Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/139/
empfehlen, diesen günstigen Anlaß, die Fortschritte des Feuer- 
wehrwesenS mit eigenen Augen anzusehen, nicht unbenutzt vorü- 
vergehen zu lassen. Wenn auch nicht erwartet werden kann, 
baß die einzelnen Gememde-Feuerwehren sich gemeinschaftlich be 
theiligen werden, so dürfte es doch am Platze sein, wenn we- 
nigstens 1 — 2 Sachverständige aus jeder Gemeinde diese nahe 
Gelegenheit benützen würden. 
Vom Kriegsschauplätze. 
Seit einer Woche sind die Augen der Welt mit der größten 
"Spannung auf den Schipkapaß gerichtet, dort wird mit der 
größten Verzweiflung um den Besitz dieses wichtigen Balkan- 
Überganges gekämpft. Am 19. Aug. war das Dorf Schipka in 
die Hände Snleiman Pascha's gefallen, und am 21. schritt er 
zum Angriff auf den Paß selbst. Seit jenem Tage bis jetzt 
Mo volle 8 Tage lang, dauerte der Kampf, den die russischen 
Depeschen wiederholt als- einen verzweifelten und furchtbaren be- 
zeichnet haben. Mit einer solchen Ausdauer und mit einer solchen 
Todesverachtung im Angesicht der furchtbaren Schwierigkeit ist 
noch selten gekämpft worden wie es von den braven Truppen des 
türkischen Feldherrn geschehen ist. Gelingt denselben wirklich die 
Einnahme des Passes, so kann man wohl sagen: solchen Truppen 
kann keine Aufgabe gestellt werden welche sie nicht zu lösen ver- 
möchten, und nach den neuesten Nachrichten ist die Einnahme 
des Passes den Truppen Suleiman Pascha's gelungen oder 
jedenfalls nahezu gelungen. Den 26. August ist der General 
Doroschinsky, welcher die Vertheidignug des Passes leitete, ge- 
fallen. Ohne Zweifel hat er sich, in einem Augenblick wo seine 
^Stellung am gefährdetsten war, zur Ermunterung seiner erschöpf- 
ten Soldaten ins Vordertreffen gewagt. Man hat oft lesen 
können daß Suleiman Pascha am besten gethan hätte den Paß 
von hinten, vom Norden her, zu nehmen also über Bebrowa 
und Gabrowa anzurücken oder selbst mehr "westlich den Ueber- 
gang zu'versuchen. Es unterliegt keinem Zweifel daß der tür- 
tische Feldherr auch diese Eventualität erwogen hat, daß aber, 
da er nicht zu ihr griff, ihn die gewichtigsten Gründe veranlaßt 
haben den Stier geradezu bei den Hörnern zu fassen. 
Ueber die wichtigen Kämpfe bei Kissilar und 
Zaslar schreibt man der A. A. Ztg.: In der Nacht vom 
21. d. überschritt eine tussische Brigade, bestehend aus 8 Batail- 
lonen Infanterie, einem Ulanen-Regiment und zwei Batterien, 
von Jaslar kommend, den Lom Fluß und besetzte die Kirisen- 
Höhen. Am Morgen des 21. rückte diese Brigade in der Rich- 
tung auf Kütschükkiöi vor, plazirte dort Geschütze und eröffnete 
t>as Feuer gegen die gutverschanzte türkische Position bei Resim- 
Pascha-Kiöi. Während des heftigen Geschützfeuers besetzte die 
russische Infanterie und Kavallerie den Ort Kissilar und rückte 
von hier aus gedeckt gegen Kediovren vor. Mittlerweile hatte 
das intensive und wohlgezielte Feuer der Türken die russischen 
Batterien zum Schweigen gebracht. Auch wurde die vorrückende 
feindliche Infanterie zum Rückzug gezwungen und Kissilar von 
Baschi-Bozuks und Tscherkessen wiederbesetzt. Nun richtete sich 
bas türkische Feuer gegen die Kirisen-Höhen. Es entspann sich 
in dieser Richtung ein heftiger Kampf; ein Maierhof, östlich von 
Sultankiöi, wurde in Brand geschossen, worauf sich die Türken 
auf der Höhe festsetzten, nachdem die Russen sämmtliche Positiv- 
nen, mit Ausnahme einer Bergspitze, geräumt hatten. Der 
Hauptkampf war um halb 9 Uhr Abends beendet. Die Tirail- 
lenrs plänkelten bis Mitternacht. Am 22. um 9 Uhr Vor- 
mittags begann das Feuer neuerdings und wurden die Russen 
Aach kurzem Plänler-Gefecht aus ihrer letzten Position delogirt. 
— Ueber die Kämpfe vom 22. und 23. wird dem „W. N. 
Tagbl." aus dem Bivouac am Kirisen-Berg vor Jslar, 
24. August berichtet: 
„Nach dem Siege von Kissilar besetzte am 22. d. (Mittwoch) 
der rechte türkische Flügel die Jazlar dominirenden Kirisenhöhen 
bis zum Sahar Tepe mit V/% Bataillonen und 3 Gebirgsge- 
schützen. Diese wurden im Laufe des Nachmittags von den 
Russen attakirt, doch gaben diese wegen des schwierigen Terrains 
bald den Angriff auf. Nun rückten weitere 4*/ 2 türkische Ba 
taillone unter Assim Pascha auf die Kirisen-Höhe. Eine Batterie 
folgte denselben. Diese Truppen erreichten im Laufschritt die 
Verschanzungen und die Verhaue, worauf Jägergraben aufge- 
worfen und in dieser Position ein neuer Angriff erwartet würde. 
Um 6 Uhr Abends, nachdem die Russen von Jazlar aus zahl- 
reiche Verstärkungen an sich gezogen hatten, postirten sie ihre 
Artillerie beim Dorfe Eikardana gegenüber Sultankiöi, welches 
sich noch an dem rechten Lom-Ufer befindet, nnd beschossen die 
Türken aus 16 Geschützen dritthalb Stunden lang, worauf die 
russische Infanterie nach Entwicklung ihrer Eolonnen zum Sturme 
schritt. Die Türken ließen sie bis auf 500 Schritte herankom- 
men, dann demaökirten sie ihre Batterien, welche den Feind in 
ein furchtbares Kreuzfeuer nahmen. Die Russen zogen sich in 
Folge dessen zurück. Nach halbstündiger Pause bei mondheller 
Nacht wurde von ihnen mit frischen Truppen der Sturm er- 
neuert und abermals abgeschlagen. Um Mitternacht machten 
die Russen einen letzten Versuch, wobei, trotz furchtbaren Ver- 
lusten, sie bis nahe zu den Verschanzungen vordrangen. Dieß- 
mal waren die Türken nicht zu halten. Das sechste türkische 
Gardejäger-Bataillon stürzte sich mit dem Bajcnnett auf die 
russischen Sturm-Colonnen und warf sie nach einem nur fünf 
Minuten dauernden Handgemenge mit Ungestüm den Berg hinab. 
Auch der linke von Labyt Pascha kommandirte Flügel war gleich- 
zeitig nach einem einleitenden Artillerie-Kampfe durch eine von 
Kutschükiöi vordringende russische Brigade angegriffen worden, 
doch wurde hier gleichfalls der Feind zurückgetrieben. Am 23., 
Donnerstag, wurde mit Morgengrauen der Kampf erneuert. Nach 
fünf Stunden indessen erschütterte die türkische Artillerie die ruf- 
fischen Stellungen, demontirte zwei Geschütze und traf drei ruf- 
fische Munitionswagen, welche in rascher Aufeinanderfolge in die 
Luft flogen. Um 11 Uhr kam die Brigade Assim Pascha's 
im vollen Laufschritt die Höhe hinunter und stürmte Eikardana, 
welches von den Russen in wilder Flucht geräumt wurde. Nun 
jagten die Tscherkessen bis zum Ufer des Lom-Flusses denselben 
nach, und trieben die Ruffen vollends über den Fluß zurück. Auf 
dem linken Flügel, wo die Russen noch in Kutschükiöi standen, 
wurde hierauf von denselben ebenfalls, um nicht abgeschnitten zu 
werden, der Rückzng angeordnet. Russischeres war an diesen 
Kämpfen eine ganze Division aus vier Regimentern Infanterie 
nebst zehn Escadronen Kavallerie und vier Batterien engagirt. 
Eine dritte Brigade stand nordwestlich von Jazlar in Reserve. 
Die Russen ließen 400 Todte und etwa 1000 Verwundete auf 
dem Schlachtfelde zurück. Die türkischen Verluste waren wegen 
der gedeckten Position mäßig. Die türkischen Vorposten wurden 
hart bis an das Ufer von Jazlar vorgeschoben. Ich wohnte- 
diesem Gefechte, wie am Dienstag persönlich bei." 
Der Armee Suleiman Pascha's stellt ein Kriegskorrespondent 
des „Temps," der sich in Suleimaus Hauptquartier befindet, 
u. a. folgendes Zeugniß aus: 
„Ich muß der Mannszucht des größten Theiles des von 
Suleiman Pascha befehligten Heeres Gerechtigkeit widerfahren 
lassen. Dieses allermeist aus Regulären bestehende Heer hat den 
Feldzug von Montenegro hinter sich. Es kam vor einem Monat 
aus Antivari; seine Landung fand in Dede-Agatsch statt, von 
wo eS mit der Eisenbahn nach Adrianopel und dann nach Kara- 
bunar gebracht wurde, dem Hauptquartier und Ausgangspunkt 
der Expedition Nach Jeni-Sagra und Eski-Sagra. Diese re- 
guläreu Soldaten, in der Stärke von 40—45,000 Mann, haben 
als Bekleidung nur alte zerrissene Uniformen, als Schuhzeug nur 
Tuchfezen und Lederstücke, als Nahrung Zwieback, manchmal 
Reis und Wasser. Die Sonne ist glühend, die Etappen lang: 
das macht ihnen nichts aus; die armen Leute haben im Westen 
gekämpft, sie kommen frohen Muthes, um im Osten der euro 
päischen Türkei den Erbfeind zu bekämpfen. Sie sind gekommen
        

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