Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/174/
1. Jede Einfuhr von Rindvieh, Büffeln, Schafen und Zie- 
gen aus Oesterreich und dem Fürstenthum Liechtenstein in die 
Schweiz ist bis auf Weiteres verboten. 
2. Uebertretungen dieses Verbotes werden mit einer Buße 
bis auf 500 Franken bestrast, überdies hastet der Fehlbare für 
den durch die Uebertretung erwachsenden Schaden und kann in 
schwereren Fällen dem Strafrichter überwiesen werden. (Art. 
36 und 37 des Bundesgesetzes über polizeiliche Maßregeln gegen 
Viehseuchen vom 8. Hornung 1872. 
Die sämmtlichen Polizeibehörden, Polizeibeamten und Be- 
diensteten der Grenzbezirke Rorschach, Unter- und Oberrheinthal, 
Werdenberg und Sargans wurden angewiesen, für den Vollzug 
des zitirteu Bnndesrarhsbeschlusses zu sorgen und demselben ge- 
naue Nachachtung zu verschaffen. 
Baduz, d. 29. Okt. (Brandunglück.) Vaduz, welches 
seit Menschen-Denkentrotz seiner dem Föhn besonders ausgesetzten 
Lage keinen nennenswerthen Feuerschaden zu beklagen hat, war 
heute der Schauplatz eines Brandunglückes, durch welches 6 
Häuser und 6 Ställe zerstört wurden. Es sind in Folge dessen 
6 Familien oder 26 Personen obdachlos geworden. 
Die zerstörten Gebäulichkeiten liegen in der s. g. Herrngasse 
und gehören: dem Joseph Gaßner, Andreas Falk, Franziska 
Lins, Andreas Wolf, Johann Ospelt und Baumeister Anton 
Ospelt. 
Das Feuer wurde zuerst 2 Uhr Nachmittags, als gerade die 
meisten Inwohner der betroffenen Häuser auf dem Felde be- 
schäftiget waren, bemerkt und ist in den zusammenhängenden 
Stallungen des Andreas Falk und des Joseph Gaßner aus bis 
jetzt unbekannter Ursache entstanden. Durch die angehäuften 
Vorräthe der ergriffenen Stallungen trefflich genährt, griff das 
Feuer erstaunlich schnell um sich und entwickelte eine derartige 
Hitze, daß die südlich und nördlich vom Feuerherde stehenden 
Häuser, die größtenteils aus altem Riegelwerk bestanden, schon 
ergriffen wurden, als kaum die erste Hilfe auf dem Platze war. 
Zunächst galt es die Habseligkeiten zu retten, die noch zu retten 
waren, was jedoch bei den zuerst ergriffenen Häusern nur theil- 
weise mehr gelang. 
Die Vaduzer Spritze hatte sich sofort beim Brunnen vor 
dem Hause des Baumeister Ospelt aufgestellt, mußte jedoch 
bald theilS wegen der großen Hitze des nahen Feuers theils we- 
gen Wassermangel zu der nächsten (resp. einzigen) ergiebigen 
Wasseransammlung, zu dem zirka 1000' entfernten Binnenkanal, 
zurück dirigirt werden. - 
Unterdessen griff das immer mehr angefachte Feuer erst die 
ob der Landstraße gelegenen Stallungen und dann die aus mas- 
sivem Mauerwerk erstellten Häuser der Gebrüder Ospelt an. 
Jetzt erschien die erste auswärtige Hülfe: Die Seveler 
Feuerwehr, welche sofort mit einer nachahmuugswerthen 
Ruhe und Präzision ihre ausgiebige Arbeit begann. 
Nachdem das Haus des Johann Ospelt schon ergriffen war, 
galt es hier dem Feuer ein Ziel zu setzen, um die unmittelbar 
anstoßenden Stallungen und Häuser des Andreas Bohle und 
Jakob Strub zu retten. Diese Aufgabe hatten sich die S e v e- 
ler richtig erkennend, gestellt und, nachdem eine Stunde später 
die Buchser Löschmannschaft erschienen war, im Vereine 
mit dieser glänzend gelöst. 
Die Spritzen beider Feuerwehren hatten sich an dem oben 
genannten Binnenkanal postirt, von wo aus das Wasser über 
eine 1000' lange Strecke Bergauf befördert werden mußte. Die 
Arbeit des Pumpens war daher eine sehr mühsame umsomehr, 
als sie während 8—10 Stunden fast ununterbrochen andauerte. 
Die opferwilligen Hülfeleistungen unserer 
werthen Nachbarn von Sevelen und Buchs sind 
deswegen mit besonderem Dank und Anerkennung 
hervorzuheben. 
Als die zweiten auf dem Platze erschienen die Triesner, 
welche das bereits in Flammen stehende Haus des Baumeisters 
Ospelt in Angriff nahmen und daselbst nach verhältnißmäßig 
kurzer Zeit das Feuer zu tilgen vermochten. 
Als die dritten trafen die S ch a a n e r ein, welche das Vor- 
dringen des Feuers nach Süden gegen das Haus des Schmied 
Risch und den Stall der Gebrüder Risch zu verhindern suchten, 
was ihnen auch gelungen ist, obwohl die Giebel beider Gebäu- 
lichkeiten schon Feuer gefaßt hatten. Sie wurden bei ihrer Ar- 
beit durch die Vaduzer Feuerwehr unterstützt. 
Hierauf kam die Buchser Löschmannschaft, die wir 
schon oben erwähnt haben, dann dieTriesenbergerFeuer- 
wehr, welche mit ihrer kleinen, aber trefflichen Spritze sehr 
gute Dienste leistete, endlich gegen 5 Uhr die Balzner und 
trotz der weiten Entfernung das Feldkircher Feuerwehr- 
corps. 
Bei Ankunft der letztern war jedoch die größte Gefahr schon 
vorüber, doch war zur Niederhaltung des schon abgegrenzten 
Feuerherdes noch Arbeit genug übrig, welcher sich unsere bereit- 
willigen Nachbarn von Feldkirch. mit sehr dankenswerthem Eifer 
bis gegen Morgen unterzogen haben. Leider konnten denselben 
zur notwendigen Ablösung beim Pumpen keine hinreichenden 
Mannschaften zur Verfügung gestellt werden, weil die übrigen 7 
schon anwesenden Spritzen bei der weiten Beförderung des 
Schlauchwassers enorm viel Arbeitskräfte in Anspruch nahmen. 
Als man gegen Morgen soweit Herr des Feuers war, daß 
keine ernstliche Gefahr mehr zu befürchten stand, kehrten die aus- 
wärtigen Feuerwehren nach Hause zurück. 
Die niedergebrannten Gebäulichkeiten waren ohne Ausnahme 
versichert, jedoch großentheils mit sehr niederen Ziffern; nimmt 
man zudem in Berücksichtigung, daß viele Hauseinrichtungsge- 
genstände, Wäsche zc. nicht mehr gerettet werden konnten, daß 
ferner die Häuser mit Feldfrüchten aller Art und die Stallungen 
mit Viehfutter für ein Nährjahr je nach Vermögen angefüllt 
waren, was alles größtentheils zu Grunde ging, so bleibt noch 
ein bedeutender ungedeckter Schaden zurück. Außerdem befanden 
sich einige der verunglückten Familien schon vorher in ärmlichen 
und dürftigen Verhältnissen. 
An Thieren gingen 6 Schweine und 2 Ziegen zu Grunde, 
welche nicht mehr gerettet werden konnten. Rindvieh (zirka 30 
Stück) wurde alles in Sicherheit gebracht, doch ist sämmtliches 
Futter für dasselbe verloren. 
Dem christlichen Wohlthätigkeitssinn und der Nächstenliebe ist 
somit wieder reichliche Gelegenheit geboten ihren unglücklindernden 
Dienst auszuüben. 
Vaduz, 30. Okt. Durch Wahl des hiesigen Gemeinde- 
rathes wurde nachfolgendes Hülfskomite für die Brandbeschädig- 
ten gebildet: Anton Amann, Pfarrer Erni, Vorsteher Rhein- 
berger, Dr. Schädler, Bierwirth F. I. Seeger. Das Konnte 
ist bereit Liebesgaben jeder Art: sei es Geld oder Wäsche, Klei- 
dungsstücke, Feldfrüchte, Viehfutter, Streue :c. dankbarst entgegen 
zu nehmen. Wer schnell gibt, gibt doppelt! 
Vom Kriegsschauplätze. 
Am 23. Oktober hatte auf die türkischen Stellungen bei 
Plewna aus allen russischen und rumänischen Batterien ein hef- 
tiges Bombardement begonnen und war bis zum 24. Mittags 
fortgesetzt worden. Man hatte dasselbe als die Einleitung eines 
allgemeinen neuen Sturmangriffes auf Osman Pascha betrachtet. 
Dasselbe hat jedoch vor Allem dazu gedient, die Aufmerksamkeit 
des türkischen Feldherrn auf seine Front zu lenken, während in 
seinem Rücken auf der Straße von Plewna nach Orkhanje, bei 
Telisch und Gornji-Dubnik, von den Russen unter General Gurko 
eine wichtige Operation vollzogen wurde. In den letzten Tagen 
waren auf der Linie zwischen Radomirtze und Telisch wiederholt 
'große Reiterpatrouillen erschienen, und unter' dem „Vorhang" 
dieser Reiterabtheilungen waren drei russische Brigaden und acht 
Batterien herangerückt. Der Kampf, der sich entspctnn, scheint
        

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