Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/152/
152 
§ 2. Die Schutzleute haben Zuwiderhandelnde zu Feststellung 
des Thatbestandes sofort auf die Polizeiwache abzuführen. Die 
Namen der Bestraften werden, am Ende jeder Woche veröffent- 
licht. — Das wird wohl helfen! 
Die Kampfe Suleiman Paschas 
am Schipkapaffe. 
Aus den Briefen eines englischen Officiers a. D. veröffentlicht 
in der A. A. Ztg. 
Sind doch ganze Infanterie - Compagnien vollständig aufge- 
rieben worden, und ich sah Bataillone von Nizam - Infanterie 
aus dem Gefecht zurückmarschieren welche nicht mehr 100 Mann 
unter den Waffen zählten. Zwar sind die Verluste der Russen 
auch sehr bedeutend; allein da sie großentheils in gedeckten Stel 
lungen kämpften und ihre Infanteristen sich besonders in Schützen- 
grüben eingegraben hatten so daß selbst ihre Köpfe hinter dem 
aufgeworfenen Erdwall geschützt blieben, die Türken hingegen 
anfangs ungedeckt vorstürmten, so konnten ihre Verluste lange 
nicht so groß wie die der letztern sein. 
Bald hinter Kesanlik fängt die Straße des Schipka-Passes 
in sehr jäher Steigung an sich aufwärts zu ziehen. Für ge 
wöhnlich wird der schmale Weg, der oft unmittelbar neben 
tiefen Abgründen hinführt, ohne im mindesten durch Geländer 
geschützt zu sein, fast nur von Saumrossen, mitunter auch von 
den schmalen mit zwei hohen Rädern versehenen Büffelkarren, wie 
solche in Bulgarien und Bosnien allgemein üblich sind, benutzt, 
und es kostete die Türken ungeheure Mühe die 24—30 leichten 
Geschütze ihrer Feldartillerie, welche sie im Kampfe verwendeten, 
hinaufzubringen. Sie spannten 40—80—100 christliche Bul 
garen an lange Taue vor jedes Geschütz, sparten fleißiges An- 
treiben mit dem Stock oder der flachen Säbelklinge nicht, und 
so ward der Transport bewerkstelligt. Die Infanterie benutzte 
den Weg nicht häufig, sondern die Soldaten kletterten vielfach die 
mit dichten Waldungen bedeckten Höhen auf beiden Seiten der 
Straße empor. Das Armeekorps welches Suleiman Pascha be- 
fehligt, ist vielleicht das beste oder wenigstens das kampfgewohnteste 
im ganzen Heere des Padischah. Die Nizam- und Redif-Jn- 
santerie ist größtentheils aus Rumelien und Thessalien recrutirt, 
und einige tausend Albanesen, unbedingt die muthigsten, aber da- 
bei auch die wildesten Krieger des ganzen Heeres, begleiten dieses 
Corps als leichte Truppen, während eigentliche reguläre Caval- 
lerie fast gar nicht dabei vorhanden ist. Nun hat dieses Corps 
bereits zwei Jahre gegen die Montenegriner im Felde gestanden, 
und die Soldaten haben in diesen steten Kämpfen mit den Mon- 
tenegrinern, wo von gegenseitiger Schonung keine Rede ist, zwar 
viel Wildheit und Grausamkeit, aber auch eine große Gewandt- 
heit im kleinen Gebirgskrieg erlangt. Wirklich, wenn man so recht 
kampferprobte abgehärtete Krieger sehen wollte, so könnten einige 
Nizam-Regimenter des Suleiman'schen Korps diesen Wunsch be- 
friedigen. Die Uniformen waren aufs äußerste abgetragen und 
sahen so mitgenommen aus, daß ihre Farbe kaum noch zu er- 
kennen war, heiles Schuhwerk trug in manchen Kompagnien kein 
einziger Soldat mehr, aber dafür war die Haltung aller fest 
und kräftig, und in den bärtigen tiefgebräunten Gesichtern der 
Offiziere wie der Soldaten lag ein so , wilder Trotz und so 
grimmige Kampffreudigkeit, daß man von diesen vielversuchten 
Schaaren schon das Aenßerste erwarten durfte. Und wahrlich, 
das hat dieses Snleiman'sche Korps auch geleistet, und wenn der 
Erfolg bisher auch nicht die Anstrengungen begünstigte, und die 
eigentliche Jochhöhe des Schipka-PasseS bis zum 30. August, 
wo ich nach Konstantinopel mich zurückbegab, noch immer in dem 
Besitz der Russen geblieben ist, so hat in diesem ganzen blutigen 
Kriege bisher - noch kein türkisches Korps mit größerem Herois- 
mus gekämpft als dies von den Truppen Suleiman Paschas ge- 
schehen ist. 
Als ich persönlich am 26. August ein Augenzeuge deS 
KämpfenS wurde, hatten die Türken bereits das bulgarische 
Dörfchen Schipka, das ungefähr 700 Meter von der eigentlichen 
Paßhöhe südwärts liegt, den Russen abgenommen. Nun folgten^ 
harte Kämpfe; denn die Russen verteidigten sich mit großer Bra- 
vour und wichen nur Schritt vor Schritt vor der bedeutenden 
Überlegenheit der Feinde zurück. Zwar vermochten die Türken 
auf der schmalen Straße auch nur mit verhältnißmäßig geringen 
Truppcnmassen anzugreifen, und auch die umliegenden Kuppen 
der Berge, welche sie sogleich richtigerweise besetzt hatten, um von. 
deren Höhen ein wirksames Feuer auf die tiefer stehenden Feinde 
zu eröffnen gestatteten keine größere Truppenentfaltung; allem 
sie hatten den großen Bortheil, daß sie ihre ermatteten Regimen- 
ter immer wieder durch neue ablösen und somit den Kampf mit 
immer frischen Kräften führen konnten. So hätten bereits am 
24. die Türken fast den Sieg erfochten. Die Höhe des Schipka- 
Passes selbst war von ihnen beinahe genommen, und auf dem 
Berge St. Nikolas, von wo aus man die tiefer liegende Partie 
des Joches bestreichen kann, standen bereits die türkischen Tirail- 
leurs. Da die Russen in den Tagen vom 21. — 25. August 
kaum über 4000 Streiter hier zählten, die alle schon seit drei 
Tagen unausgesetzt, ohne Ruhe und Rast und ohne die mindeste 
warme Nahrung, im Feuer gestanden hatten und daher auf das 
äußerste ermattet waren, so soll ihre Vertheidigung zuletzt nur 
schwach und ihr Feuer unsicher geworden sein. Hätte da Sulei- 
man Pascha am 25. August mit voller Kraft vorstoßen lassen^ 
so unterliegt es kaum einem Zweifel daß er den Paß erstürmt 
und die Russen bis Gabrowa zurückgetrieben haben würde. Allein 
er wollte sich nicht damit begnügen, sondern den stolzen Triumph 
feiern das ganze Corps gefangen zu nehmen, um es seinem 
Herrn, dem Padischah, als Gefangene vorzuführen, und die 
Richtigkeit des alten Sprichworts: „Wer zu viel haben will,. 
erhält nichts," erprobte sich auch dießmal wieder. Suleiman 
Pascha ließ am 24.—25. nicht kräftig in der Front angreifen, 
sondern suchte seine beiden Flügel weiter auszudehnen, um die 
Straße nach Gabrowa unterhalb der Paßhöhe zu'' gewinnen, so- 
mit das russische Corps zu umzingeln und dann gefangen zu 
nehmen. Es würde ihm dieß ohne Zweifel auch gelungen sein, 
wenn nicht in der letzten entscheidenden Stunde die Russen eine 
bedeutende Verstärkung erhalten hätten. Man hatte die Scharf- 
schützen mit Kosaken-Pferden beritten gemacht damit sie schneller 
von Gabrowa heraufgelangten , und gerade im entscheidenden 
Augenblick langten ihre ersten Spitzen an und nahmen sogleich 
am Kampfe theil. Fort und fort kamen jetzt neue russische 
Truppen an, der General Radetzki der den Donau - Uebergang 
bei Sistowa auf so energische Weise ausgeführt hatte, erschien, 
selbst und übernahm den Oberbefehl, und von da an war der 
Plan Suleiman Pascha's gescheitert und sein ungeheures Opfer 
von 10,000 Mann der besten Soldaten seines Corps ein ver- 
gebliches gewesen. (Schluß folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
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+ 8 
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Telegrafischer Kursbericht von Wie». 
19. Septbr. Silber . 105.10 
20-Frankenstück 9.40 % 
100 Reichsmark 57.70 
London 117.30 
Druck von Heinrick Graff in Feldkirch.
        

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