Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/188/
mit dem man auf beliebige Entfernungen hin sprechen und das 
dort Gesprochene hören kann. Der Apparat ist sehr einfach; 
daS Wesentlichste ist eine dünne Metallplatte. Dieselbe wird 
durch den Ton in Schwingungen versetzt; diese Schwingungen 
regulieren den magnetischen Strom, und durch die Einwirkung 
dieses Stromes auf eine gleiche Metallplatte am anderen Ende 
des Drahtes werden dort dieselben Schwingungen, dieselben Töne 
hervorgebracht. Gegenüber dem Telegraph hat das Telephon 
den Vorzug, daß die erforderlichen Apparate sehr einfach und 
billig und zur Handhabung keine Vorbereitung erforderlich ist. 
Es soll die neue Erfindung zunächst bei der Drahtverbindung 
mit kleinen Ortschaften, bei denen die Anstellung eines geübten 
Telegraphisten nicht lohnt, in Anwendung kommen. 
* Höflichkeit in der Schule. Ein älterer Lehrer 
nimmt nach Vätersitte einen ungezogenen Schüler zwischen die 
Knie und klopft ihm die Hosen aus; aber leider sind diese so 
staubig, daß der Lehrer bei seiner Arbeit nießen muß. ...Zur 
Gsundheit" schallt aus des Deliquenten Mund und siehe da, die 
Höflichkeit triumphirt. Ein Lächeln glättet des zornigen Lehrers 
Züge, die erhobene Hand sinkt wieder herab und unser -Bürsch- 
lein kommt glücklich mit der halben Tracht Prügel davon. 
Inr Belehrung. 
Was sollen die Fenster? 
1. Die Räume deS Hauses erhellen; 
2. Die Wärme in den Wohnhäusern zusammenhalten; 
3. Sich fleißig öffnen, um frische Luft in die Zimmer ein- 
strömen und die verdorbene Zimmerluft entweichen zu 
lassen. 
Punkt 1 und 2 scheinen Jedermann selbstverständlich zu sein, 
der dritte dagegen nicht, sonst würde man nicht an so vielen 
Orten Jahr aus und ein die Fenster verschlossen sehen, als wä- 
ren sie vernagelt, fönst würden wir nicht beim Eintritt in so 
manche Stube, in der im Uebrigen Ordnung herrscht, zurück- 
prallen, wenn uns ihr Dunstqualm durch die geöffnete Thür 
entgegenschlägt. 
Und doch begleitet uns bei jedem Gang durchs Haus auf 
Schritt und Tritt ein zuverlässiger pflichttreuer Gesuudheitswäch- 
ter — die Nase. Unzählige Male ruft sie uns zu: Halt, ich 
wittere böse Geister, öffne die Fenster und treibe sie aus! aber 
sie predigt tauben Ohren. Ein kurzer Blick in die Werkstätte 
der Natur möge uns lehren, der Stimme dieser wohlmeinenden 
Warnerin geneigtes Ohr zu leihen. Ein solcher zeigt uns: 
1. daß die Luft, welche wir einathmen aus % Sauerstoff und 
z /i Stickstoff, nebst wechselnden Mengen von Wasserdunst, 
Kohlensäure und andern Gasarten besteht; 
2. daß bei jeder Verbrennung, z. B. von Holz, der Sauer- 
stoff der Luft sich mit dem brennenden Körper unter Er- 
zeugung von Flammen und Wärme zu Kohlensäure und 
Wasserdampf verbindet, die beide in die Luft entweichen; 
Z. daß unser Lebensprozeß nichts anders als eine langsame 
Verbrennung ist, bei der abgenutzte Körpertheile unter 
Entwicklung von Wärme (Körperwärme), aber ohne Licht- 
erscheinung, ebenfalls zu Kohlensäure und Wasserdampf 
verbrannt werden. 
Der Stickstoff ist bei diesen Borgängen nur insofern betei 
ligt, als er den Sauerstoff verdünnt, dessen heftige Wirkung 
mäßigt und so verhütet, daß jeder Funke in einen Weltbrand 
auflodere und das thierische Leben sich in zu rascher Fieberglut 
aufzehre. 
Nach dem Gesagten ist also der Mensch ein zweibeiniger wan- 
delnder Kochherd. Der Mund ist das Thürchen, durch welches 
der Brennstoff (die Speisen) in denselben eingeführt werden. 
Die Blutgefäße sind der Rost, auf dem. die Verbrennung von 
Statten geht, die Lungen sammt den feinen Hautporen der Ka 
min, durch welchen die Verbrennungsprodukte, Kohlensäure und' 
Wasserdampf, abziehen. Der Mustkasten arbeitet dabei als 
Blasebalg. Beim Einathmen erweitert er sich und saugt at 
mosphärische Luft auf; beim Ausathmen zieht er sich zusammen 
und treibt die entsauerstoffte und mit Kohlensäure und Wasser- 
dampf gesättigte Luft wieder aus dem Körper. Das Endstück 
des Speisekanals bildet, um das Gleichniß zu vervollständigen, 
den Aschebehälter, der die unverbrannten Reste des Brennmate- 
rials aufnimmt und sich durch einen wundervollen Mechanismus 
von Zeit zu Zeit selbst entleert. 
Das längere Verbleiben der Verbrennungsprodukte im Kör- 
per wäre für diesen ebenso verderblich, wie der Rost für die 
Dampfmaschine; deßhalb hat die Natur eben durch Ausathmen 
und Ausdünstung für ihre sofortige Entfernung gesorgt. Wo 
dieselben sich anhäufen, treten sie als Feinde des Lebens auf und 
tödten es entweder blitzschnell oder bereiten ihm den langsamen 
Martertod deS Siechthums. 
Der ruchloseste dieser Feinde ist, weil sie überall auf uns 
lauert, die Kohlensäure. Sie tobtet rein eingeathmet augenblicklich 
die Lebensflamme und das Feuer. Da sie vom Menschen unk 
den Thieren bei jedem Athemzuge erzeugt wird, ferner bei jedem 
Feuer, bei Gährung und Fäulniß entsteht, Vulkanen und andern 
Erdöffnungen entströmt, hätte sie schon längst alles thierische Le- 
ben erstickt, würde sie nicht vorweg als Lebensluft der Pflanzen 
von letztern begierig durch Wurzeln und Blätter aufgesogen. 
Diese zerlegen sie wieder in ihre Elemente, Kohlenstoff und 
Sauerstoff, speichern erstern in sich auf und bezahlen mit letzterm- 
der Thierwelt die von dieser empfangene Kohlensäure. In Folge 
dieses Tauschhandels 'zeigt die Atmosphäre seit Jahrtausenden 
und Jahrtausenden unveränderten Kohlensäuregehalt, nämlich 
^0000, d. h. 10 Saum Luft enthalten % Maß Kohlensäure. 
Sobald die letztere sich irgendwo zu einer Maß auf 10 Saum 
anhäuft, beginnt sie nachtheilig auf die Gesundheit zu wirken. 
Weit über diese Grenze erhebt sich nun ihre Menge in schlecht 
gelüfteten Räumen, in Wohn- und Schlafzimmern, Schulen, 
Bierstuben, Fabriksälen, in denen sie bis auf 7, ja 9 pro mille 
ansteigt. In dieser Menge erzeugt sie Kopfschmerzen, Schwindel, 
Herzklopfen. Entwickelt sie sich in noch größerer Menge, wie in 
Berggruben, Kellern mit gähreydem Wein, löscht sie Lichter ans 
und tödtet eingeathmet fast augenblicklich. 
(Schluß folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur «.Herausgeber: 0r. Rudolf Schädler 
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Thermometerstand nach Reaumnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Nov. 14. 
+ 3 
"+ 6'/. 
+ 4% 
trüb 
* 15. 
+ 
+ 7 
+ 5y 4 
halb hell 
. 16 
+ i •/< 
-j- 6 
+ 4% 
ft 
. 17 
+ 3 '/i 
+ 4^/2 
-f- 4 
trüb 
, 18 
+ 1% 
+ 4V 2 
+ 1 
hell 
. 19. 
2 
+ 3/9 
+ 2% 
trüb 
. 20. 
0 
+ 4 - 
+ 2% 
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Telegrafischer Kursbericht von Wie». 
22. Novemb. Silber 106.75 
20-Frankenstück ....... 9.52 
100 Reichsmark . . . . . . 58.75 
London . . 118.70 
Druck von Heinrich Graff m Feldtirch.
        

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