Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/167/

angeblich zwischen der österreichischen und der ungarischen Regie- 
rung dießfalls zu Stande gekommenen Vereinbarungen keine Rede 
sein. — Die „Polit. Korr." berichtet aus Belgrad: Die 
Besorgniß der serbischen Regierung vor einem diplomatischen Ein- 
schreiten akuter Natur seitens jder Pforte ist geschwunden; da- 
gegen wird die Entsendung eines türkischen Kommissärs nach Bel- 
grad noch immer für möglich gehalten. —Aus Cetinje: Fürst 
Nikita ist mit seinem Stabe gestern aus Orjaluka zu wahrschein- 
lich kurzem Aufenthalt in Cetinje eingetroffen. AuS Buka 
rest: Die Türken zogen ihre Geschütze aus der Redoute „OS- 
man" vor Plewna zurück, gegen welche die Approche-Arbeiten 
der Rumänen gerichtet sind. Die Russen besorgen, daß die Re- 
doute „OSman" minirt sei. 
PariS, 16. Okt. Die Wahlresultate sind nunmehr aus 
allen Theilen deS Landes, ausgenommen der Kolonien, bekannt. 
Hienach stellen sich die Parteiverhältnisse im Großen und Ganzen 
folgendermaßen: 201 Conservative, 314 Republikaner, 14 Stich- 
wählen. Die Conservativen behielten von ihren früheren- 158 
Sitzen 141, verloren 17, gewannen 59. Die Republikaner be 
hielten von 363 Sitzen 297, verloren 59 und gewannen den 
Conservativen ab 17. 
Paris. 16. Okt. Dem „Temps" zufolge sind von 516 
bekannten Wahlen 317 republikanisch, 99 bonapartistisch, 45 
monarchistisch, 44 legitimistisch und 11 orleanistisch ausgefallen. 
Paris, 16. Okt. Die *Rep. Frantz." veröffentlicht einen 
Artikel aus der Feder Gambettas, worin er versichert, daß die 
republikanische Mehrheit mindestens 340 betragen werde. Die 
Situation sei dadurch in keiner Weise geändert und die Männer 
des 16. Mai würden nach wie vor sich bei jeder Gelegenheit 
gegenüber einer einigen, kompakten und mächtigen Mehrheit be- 
finden und in Minderheit in der Nationalversammlung sein wenn 
die Wichtigkeit der jetzt folgenden Ereignisse es erheische, daß diese 
Versammlung zusammentrete. . _ 
St. Petersburg, 16. Okt. Offiziell aus Gornji- 
Studeu, 15. Okt.: Ueber 1000 Baschi-Bozuks (Infanter^ 
und Kavallerie), welche von den Bergen heruntergekommen wareR 
griffen das Dorf Moren bei Elena an, wurden aber durch vier 
Kompagnien des Siewsk'schen Regiments, zwei Schwadronen 
Dragoner und ein Regiment „KriegSordre" zurückgeschlagen. Die 
Türken zogen sich eilig mit großen Verlusten zurück und hinter- 
ließen viele Todte. Unsererseits sind vier Mann verwundet. Die 
Türken fahren fort gegen die Armee des Thronfolgers Truppen 
zu konzentriren. 
Et. Petersburg, 16. Okt. Ein offizielles Telegramm 
von der Kaukasusarmee meldet: Gestern haben wir einen großen 
Sieg über Mukhtar Pascha errungen, viele Kanonen erbeutet 
und viele Gefangene gemacht. Die Türken wurden von der 
Straße nach Kars abgedrängt. Weitere Einzelheiten fehlen. 
Moskau, 16. Okt. Die Russen griffen gestern Früh die 
neue Stellung Mukhtar Paschas an. Die kaukasischen Grena- 
diere stürmten den Awlias Berg, den Schlüssel der türkischen 
Stellung. Mukhtar Pascha wurde nach zweistündigem Kampf in 
die Flucht geschlagen. Sein Lager, viele Gefangene, Geschütze, 
Gewehre und Vorräthe fielen in die Hände der Russen. Der 
Feind suchte sich in der Richtung nach Kars oder Erzerum zu- 
rückzuziehen und wurde verfolgt. 
Konstantinopel, 16. Okt. Die „Agence HavaS" meldet: 
Im Schipka-Passe findet eine sehr lebhafte Kanonade statt. Die 
Russen befestigen die Straße nach Gabrowa. — Russische Ka 
nonenboote bombardirten Sulina. Ein kleines türkisches Kano- 
nenboot, welches vor Sulina stand, wurde durch dasBombarde- 
ment beschädigt. — Aarifi Pascha ist gestern vom Sultan em- 
pfangen worden und reist am 24. Oktober nach Paris ab. 
Konstantinopel, 16. Okt. Bei Kadikiöi fanden einige 
kleine Scharmützel statt. Eine bis Djenne unweit Medschidje 
ausgedehnte Rekognoszirung ergab, daß dort keine Russen stan- 
den. — Das Wetter ist schön und die Wege passirbar. 
Verschiedenes. 
* Ueber die heurigen Weinaussichten um Chur und 
Herrschaft gibt ein Traubenwächter folgende Auskunft: 
Auf der Traubenwacht. 
I. 
„Es ist so kalt und so hell die Nacht — 
Und ich steh' allein auf der Traubenwacht, 
Und feh' meinen Schatten im Mondenschein 
Und hör* in der Ferne rauschen den Rhein. 
Es friert mich die Nase, es friert mich die Hanh 
Ach, Himmel, beschütze mein Vaterland! 
Schau' gnädig alle die Weinberg' an 
Und wolle die Trauben ausreisen lan! 
Die Nachtlust ist kalt und kühl der Tag, 
Es frierende Beeren hinter dem Hag, 
Es stvckrte Saft in dem Rebenholz 
Uyd die armen Ranken sind nicht mehr so stolz. 
■ 
Was soll aus Winter und Welt noch werden, 
Wenn nicht mehr gedeiht der Wein auf Erden? 
Menn wir zu allem Weh und Krach 
"Auch noch erleiden dieß Ungemach. 
Du lieber Herrgott! schick den Föhn 
Und laß uns're Hoffnung nicht untergehen! 
A)er Mensch wird frömmer bei gutem Wein, 
Als bei essigsaurem Krätzerlein! — 
II. 
Nun halt' ich'S aber nicht länger aus, 
Du lieber Herrgott! nun geh' ich nach Hans! 
Ich kann das Unheil nicht mehr ansehen, 
Die Augen wollen mir übergeh'n. 
Daß so viel Wein in so kurzer Frist 
Elendiglich erfroren ist, 
Das schnürt mir fast die Kehle zusammen, 
Ich kann's nicht fassen in Gottes Namen! 
So schön war Alles, so hoffnungsvoll! 
Es hatte viel Trauben, die Beere schwoll, 
Geschlossen und eng an die Schwester gereiht, 
Und wacker voran war die Reife zur Zeit. 
Da kam vom Nord der wilde Frost 
Und der Räuber nahm uns den süßen Trost; 
Der Reif einer einzigen kalten Nacht 
Hat viele Nächte uns saper gemacht! 
Ade, ihr Blätter! verwelkt und fahl! 
Ade, ihr Trauben! am Berg, zu Thal! 
Wenn nicht der Herr wacht Tag und Nacht, 
Dann braucht'S keine andere Traubenwacht!" 
S. P. (Bund. Tagbl.) 
* Tieferlegung des Bodensee's. Die am Boden- 
see liegenden badischen Gemeinden haben laut ' „Thurg. Ztg." 
der großh. Regierung eine Adresse eingereicht, in welcher die 
Regierung ersucht wird, der obigen Angelegenheit ihre Austnerk- 
samkeit widmen und dieselbe bald zu einem glücklichen Ziele 
führen zu wollen. Die Adresse weist auf die Schädigungen an 
Land und' Wohnungen hin, welche durch die Hochwasser der 
letzten zwei Jahre herbeigeführt wurden, und gibt der Ueber- 
zeugung Ausdruck, daß durch eine Tieferlegung von 0,60 bis 
0,70 Meter, wie sie projektirt werde, den Uebelständen abge- 
Holsen werden könnte, ohne daß für den Winter ein die Schiff-' 
fahrt und den Verkehr störender Niederwasserstand herbeigeführt 
würde. 
* Bern, 9. Okt. Gestern Morgen gegen halb 6 Uhr 
wurden die am Genfer und Neuenburger See gelegenen Städte 
und Ortschaften Genf, Lausanne, Vevey, Montreux, Villeneuve,
        

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