Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/18/
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zu dem soll der RückzahlungSterMinzumminde- ! als „Nichtberichtigungen" erklären, eingerückt worden, 
sten auf ein Jahr gestellt werden. I um so eher als eS stch um die Correktur einfacher Thatsachen 
2) ES mögen die sogen „alten Sapitalien" d. I handelte. Wir hätten ein solches Vorgehen für daS „Organ 
h. diejenigen, die vor derZeit derSilberentwer. I der Verfassungsfreunde" für correcter und freundnachbarlicher 
thung in „damals vollwerthigem Gelde" ange- ! gehalten. 
legt wurden, wieder zu ihrem ihnen moralisch I In Rr. 7 der „Feldk. Zeitung" aber ist die Zuschrift von 
und rechtlich zustehenden Bollwerthe kommen. »einem hochachtbaten Liechtensteiner" eingerückt, die unver- 
Um jedoch dem durchaus gerechten Verlangen einer höheren Ca, I blümt und mitunter sogar sehr naiv da» Gort für Einführung 
pitalbesteuerung zu entsprechen, und um andererseits gerade bei die, l des österreichischen Papiergeldes ergreift, 
ser Gelegenheit dem Schuldner (der ohnehin mit seinem Besiythum Wir können hier nicht eine weitläufige Polemik ausführen, 
sehr hoherBesteuerung durch dieRheinbauten unterliegt) ein Aesiui« ! wohl aber einige der markantesten Stellen mittheilen. So heißt eS : 
valem zu bieten, sollte die Capitalsteuer von ^ Perzent (ZinS) Liechtenstein würde durch eine Regelung deS MünzwesenS 
U P fr Witt, ((aflpit) auf 4 Perzent (ZinS) — 2 per mill dazu verhelfen. Oesterreich in Mißkredit (!!) zu bringen ; 
(CaplN) erhöht werden (Wir nennen beispielweise gerade I und zwar dasselbe Liechtenstein, daS Oesterreich sein Leben und 
diese Steigerung, weil nach unseren Erkundigungen letzterer Bestehen, sein Münz , Z ll- und Justizwesen verdanke, er- 
Perzentsatz bet unseren Nachbarn üblich ist, und also die Ge- ! kühne stch, daS österreichische Silbergeld auf den Metallwerth 
fahr der „Capitalienflüchtung" nicht von Bedeutung sein würde.) ^ redueiren " Der Herr Einsender hat mit diesem Satze eine 
^ ^ ^ 6 ^ ^ n n g der Geld Valuta an sich möge ! überraschende Entdeckung über unsere eminente finanz« 
ttt der Welse erfolgen, daß dte^ osterr. Goldmun- wirthschaftliche Bedeutung gemacht. 
zen, ferner die Gold- und Silbermünzen der I Jedenfalls hat die österreichische Regierung, als 
Fra nk en staaten als gesetzliche Münze kursieren; I ffo bei Abschluß unseres ZollvertraaeS die freie und selb- 
und die österr. Silbergulden nur für daS Ueber- ständige Regelung deS MünzwesenS unS bereit- 
gangSstadium nach ihrem CurSwerthe gegeben ! willigst zugestand, nicht daran gedacht, daß ein Liech- 
oder genommen werden müssen, während eS spä- ! tensteiner diesen Schritt a!6 Gefährdung des österr. ErediteS 
ter dem freien Ermessen anheimgestellt werden I und alS Undank Liechtensteins gegen Oesterreich erklären werde, 
soll, solche anzunehmen. und damit österreichischer alS sogar die österreichische Regie- 
DaS stnd ungefähr die Ideen und Vorschläge, die wir rung lein wolle. Welche rühmende Besorgtheit e.neS Liechten- 
nach unserem Ermessen für daS Allgemeinwohl für zutreffend steinerS für den großen Kaiserstaat! — 
erachten, weil ste sowohl den Rechten deS Schuldners und des I Die weitere Bemerkung: wir sollen zuwarten und unS ge- 
Gläubigers, und den dabei in Betracht kommenden BilligkeitS- I dulden „bis Oesterreich selbst eine Regelung deS MünzwesenS 
rückstchten gerecht zu werden bezwecken. -^> ! durchgeführt haben werde" und „eS wäre besser gewesen, wenn 
Da wir unsern Aufsatz heute alS „Streiflichter" zum Wah- wir schon längst die österreichische Banknote anstatt 
rungSstreite" betitelten, so geziemt eS sich, daß wir auch ein deS SilbergeldeS im gürstenthum alS gesetzliches ZahlungS- 
bischen über unsere LandeSgrenzen hinausschauen. Nun da mittel eingeführt hätten" verräth am besten daS unverhohlene 
scheint Liechtenstein noch gerade AuSstchten zu erhalten, weiter Ziel deS Einsenders. U n däS Glück deS Papierge'deS an 
lind mehr, als wir wünschen, bekannt zu werden. Zwar er- Betspielen zu beweisen frägt er mit PathoS: „warum werden 
leiden wir dabei fast durchweg daS fatale LooS, daß von UnS denn in den österreichischen Ortschaften längs deS Rheines keine 
meist nur dann .gesprochen wird, wenn Unordnungen und Rei- Klagen laut?- Dem entgegen möchten wir die Frage stellen: 
Hungen in unserem kleinen Ländchen stattfinden Geht eS uttS Warum strebt der österreichische Staat eine Regelung deS 
Hingegen gut, und leben wir friedlich und glücklich, so hört MünzwesenS an? Warum klagen die Oesterreicher selbst über 
man kein Sterbenswörtchen über unS, wir werden „glücklich" die Lasten und Schädigungen, die ste durch und mit der 
verschollen. Schiller hat vielleicht gar schon an unS gedacht, Banknotenwährung zu tragen haben? Warum treten alle Na- 
wo er sagt: twnalökonomen so sehr für eine stabile Münze ein: und rathen je- 
„Woran erkenn ich den besten Staat? Woran du die beste dem Staate, so gut und so rasch er könne, diesem Ziele im 
Krau kennst: Daran mein Freund, daß man von beiden nicht Interesse seines wirthschaftlichen Gedeihens zuzusteuern? WaS 
spricht". ist neben den „Gründungen" zum großen Theile die Ursache 
Jetzt wird aber gesprochen, geschrieben, in Witzen und I ^ » BörsenfchwindelS" und der „Geldspekulation"? u. s. w. 
Anekdötchen gemacht u. f. w., daß man glauben möchte, eS ^ $ wirklich naiv, wenn eine solche Behauptung ausgestellt 
handle fich um weit mehr, alS um ein Stäätchen voi 9000 nmd, während Jedermann die Klagen hört, und jeder ver- 
Einwohnern. Die hier noch verbürgten und unverbürgten, ständige Oesterreicher und der Staat selbst eine Regelung und 
halbwahren und ganz erdichteten Nachrichten muß bei der ^tsttrung deS MünzwesenS anstrebt. Auf der andern Seite 
„großen Zeitungsschreibern" schon recht weit gediehen sein, I ' wn / nachdem unS die österreichische Regierung bereit- 
daß man unS derartig zu Ebren zieht. Meist geschieht dieS I willigst die Freiheit, unser Münzwesen selbständig zu regeln, 
zwar, um den Neuigkeitsbedürftigen Lesepublicum anekdotenhafte I vertragsmäßig zugestanden hat, gerade dasjenige, waS die öster- 
„Hetzen" auS einem kleinen Stäätchen zum Besten zu geben, I reichtschen Staatsmänner selbst und schon lange als den wun- 
und wir wollen diese „unschuldige" Freude an unserer „geo- I Den 8^ck im Staate anerkannten, bei unS einführen. DeS Pu- 
graphischen und staatlichen Würde" recht gerne ungestört lassen ^ ^rn liegt aber anderSwo, denn wir glauben wenegstenS, 
Der „Liechtensteiner" ist stch daS gewöhnt und wird noch selbst Hache war so gemeint: daß die Banknotenwährung inso- 
helfen mitlachen, wenn der Witz nicht gar zu trocken oder ab- f ccn „volkSthümlich" würde, weil dann alle alten vollwerthi- 
gebraucht ist. — Ein bischen gründlicher und ernster nimmt 0 cn , Schulden mit den sehr billigen Banknoten im Bollwerthe 
die Sache unser Nachbarblatt die „Feldkirch. Zeitung". Sie I zurückzahlt werden könnten. — 
hat in größeren „Einsendungen" die thalsächlichen Borgänge Die „hochmathematische« Frage: „Oder glauben Sie, ich 
und Erfolge der „friedlichen Revolution" zur Mittheilung ge- würde meine Stiefel, Kleider, Spezereiwaaren und noch so 
bracht. Dagegen läßt stch nichts einwenden; bloS hätten wir vieles Andere im Lande um Gold einkaufen oder machen lassen, 
gewünscht: eS wären die 2 Berichtigungen, die der „F. während ich eS im benachbarten Oesterreich um Papiergeld 
3 " M Richtigstellung einzelner ihrer Meldungen eingebracht erhalte?" verräth jedenfalls sehr geringe Rechenkunst und 
wurden, ohne die „parteifärberischen" Glossen, die dieselben ' Klugheit, denn.das gleiche ließe stch ja auch vom Silbergul-
        

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