Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/16/
„trag gesprochen, wenn sie mit Anschluß an Oesterreich 
„gedroht habe." 
Die gefertigten Vorsteher der untern Landschaft ersehen in 
diesem Berichte eine Entstellung deS wahren Sachverhaltes, 
und ersuchen die löbl. Redaktion zur Steuer der Wahrheit die 
Erklärung aufzunehmen: „daß wir, und zwar auf besondern 
Wunsch deS Herrn RegierungS-ChefS, jene von der Massen- 
Deputation zu machenden Andeutungen wegen eines even- 
tuel len Anschlusses an Oesterreich in der Petition selbst weg- 
zulassen seien, entgegengekommen sind. 
M. Marxer. 
Joh. Georg Rascher. 
Joh. Georg Haßler. 
Math. Frick. 
Rudolf Oehri. 
Ausland. 
Deutschland. Ueber die Wirkungen der neuen Civil- 
standSgesetzgebung in Bezug auf kirchliche Acte in der evange- 
tischen Landeskirche Preußens brachte die „Germania" in .den 
letzten Tagen eine Reihe von Artikeln, welche Beachtung ver- 
dienen. Selbst die „AugSb. Allgemeine Ztg." hält die Anga- 
den der „Germania" statistisch so vollständig begründet, daß 
man von dem übersichtlichen Schlußergebniß ihrer Untersuchun 
gen Act zu nehmen allen Grund hat. Danach ergibt sich für 
den Bereich der evangelischen Landeskirche in den acht älteren 
preußischen Provinzen und in Hohenzollern aus den amtlichen 
statistischen Ermittelungen: daß im Jahr 1875 von den lebend 
gebornen Kindern im ganzen 7.39 Proc., in absoluter Zahl 
38,608 (einschließlich der im ersten Lebensalter verstorbenen) 
die Taufe nicht empfangen haben und von den bürgerlichen 
Eheschließungen 18 55 Procent (in absoluter Zahl 22,186) 
in Folge deS Wegfalles deS TrauzwangeS nicht kirchlich ein- 
gesegnet worden sind. Hienach hat sich die kirchliche Jndiffe- 
renz in weit höherem Grade bezüglich der kirchlichen Trauungen 
alS in Bezug auf die Taufe geltend gemacht. Die Betheili- 
gung an der letzteren ist in den Provinzen Pommern, Rhein- 
land und Posen am regsten, in den Provinzen Sachsen und 
Brandenburg (ohne Berlin) am schwächsten gewesen; bezüglich 
ber kirchlichen Trauung hat in den Provinzen Rheinland, West- 
falen und Posen das günstigste Verhältnis in den Provinzen 
Brandenburg (ohne Berlin) und Sachsen daS ungünstigste ob- 
gewaltet. Brandenburg und Sachsen treten sonach als die- 
jenigen hervor, welche in Bezug auf beide kirchliche Acte 
den übrigen Provinzen nachstehen. Die Verhältnisse in den 
größeren Städten haben nach dem vorhandenen Material für r 
jetzt nur bei einigen ermittelt werden können. Indessen geht 
aus den dießfälligen Ermittelungen hervor, daß mit wenigen 
Ausnahmen die Betheiligung in den größeren Städten eine 
erheblich geringere ist, und daß in einigen der größten Städte, 
namentlich in Magdeburg, Stettin, und vor allem in Berlin, 
die Verabsäumung der kirchlichen Pflichten die weiteste AuS- 
dehnung gewonnen hat: für Berlin muß als festgestellte That- 
fache angesehen werden, daß im Zählungsjahre jedes vierte 
Kind ungetauft geblieben ist und beinahe drei Viertel sämmt- 
licher bürgerlichen Eheschließungen die Weihe der Kirche nicht 
empfangen haben. 
In Folge deS CulturkampfeS sind in der Erzdiöcese Köln 
nicht weniger als 94 Pfarreien verwaist, 61 Rector- und 
Bicar»Stellen unbesetzt und 600 Ordensleute, darunter 120 
Ordenspriester, welche in der Seelsorge Aushülfe leisteten, aus- 
gewandert. 
Türkei. Der türkische große Rath hat sozusagen einstim- 
mig die „heruntergeschraubten" Forderungen der Conferenz- 
mächte verworfen und für unvereinbar mit der Souveränetät 
deS oSmanischen Reiches erklärt. Die Konferenz ist somit re- 
sultatloS geschlossen und die Delegaten können endlich abreisen. 
Die so lange im Schwünge gewesene Phrase vom „kranken 
Mann" wird demnach immer werthloser. 
Verschiedenes. 
* Milde Winter. Die Naturgeschichte deS Schweizer^ 
landeS von I. I. Scheuchzer, 2 starke Bände, im Anfange 
des vorigen Jahrhunderts herausgegeben, enthält aus alten 
Chroniken einen Menge von Angaben über „ungewohnte Iah-^ 
reSzeiten". Wir führen daraus Folgendes an: 
„A. 1473 war ein dürrer Sommer, daß die Bäume im 
Hornung 'schon .blüheten und alle Erden Gewächse gleich in 
dem Mey grüneten. Den 20. Juni kam in der Revier um- 
Basel herum ein Regen und darnach in 9 Wochen keiner mehr,, 
so daß die Wasser abgingen und viele Brünnen versiegten. 
Im Oktober blüheten die Bäume wiederum, wie im Frühlings 
so daß die Birnen und Aepfel einer Nuß groß und die Kir 
schen bis Martini wiederum zeitig wurden. 
A. 1587 um Martini war eine so warme Zeit, daß im 
Flachthal und zu Berg, wie auch zu Arth und Schwitz die 
Storchen wiederum in ihre Nester kommen. So hat man auH 
hin und wieder den Kuckuk gehört. Im Appenzeller und So- 
lothurner Gebiete sind viel hundert Schwalben gesehen wm> 
den. Am Wallen-See zu Quinten fand man die Linden- 
Bäume so schön und grün, als ob eS im Mayen wäre. 
A. 1628 war eS um Weihnacht gar warm und gingen 
die Leute barfuß auf dem Felde; darauf kam ein schlechter 
Sommer, eS gab wenig Wein und der wurde nicht zeitig, so 
daß er theilS an Räben blieb. 
A. 1677 Obschon vom Anfange deS JahrS eine so groß? 
Kälte gewesen, dergleichen man sich von vielen Jahren her 
nicht zu erinnern wußte, so war doch der Hornung so lieblich- 
und warm, daß der Boden zu grünen anfinge. 
A. 1678 hatte man einen sehr guten und leichten Winter, 
fast nie keinen Schnee und zu Ende deS MerzenS konnte man 
daS Vieh schon aus das Feld lassen. 
A. 1686 hatte man fast den ganzen Winter durch keinen 
Schnee und folglich einen frühzeitigen Frühling, so daß im 
Merzen Alles grün und bei dessen Ausgang auch eine Stunde 
hinter GlaruS Laub und Blüthe zu sehen war. Zu Ende des 
AprilS fände man daselbst zeitige Erdbeeren, nachdem schon 
alle Bäume verblühet. Den 10. Mai fienge man an daS 
Heu einzusammeln und auf den 14. war man nun fast aller 
Orten zur Alpen gefahren." 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Jänner 17. 
- 4 
0 
— 2 
hell 
„ 18. 
— 5 
+ 2 
- 2 
H 
„ 19. 
— 2 
+ 3 j / 2 
— 1 
n 
. 20. 
— t% 
+ 4% 
+ 2 
halb hell 
. 21. 
+ l'/2 
+ 1 
+ % 
trüb; Reg.Schnee 
„ 22. 
+ Vi 
+ 
0 
trüb 
, 23. 
- 2% 
- %. 
- i Hi 
fast trüb. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
24. Jänner Silber 116 90 
20-Frankenstücke ....... 9.95 * 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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