß, 
weil nicht der Titel sondern der wirkliche Werth maßgebend 
ist. Mag man ^über die Münzsrage denken, wie man will, 
solche Sätze müssen unter allen Umständen anerkannt werden, 
wenn man auch nicht Willens ist denselben Rechnung tragen 
zu wollen. — 
Das lind ungefähr die Hauptpunkte der besprochenen Gin- 
sendung : die darauf hinweisen, daß im Unterlanve bereits ein- 
zelne Stimmen dem österretch. Papiergelde zusteuern, welche 
Strömung aber nach unserer Ansicht nie genügend Boden in 
unserem Ländchen finden kann und wird. — 
Vaterländisches. 
Vaduz, 26. Jänner. (Eingesendet.) In Nr. 51 
der Liechtensteinischen Gochenzeitung vom vorigen Jahr ist der 
Wunsch ausgedrückt, daß man die Hecken und Gesträuche um 
die Weinberge herum ausrotten sollte, weil sie den Vögeln 
zum Nisten, dem Wild und zweifüßigen Näschern mit Men- 
schengesichtern, zu erwünschten Schlupfwinkeln dienen K ac. — 
Damit vollkommen einverstanden, und eben um diese frommen 
Wünsche nicht schon bald wieder im Reiche der Vergessenheit 
zu sehen, möchte ich sie wieder in Erinnerung bringen Gehe 
aber noch einen Schritt weiter und frage, ob eS nicht sehr 
wünschenswerth wäre, wenn eS sich unsere löbl. Gemeinde- 
Vertretung zur Ausgabe mache» würde, auf eine bessere Ein- 
friedung der Weinberge Bedacht zu nehmen, — wenn man 
z. V. alljährlich Mauern von 40(3 bis 500 Meter Länge er 
stellte, mehr oder weniger, wie man eS gut fände, im Herab- 
steigerungSwege vergeben und dann die Unkosten auf Den Besitz 
des EinfangeS umlegen würde, so hätte die Gemeinde-Ver- 
tretung eine wünschenS- und lobenSwerthe kleine Mühe über- 
nommen, was nicht nur zu einer praktischen Umfriedung, son- 
bern zur Verschönerung des OrteS und zur größeren Berühmt- 
heit unseres WeineS, und unserer Rebenarbeiten wesentlich bei- 
tragen würde, worauf doch jeder Vaduzer einen gewisse» Stolz 
hat. Wenn man 20 oder noch mehr Jahre für diese Arbeiten 
brauchte, so würden sie nicht zerdrückend sein, und Man hätte 
in dieser Hinsicht einen schönen Fortschritt gemacht und unserer 
Weinkultur eine größere Achtung verschafft. 
Vaduz, 31. Jänner. Ueber die hinsichtlich der Ergeben« 
heitSadresse der Gemeindevertretungen deS Oberlandes erfolgte 
landesherrliche Antwort hat die fürstl. Regierung unter dem 
27. l. M. nachfolgendes Dekret an die OrtSvorstänve der obern 
Landschaft erlassen: 
„Seine Durchlaucht haben die von den Gemeindevertre- 
tungen der obern Landschaft aus Anlaß der Bewegung gegen 
das nunmehr sistirte Münzgesetz unterbreitete ErgebenheitSadresse 
mit dem Bemerken wohlgefällig zur Kenntniß genommen, daß 
dieses Schriftstück Höchttselber zur großen Fxeude und Genug- 
thuung als Beweis der Anhänglichkeit der Unterzeichner ge- 
reichte. 
Der Herr OrtSvorsteher haben von dieser landesherrlichen 
Resolution die Mitglieder deS GemeinderatheS von — zu 
verständigen." 
Triefenberg, 30. Jänner. (Eingesendet.) Wen» 
daS neue Münzgesetz auch vielseitig angefeindet wird, so kö men 
doch keine stichhaltigen Gründe dagegen ausgebracht werden ; 
allerdings kann daS, was in den Jahren 1874—76 hin und 
per gehandelt uud verkehrt wurde, unmöglich mehr geebnet 
werden.. ' 
In Staaten, wo man zu dem Mittel deS ZwangSkurseS 
Zuflucht nimmt, geschieht solches nur in dem äußersten Finanz- 
nothfall Wenn nun der jetzt aufgelöste Landtag ohne Finanz- 
noth (denn so weit ist eS in Liechtenstein Gott sei Dank noch 
nicht gekommen) ein Gesetz im Sinne der Gegner votirt hätte, 
so hätte er nicht nur daS Unrecht öffentlich gut geheißen, son- 
dem auch ein LandeSübel für die Zukunft geschaffen. Daß 
aber der ZwangSkurS in jedem Staate ein LandeSübel ist, gilt 
yach dem Urtheile der meisten Staatsmänner, denen man doch 
mehr Zutrauen schenken darf, als gewissen freundnachbar 
lichen Einflüsterungen von Feldkirch, für richtig. DaS Bor- 
gehen des aufgelösten Landtages in der Münzfrage war dem- 
nach ein durchaus gerechtes und lobenSwertheS. 
Ein Recht und Ordnung liebender Liechtensteiner. 
Ausland. 
Ueber die letzte Conferenzsitzunq und die Auflösung der 
Conferenz schreibt man der „Pol. Corr." auS Constantinopel, 
24 Jänner: „Wiewohl der Telegraph, gleichen Schritt mit 
den Ereignissen haltend, mit allem Tatsächlichen über daS 
Ende der Conferenz längst vorausgeeilt ist, so dürften die De- 
tailS der wichtigen Vorgänge, welche sich soeben abgespielt ha- 
ben noch immer genug Interesse bieten, namentlich wenn deren 
Darstellung Anspruch auf Authentizität erheben darf. Sonn- 
ahend^en 20. Jänner versammelten sich die Conferenzbevoll- 
mächtigten um 1% Uhr Nachmittags in ihrem gewöhnlichen 
BerathungSlokale. Savfet Pascha erklärte die Sitzung für er- 
öffnet, und nahm unverzüglich selbst daS Wort, um die end- 
gültige Antwort der Pforte auf die bekannten zwei Vorschläge 
der Conferenz, betreffend die Einsetzung einer gemischten Eon- 
trole-Eommlfsiou und die Ernennung von General-Gouverneu- 
ren in den infurgirten Provinzen in Gemäßheit eines zwischen 
der Pforte und den Vertretern der sechs Garantiemächte zu 
unterzeichnenden Protokolls zu ertheilen. Diese Vorschläge, 
sagte Savfet Pascha, werden als ein Eingriff in die fouverä- 
nen Rechte und die Unabhängigkeit deS Reiches betrachtet; die 
Pforte konnte die schwere Verantwortlichkeit nicht auf sich neh- 
men sie anzunehmen oder zu verwerfen, ohne vorher die Mei- 
nung der Nation einzuholen. Zu diesem BeHufe hat die hohe 
Pforte am Donnerstag einen außerordentlichen „Großen Rath" 
einberufen, welcher die vorliegenden Vorschläge mit Einstimmig- 
keit verworfen hat. Savfet Pascha unterbreitete hierauf das 
Protokoll deS „Großen RatheS" und fuhr in seiner Rede, wie 
folgt, fort: „Immerhin drückt die kaiserliche Regierung den be- 
freundeten Mächten für ihre Bemühungen um die Pazifikation 
unserer in ihrer Ordnung gestörten Provinzen und für ihre 
Fürsorge im Interesse der Wohlfahrt deS Reiches und der Ver- 
besserung des LoseS seiner Völker ihren Dank auS. Da die 
Regierung des Sultans gerade diese Verbesserung zu ihrer 
Hauptsorge macht, ist sie zur radikalen Reorganiflrung deSRe- 
gierungSsystemS geschritten, und überzeugt daß durch die neuen 
Institutionen dieses Resultat erlangt werden wird, erneuert ste 
durch ihre Bevollmächtigten Hie offizielle Versicherung über die 
vollständige und aufrichtige Durchführung der Charte." Savfet 
Pascha schloß seine Rede mit der Erklärung: daß die kaiser- 
liche Regierung im Geiste der Versöhnlichkeit bereit sei die Ver- 
Handlungen über die anderen im Prinzip angenommenen Vor- 
schlüge der Mächte fortzusetzen.—MaS die Bestimmung einer
        

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