Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/172/
— 172 — 
Verschiedenes. 
* Bern, 13. Okt. Das eigenöfsische Bureau des Bau- 
Wesens hat so eben eine Statistik der Bevölkerung s- und 
Arealverhältnisse der Schweiz veröffentlicht, welche auch 
für ihre Leser von Interesse. sein dürfte. Nach derselben beträgt 
das Gesammtareal 41,389,8 Quadrat-Kilometer mit einer örts- 
anwesenden Bevölkerung von 2,669,147 Seelen (nach der Volks- 
Zählung vom L Dez'. 1870). Davon umfaßten die Kantone 
Zürich 1714,7, Bern 6889,8, Uri 1076,0, Luzern 1500,8, 
Schwyz 908,5, Unterwalden ob dem Wald 474,8, Unterwalden 
nid dem Wald 290,5, Glarus 691,2, Zug 239,2, Freiburg 
1669,0, Solothurn 783, Baselstadt 35,8, Baselland 421,6, 
Schaffhausen 294,2, Appenzell a. Rh. 260,6, Appenzell i. Rh. 
159,0., St. Gallen 2019,0, Graubünden 7184,0, Aargau 
1404,0, Thurgau 988,0, Tessin 2818,4, Waadt 3222,8, 
Wallis 5247,1, Neuenburg 807,4 und Genf 279,4 Quadrat- 
Kilometer. Produktives Land besitzt die Schweiz im Ganzen 
29,637,0, unproduktives' 11,752,3 Quadrat-Kilometer. Davon 
kommen auf die Kantone Zürich 1616,0 pr., 108,7 unpr., 
Bern 5385,7 pr., 1503,3 unpr., Luzern 1369,0 pr., 131,8 
unpr., Uri 477,7 pr., 598,3 ünpr., Schwhz 660,2 pr., 248,3 
unpr., Unterwalden ob dem Wald 399,4 pr., 75,4 unpr., Un 
terwalden nid dem Wald 217,9 pr., 72,6 unpr.. Glarus 448,6 
pr., 242,6 unpr., Zug 194,3 pr., 44,0 unpr., Freiburg 1469,6 
Pr., 199,4 unpr., Solothurn 717,8 Pr., 65,8 unpr.:, Baselstadt 
30,4 pr., 5,4 unpr., Baselland 405,6 pr., 16,0 unpr., Schaff 
hausen 281,0 pr., 13,2 unpr., Appenzell a. Rh. 253,6 pr., 
7,0 unpr, Appenzell i. Rh. 144,4 pr., 14,6 unpr.,. St. Gallen 
1713,5 pr., 305,5 unpr., Graubünden 3851,6 pr., 3333,2 
unpr., Aargau 1341,7 pr., 62,3 unpr., Thurgau 853,6 pr., 
152,4 unpr., Tessin 1880,0 pr., 938,4 unpr., Waadt 2728,8 
pr., 494,0 unpr., Wallis 2409,9 pr., 2837,2 unpr., Neuen- 
bürg 572,3 pr., 235,5 unpr. und Genf 232,0 M, 46,5 unpr. 
Quadrat-Kilometer. Von dem produktiven Lande sind im Gan- 
zen 7714,2 Quadrat-Kilometer Waldareal, 305,0 Rebland, 
21,618,3 Acker, Garten-, Wiesen- und Weideland.. Von dem 
unproduktiven sind 1838,8 Gletscher, 1386,1 Seen, 161,8 
Städte, Dörfer und Gebäude, 8365,6 Schienen- und Wasser- 
wege, Flüsse, Bäche, Felsen und Schutthalden ;c., Gletscher hat 
Bern 288,0, Graubünden 359,2, Wallis 961,7, Uri 114,8, 
Glarus.36,1, St. Gallen 7,4, Waadt 11,2, Tessin 34, Unter- 
walden 13,5, Schwyz 1,3 und Appenzell 1,1 Quadrat-Kilo- 
Meter. Die übrigen Kantone haben keine Gletscher. 
Ueber die Septemberwitterung 
enthält die „Tagespost" einen interessanten Artikel, dem wir 
einige Stellen entnehmen. Aus der Uebersicht über die Durch- 
schnittstemperatur einer Reihe von Jahren seit 1868 ergibt sich 
daß diejenige des letzten Monats September mit 12,9 0 die nie 
drigste war. Der kälteste Morgen war der am 27., wo die 
Temperatur auf der Sternwarte Bern unter Null gesunken war. 
Doch ging auch das tiefste Tagesmittel nicht unter 5,2 0 zurück. 
Das Minimum war — 1 °. Das Maximum trat am 12. 
ein, wo das Thermometer 22 o erreichte. Der größte Tempe- 
raturunterfchied betrug also 23°. 
Die bedeutende Abkühlung der Lust beruhte nicht einzig auf 
dem kalten Nordwind, sondern auch auf der davon bedingten 
Trockenheit und Klarheit der Lust, die er bringt. Diese bewirkt 
eine schnellere Ausstrahlung der Wärme vom Erdboden in den 
Aetherraum, was sogleich eine rasche Abkühlung zur Folge hat, 
und zwar findet diese Abkühlung vorzugsweise an den Gegen- 
ständen, namentlich an den Pflanzen, statt, von denen die Wärme 
rasch ausstrahlt, daher steht die Temperatur der Pflanzen tiefer 
als die Lufttemperatur. 
Der Wassergehalt der Luft, gleichgiltig, ob er in unsicht- 
barer Gestalt oder in sichtbarer Form von Dunst und Nebel 
vorhanden ist, hindert die Wärmestrahlung, also auch die Abküh 
lung des Bodens und der Pflanzen, mit ein Grund, warmtt- 
die Temperatur auf den Bergen tiefer steht, weil die dünnere 
Luft auch geringere Mengen von Feuchtigkeit enthält, also gerin- 
geren Schutz gegen die Ausstrahlung der Wärme bietet. Deß- 
wegen tritt in den kritischen Übergangszeiten des Jahres Mai 
und Oktober die Gefahr des Frostes namentlich dann ein, wenn 
die Luft klar und arm an Wassergehalt ist, wie der Nordwind 
sie bringt. Auf diese Thatsache ist auch die Volksansicht zurück- 
zuführen, wonach das Wachsen des Mondes den Frösten beför 
derlich sei. Sie beruht auf der unrichtig verstandenen Wahrneh 
mung, daß der Mond, wenn er am Abend sichtbar wird und 
also zunimmt, oben eine klare Luft und unbewölkten Himmel 
voraussetzt, also eine der Frostbildung förderliche Beschaffenheit 
derselben anzeigt. Man verwechselt also die Sichtbarkeit des 
Mondes als begleitende Folge der Luftklarheit mit der Ursache 
des Frostes selber. Der Mond hat nicht kalte Strahlen. Man 
hat vielmehr bereits nachgewiesen, daß im Sommer die Strahlen 
des Vollmondes einen Wärmeeffekt hervorbringen, welcher, der 
erwärmenden Wirkung gleichkommt, die eine gleich große berußte 
Fläche, welche so heiß ist, als siedendes Wasser, in einer Ent- 
sernung von 35 Meter auf ein empfindliches Thermometer ans- 
übt... 
Geängstigt durch den Zusammenbruch unserer künstlichen 
industriellen Verhältnisse blickte man heuer, also im Jahre 1877, 
mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Gang der Witterung, den 
Stand der Ernte, auf die alte goldene Waage der Götter. 
Zu den Krisen in den Fabriken, den Krisen im Staat, der 
vollständigen Versandung der Staatskassen: noch ein Fehljahr auf 
dem Felde und das Elend überwältigt uns! 
So kam der Frühling, der Sommer, der Herbst. Des 
Frühlings verspätete Ankunft, des Sommers verfrühte Abfahrt, 
des Herbstes früher sich einstellende rheumatische Leiden.:, alles da$ 
läßt uns das Jahr in keinem besonders günstigen Lichte er- 
scheinen. 
Hätte nicht der Juni, der in diesem Jahre wärmste und 
beste Monat, durch seine herrliche Witterung dem Mai und April 
die Defizite gedeckt und noch einen Sparpfennig für den Juli 
in Kasse .gelegt, es wäre schlimm gestanden mit Halm, Aehre 
und Traube. 
Der Mai war nicht gerade kalt,, aber feucht, ohne Sonnen- 
schein ; es regnete fast alle Tage. Die sonst so viel gepriesenen 
Feenhände des Mai schienen sich zu förmlichen Flossen umbilden 
zu wollen. 
(Schluß folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur ».Herausgeber: vi>. Rudolf Schädler 
Thermometerstaud nach Reanmnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
. 6 Uhr 
Witterung. 
Okt. 17. 
+ 5 
14 
-f- 3 
trüb, Reg. 
. 18. 
0 
+ 5 
+ 2 % 
hell ; Reif 
. 19. 
- VA 
+ 5 
+ 2% 
^ „ 
„ 20 
— l 
+ 5 
+ 23/ 4 
. tt n 
„ 21. 
+ 3 
+ 10% 
+ 3 
hell 
„ 22. 
+ 4'/z 
+ 11 
+ öy. 
n 
H 23. 
+ 6 
+ 12 V, 
-f" 6 
tt 
Telegrafischer Kursbericht von Wie». 
24. Oktober Silber . 105.20 
20-Frankenstück 9.48^ 
100 Reichsmark 58.30 
London 118.— 
Druck von Heinrich Graff in Feldtirch.
        

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