Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/159/
markten stattliche Preise und manch Bäuerlein machte seinen 
-guten Tag. So wurden unter Anderem dreijährige Rinder für 
900, 700, 660 Franken verkauft und machte sich im Allge- 
meinen ein gutes Festhalten hoher Preise im Handel bemerkbar, 
was sich zum großen Theil daraus erklärt, daß das Vieh sehr 
gut gesommert hatte und in vortrefflichem Zustand die Alpen 
Derließ. So kam es, daß viel sehr schönes Vieh aufgetrieben 
wurde, das die Kauflust reizte und die Preise in die Höhe trieb. 
Von ca. 1000 Haupt der vorhandenen Viehwaare ist wie man 
hört, so ziemlich AlleS verkauft worden, so daß der gestrige 
Markt einen aproximativen Baarumsatz von 3—400,000 Frk. 
aufweisen dürfte, eine auf unfern Markten selten erreichte Höhe. 
Im Interesse der Viehzucht und des vielgeplagten Bauernstandes 
ist zu wünschen, daß diese gute Zeit recht lange anhalten möge. 
Aus Graubünden berichtet dasselbe Blatt: Der letzten 
Freitag den 21. d. in Thusis abgehaltene Herb st viehmarkt 
hat selbst die besten Erwartungen übertroffen. Es wurden un 
gefähr 1500 Stück aufgetrieben und selbst ältere Leute erinnern 
sich nicht an eine so große Anzahl von einheimischen und fremden 
Händlern. Es wurde sehr viel Vieh, man kann sagen zu hohen 
Preisen verkauft. Schöne Zeitliche z. B. galten 20 bis 30 
Marengins. Der Markt war schon um Mittag herum zu 
Ende und zwar zur allgemeinen Zufriedenheit. Diese Thatsachen 
sind um so erfreulicher, als der Thusner Herbstviehmarkt der 
erste im Herbste und gewissermaßen ein Barometer für den 
bündnerischen Viehhandel ist. Derselbe geht also einer erfreulichen 
„Saison" entgegen. 
Vom Kriegsfchai,platze. 
Die wichtigste Nachricht welche uns der Telegraph in jüngster 
Zeit vom Kriegsschauplatz gemeldet hat, ist die Ankunft des 
Corps Schefket Pascha's, 15,000—20,000 Mann, mit Muni 
tion und Proviant in Plewna. Hiedurch wurde die Armee 
Qsman Pascha's wesentlich gestärkt und derselbe in die Lage 
versetzt je nach Umständen selbst die Offensive gegen die Russen 
zu ergreifen, welche in den letzten Kämpfen 00 Proc. ihrer 
Mannschaften verloren haben, so daß einzelne ihrer Bataillone 
nur noch 300 Mann stark sind. — Die andere wichtige Nach- 
richt betrifft einen Versuch der Türken in Rumänien einzufallen. 
Diese Nachricht geht von der Wiener „Polit. Corresp." aus, 
welche schreibt: „Wir erhalten auf indirectem Weg aus Buka- 
rest vom gestrigen Tage die Meldung daß eine mehrere hundert 
Mann zählende türkische Abtheilung einen vermöge seiner natür- 
lichen Lage festen, durch die Geschütze von Silistria gedeckten 
Punkt auf rumänischem Boden gegenüber von Silistria besetzt 
habe. Man nimmt an daß die Türken sich mit der Absicht 
tragen eventuell die Eisenbahnlinie Galatz - Bukarest zu unter- 
brechen. Die Türken befestigen die Brücke welche das türkische 
Ufer von Silistria mit der Insel Salgan verbindet." 
Immer mehr — heißt es in einem Warschauer Briefe der 
„Polit. Eorr." zur Lage — immer mehr geben die Ereignisse 
denjenigen Recht welche, die traurigen Resultate der unvorsichtigen 
Leitung der militärischen Operationen voraussehend, vom Kriege 
abgerathen haben. Der bisherige Verlauf des Feldzugs hat mehr 
als zur Genüge die Unzulänglichkeit des russischen Militärsystems 
und der zu seiner Durchführung berufenen Männer bloßgelegt. 
' Diese Lehre ist Rußland zu theuer zu stehen gekommen um für 
die Zukunft verloren zu sein. Rußland wird nothwendig haben 
sich in ernsterer Weise als ehedem zu sammeln wenn es neuen 
Enttäuschungen entgehen, sowie verlorene Zeit und Terrain wieder 
gewinnen will. Die Ehre der russischen Waffen hat nicht ge- 
litten. Die erschreckliche Anzahl von auf dem Schlachtfelde ge- 
bliebenen Offizieren und Soldaten spricht besser als alles andere 
für die Unerschröckenheit und intensive Tapferkeit der russischen 
Armee. Was sich schrecklich geoffenbart, das ist der Mangel 
an Wissen und an Kunst ein so ausgezeichnetes Material zu ver- 
werthen. Man wird in Zukunft in Rußland vieles ändern 
müssen — nicht aus Neuerungssucht, sondern aus wirklicher 
dringlicher Notwendigkeit. Man wird darüber wachen müssen 
daß die einzuführenden Reformen verwirklicht werden, anstatt, 
wie ehedem auf dem Papiere zu bleiben. 
Wie aus Bukarest vom 24. September gemeldet wird, haben 
die beiderseitigen militärischen Operationen durch das seit zwei 
Tagen anhaltende heftige Regenwetter einen Aufschub erlitten. 
Aus diesem Grund ist auch in den Bewegungen der Armee 
Mehemed Ali'S seit seinem mißglückten Angriffe vom 21. d. M. 
ein Stillstand eingetreten, der jedoch nicht mehr lange dauern 
dürfte. Die Generale Gurko und Skobeleff der Jüngere weilen 
noch in Bukarest. Dieselben werden alsbald nach Bulgarien 
zurückkehren. Der ins russische Hauptquartier berufene Genie- 
General Totleben befindet sich gleichfalls uoch in Bukarest. Auch 
er begibt sich demnächst nach Bulgarien, um vorerst einem ab- 
zuhalteuden Kriegsrathe beizuwohnen. General Totleben wird 
stabil dem Hauptquartier attachirt. Der englische Militärbe- 
vollmächtig^ Oberst Wellesley verläßt dieser Tage Bukarest um 
seinen Platz in: russischen Hauptquartier wieder einzunehmen. 
In der Dobrudscha herrscht neuerdings fortwährend Ruhe. 
Der „Daily Telegraph" meldet aus Tscherkowna 21. Sept.: 
„Es ist gerade 4 Uhr Vormittags, und unsere Fußtruppen 
haben gerade in Plänklerschwärmen die Schlucht von Küdikler 
überschritten. Die Russen bemerken sie und richten sofort all 
ihre Geschütze auf dieselben. Die Türken rücken muthig vor; 
aber aus irgend einem Grunde werden sie von unfern Batterien 
nicht unterstützt, und die Leute fallen rasch, sowie sie sich den 
Laufgräben nähern. In ein paar Minuten jedoch entsteht ein 
Handgemenge, und die Russen fliehen den Hügel hinunter, eifrig 
von zwei Bataillonen und etwa 300 Tscherkessen verfolgt. Dann 
kommen die russischen Soutiens herbei, und nun laufen die Türken 
vor der stärkeren Front des Feindes davon. Binnen kurzem aber 
sind sie im Stande wieder zum Angriff überzugehen. Sie ge- 
Winnen an Boden, und bald sind die Russen auf und davon. 
Dieser Erfolg aber ist theuer erkauft worden, denn unsere Leute 
erlitten schwere Verluste. Und doch würde im rechten Augenblick 
anlangende Hülfe ihnen einen leichten Sieg verliehen haben. 
Jetzt ist es 4 Uhr 50 Min., und die Lage ist für die Türken 
eine ungünstige. Die Fußtruppen haben sich, wie gewöhnlich^ 
ausgezeichnet gehalten. Aber sie gehen geradeaus auf ein ganzes 
Nest von Laufgräben zu, welche, wenn nichts außerordentliches 
dazwischen kommt, nicht genommen werden können. Die Türken 
müssen allenthalben den Kürzern ziehen. Jetzt gehen sie unter 
einem mörderischen Feuer zurück. Die ganze Action hat sich 
ganz anders gestaltet als es der Fall sein sollte. Eine Finte 
wurde zum Angriff, und der wirkliche Angriff ward nicht zur 
Ausführung gebracht. Es wogt ein Kampf bei Wrbitza, wohin 
Mehemed Ali zwei fernere Bataillone gegen Truppen gesandt 
hat die eine Division des während des Gefechtes herangekommenen 
XIII. Corps auszumachen scheinen. Fünf oder sechs verschiedene 
Angriffe wurden mit Abtheilungen in der Stärke von einem bis 
zu drei Bataillonen unternommen, sämmtliche ohne weitere Unter- 
stütznng. Ich hege große Befürchtung über deren Folgen. Auch 
bei Küdikler wird noch gekämpft. Die dort ins Gefecht ge- 
kommenen Truppen müssen eine Abtheilung von Ahmed Ejubs 
Streitkräften sein. Viele Verwundete kommen zurück.' Der An- 
griff auf die Russen ist fehlgeschlagen, und der Verlust der 
Türken ist sehr bedeutend. Die Russen behaupten ihre Stellungen. 
Für den Augenblick ist alles vorbei." — „Anhöhe bei Tscher 
kowna, 22. Sept. Noch ist alles ruhig, da beide Seiten von 
den harten Kämpfen des gestrigen Tages ermüdet scheinen. Ohne 
Zweifel werden wir den Angriff bald erneuern." 
Ueber die türkischen Kriegsgefangenen macht ein Correspon- 
dent der russischen „St. Petersb. Ztg." aus Rakowitza von 26. 
Aug. folgende auf persönlicher Beobachtung beruhende Mit- 
theiluugen.
        

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