Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/178/
Mängel und Gebrechen herauskehren, so wollen wir nur das Eisen 
schmieden, so lange eS noch heiß ist 
Nicht unsere eigene Anschauung, sondern das Urtheil fach- 
kundiger Männer ist die Grundlage der vorliegenden Kritik. 
Zunächst fühlbar zeigte sich 
1) Der Mangel einer hinreichenden Anzahl 
von Schläuchen, so daß die hiesige Spritze bei der jetzigen 
Schlauchlänge nur eine beschränkte Anwendung finden kann. 
2) Sind die Feuerhaken in ungenügender An- 
zahl vorhanden, namentlich fehlen solche, welche ein einzelner 
Mann allein handhaben kann. 
3) Ist der Mangel an passenden Feuerleitern 
sehr zu betonen. 
4) Wäre es sehr wünschenswerth, wenn im Spritzenhause 
eine gewisse Anzahl von Feuerkübeln vorräthig ge- 
halten würde. 
5)JstalseinHauptgebrechendes hiesigen Feuer» 
wehrwesenS die mangelhafte und ungenügende 
Anlage von Wassersammlern besonders hervor- 
zuheben. 
Wenn man die einzelnen Lagen hiesiger Gemeinde durchgeht 
nnd sich die praktische Frage stellt: „Ist man mit dem nöthigen 
Spritzenwasser bestellt, wenn es da oder dort brennen würde? 
Wie viel Spritzen könnten beschäftigt werden und in welcher 
Reihenfolge, daß keine auf die andere hemmend einwirkt?" so 
kommt man von selbst auf das vorher erwähnte Gebrechen. 
Was endlich die Organisation der Feuerwehrmannschaft selbst 
anbetrifft, so soll sich die Tüchtigkeit einer solchen Körperschaft 
vorzüglich darin zeigen, daß sie gerade in der Lage der Noth den 
Kopf nicht verliert und jeder an seinem Platze zu finden ist. 
Dazu ist aber eine militärisch strenge und exakte Disziplin un- 
bedingt geboten. Indem wir unsere wohlgemeinte Kritik einer 
geneigten Berücksichtigung empfehlen, hoffen wir, daß die Erfah- 
rungen des letzten Brandunglückes nicht umsonst gemacht wurden. 
Baduz, 7. Nov. In dem in der letzten Nummer unsres 
Blattes gebrachten Berichte über das Brandunglück in Baduz, 
tragen wir in anerkennender Weise nach, daß die Webereien des 
Herrn Jeny in Triefen und Rosenthal in Mühleholz sofort 
nach Wahrnehmung des Feuers ihre sämmtlichen Arbeiter zur 
Hülfeleistung auf die Brandstätte entlassen haben. 
Baduz, 7. Nov. Wie wir vernehmen, hat sich die fürstl. 
Regierung bei der Regierung von St. Gallen für sofortige Auf- 
Hebung der wegen der in Oesterreich ausgebrochenen Rinderpest 
auch gegen Liechtenstein angeordneten Vieheinfuhrsperre verwendet 
und die Zusicherung gegeben, daß sie alle erforderlichen Vorsichts- 
maßregeln gegen' die österreichische Grenze treffen werde. 
Vom Kriegsschauplätze. 
Das Kriegsglück ist gegenwärtig den Türken fortwährend 
ungünstig. Seit General Totleben die Leitung des artilleri- 
stischen Angriffs der Russen übernommen hat, ist an Stelle der 
früheren vereinzelten und so äußerst verlustreichen Offensivstöße 
ein einheitlicher Angriffsplan deutlich zu Tage getreten, der als 
erstes Ziel die Abschließung Osman's von der Außenwelt ver- 
folgt. Dies war aber bisher nur theilweise gelungen, indem 
die Türken auf der Straße von Plewna nach Orchanie eine 
Anzahl Erdschanzen aufgeworfen hatten, die durch Gurko's Ka- 
vallerie allein nicht genommen werden konnten. Man entsandte 
daher einen Theil der jüngst in der Bulgarei eingetroffenen 
Garde in den Rücken von Plewna und versuchte damit am 24. 
Okt. einen Ansturm gegen die leicht befestigten Dörfer Dubnik 
und Telisch. Bei dem ersteren glückte er so gut, daß die ganze 
Besatzung von annähernd 3000 Mann in die Hände der H?us- 
sen fiel, bei letzterem Orte aber wurden die Russen zurückgewie- 
sen. Ihr Gesammtverlust betrug 2500 Mann an Todten und 
Verwundeten, wozu dann noch eine geringere Anzahl hinzu kam, 
als sie am 28. Oktober eine Schanze bei Telisch, die nur von 
7 Tabors türkischer Infanterie vertheidigt wurde, erstürmten. 
Ob die dadurch gewonnenen Erfolge diese überaus starken Ver- 
luste aufwiegen, läßt sich noch nicht bestimmen, und eben so 
wenig, in welcher Lage Osman Pascha sich augenblicklich befin- 
det. Nur so viel scheint sicher, daß seine Truppen nicht über 
die zur Vertheidigung Plewnas benöthigte Anzahl hinausgehen, 
weil er sonst wohl trotz des heftigen Bombardements in der 
Front seinem Unterbefehlshaber Achmed Hissi eine Abtheilung 
zu Hilfe geschickt haben würde. 
Die Türken sind sehr schweigsam über ihre noch in der Bil- 
dung begriffenen Truppenkörper und so ist es durchaus ungewiß, 
wie hoch sich die unter Schefket bei Orkhanje und Sofia stehende 
oder die bei Kefsova zusammengezogene Trnppenmacht beläuft. 
Ueber die Einnahme von Telisch durch die Russen schreibt 
die „Pol. Korresp.": Die dort postirte etwa 2000 Mann starke 
türkische Brigade sah sich mit einemmal von drei russischen Bri- 
gaden und einer Kavallerie-Division umringt und aus 72 Ge- 
schützen beschossen. Sie hielt sich zwei Stunden, dann kapitulirte 
sie. Es ist unverantwortlich, daß der türkische General nicht 
das Unheil gewahrte das sich über ihm zusammenzog, und daß 
er auch keinen Durchbruchsversuch gemacht hat. Die Wiener 
„Presse" bemerkt über die bei Telisch gefangen genommene Bri- 
gade, daß sie aus Irregulären bestanden habe. „Die Baschi- 
Bozuks, etwa 2000 Mann stark, waren von Ismail Schakir 
Pascha kommandirt und diese Brigade zählte früher zu den Be- 
satzungstruppen von Plewna, welche Osman Pascha aus den 
Bewohnern von Plewna und Umgebung zu einer Division unter 
Emin Pascha vereinigt hatte." 
Neueste Nachrichten. 
Wie», 6. Nov. In der heutigen Sitzung des Abgeord- 
netenhauses beantwortete der Handelsminister Chlumetzkh die In- 
terpellation betreffs der Zollvertragsverhandlungen mit Deutschland 
folgendermaßen: Die im April begonnenen Verhandlungen haben 
am 22. Oktober durch die Erklärung der deutschen Kommissäre, 
ihre Regierung sei nicht in der Lage die Verantwortlichkeit 'für 
einen Bertrag zu übernehmen, welcher wesentliche Verschlechterun- 
gen gegen den Vertrag von 1868 enthalten würde, weßhalb sie 
die gemachten Propositionen als geeignete Grundlage nicht anzu- 
erkennen vermöchten, ihr Ende gefunden. Da die deutschen Kom> 
missäre die Punkte unserer Anträge nicht bezeichnen konnten,' die 
der deutschen Regierung unannehmbar schienen oder doch bei strit- 
tigen Tarifpositionen die Grenze nicht anzugeben vermochten in- 
nerhalb welcher eine Einigung möglich wäre, so erschien zu uuscrm 
lebhaften Bedauern eine Verständigung unerreichbar. Seither kam 
die deutsche Regierung auf den Wunsch zurück, den bestehenden 
Vertrag zu verlängern; hierauf konnte jedoch von der österrei- 
chisch-ungarischen Regierung mit Rücksicht auf die Notwendigkeit 
die Grundlagen unseres Handels und unserer Zollpolitik definitiv 
festzustellen nicht eingegangen werden. Durch diese Sachlage ist 
endlich die Notwendigkeit gegeben, einen allgemeinen Zolltarif 
den gesetzgebenden Körpern vorzulegen, zumal nach Ablauf unserer 
sämmtlichen Zollverträge mit Ende des Jahres noch der gegen- 
wärtig geltende Zolltarif von 1853 sammt der Modifikation vom 
30. Juni 1865 allseitig in Wirksamkeit treten müßte, was zu 
vermeiden selbstverständlich in der Absicht der Regierung liegen 
muß. Der Gesetzentwurf über den allgemeinen Zolltarif ist in 
allen Details mit der ungarischen Regierung bereits vereinbart 
und wird nächstens vorgelegt werden. Die Regierung hofft das 
rechtzeitige Jnslebentreten desselben mit dem 1. Januar 1878. 
Da die Regierung es für ihre Pflicht hält, nichts zu unterlassen, 
damit bei Ablauf des deutschen Handelsvertrages keine Störung 
altgewohnter Verkehrsbeziehungen einrrete, hat sie, an eine deut- 
scherseits bereits im Laufe der Verhandlungen gemachte Anregung 
anknüpfend, der deutschen Regierung ihre Bereitwilligkeit ausge- 
sprochen einen Meistbegünstigungsvertrag abzuschließen, wobei auf 
die erwähnten Verhältnisse möglichst Bedacht genommen würde.
        

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