Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/124/
kommende Equipagen, in denen sich eine sehr feine Reisegesellschaft 
befand. Dieselbe hatte alsbald die trostlose Situation des andern 
Geschirrführers überblickt und legte nun fest mit Hand an, um 
dessen Gefährt wieder in die Höhe zu helfen. Nach längeren 
Arbeiten wurde endlich der gewünschte Zweck erreicht und da ein 
Herr von der Reisegesellschaft inzwischen auch den Vorstecknagel 
wieder gefunden, so war alsbald alles wieder in schönster Orb- 
nung. Das Graubündner Bäuerlein bedankte sich tausend Mal 
für den ihm geleisteten Dienst und wollte wieder von dannen 
fahren; der Herr aber, der bei dem ganzen Rettungswerk die 
Seele gewesen und der auch den Vorstecknagel wieder herbeige- 
schafft, lud es ein, nach dem gehabten Schreck an einem kleinen 
Mahle Theil zu nehmen, das im Freien veranstaltet und 
Hessen Bestandtheile aus einem der Wagen herbeigeholt wurden. 
Bei diesem Mahle ging es recht lustig und heiter zu, namentlih 
aber erreichte die humoristische Stimmung ihren Höhepunkt, als 
der Bauer erfuhr, daß sein Retter in der Roth der König 
von Sachsen, welcher in Ragaz zur Kur sich aufhielt, ge 
wesen sei, und über diese Aufklärung aus einer komischen Ver- 
legenheit in die andere gerieth. Später soll er nicht müde ge- 
worden sein in seiner Heimath zu erzählen, daß ein König ihm 
seinen Vorstecknagel gesucht habe. 
* Von Ameisen getödtet. In einem nahe bei Katto- 
Witz in Preußisch-Schlesien gelegenen Walde wurde jüngst ein 
auf einem Ameisenhaufen liegender. Arbeiter gefunden. Derselbe 
hatte sich in trunkenem Zustand dort niedergelegt, um seinen 
Rausch auszuschlafen. Die gefräßigen Waldameisen machten sich 
über den hilflos Daliegenden her und zerfraßen ihm das Ge- 
ficht, die Zunge und den ganzen übrigen Körper. Vorüber- 
gehende fanden endlich den beklagenswerthen Menschen in seinem 
entsetzlichen Zustande .und schafften ihn in seine. Wohnung, wo 
er bald darauf seinen Qualen erlag. 
* London in Zahlen gefaßt. «Die Hauptstadt des 
brittischen Weltreichs hat von Osten nach Westen eine Länge 
von 25, eine Breite von 12—13 Kilometer; die Oberfläche 
beträgt 34,000 Hektaren, also 7 mal so viel als Paris inner- 
halb der Befestungen. Die 4,500,000 Einwohner leben in 
24,000 Straßen und wenn man sie an einander reiht, kommt 
eine Strecke heraus, die so lang ist wie die von London nach 
Point de Galle auf Ceylon. Der jährliche Gasverbrauch beträgt 
11,000,000 Mille Kubikfuß, wovon 14,000,000 unnütz ver- 
loren gehen; 490,000 Brenner verbrauchen in 24 Stunden 
19 Mill. Cnbikfuß. Die Londoner können, wenn sie wollen, 
in etwa 1000 Kirchen und Bethäusern ihre Andacht verrichten, 
die Zahl der Tavernen beträgt mehr als 4500. Im Durch- 
schnitt kommen 2608 Selbstmorde auf das Jahr und 239 
Todesfälle anf Leute, die lebendig verbrennen. 
* Bestrafter Uebermuth. In Kyritz bei Potsdam 
ist einer Thierquälerei die Strafe auf dem Fuße gefolgt. Der 
Fall ereignete sich Abends nach Beendigung der Vorstellungen 
voft Meyer's amerikanischem Cirkns, der darauf nach Dresden 
abging. Die zum Cirkus gehörenden acht Elephanten sollten 
nach Guppin transportirt werden und es waren dieselben zu 
dem Zwecke gegenseitig mit Ketten gekoppelt auf -die Straße ge- 
führt worden. Um sich sein Pferd zu holen, hatte der Führer 
des Transportes die Thiere auf einige Zeit verlassen und diesen 
Augenblick benutzte der Böttchermeister N...., um an die 
Elephanten heranzutreten und einem der jüngeren Thiere einen 
Schlag zu versetzen. Kaum war dies geschehen, so erfaßte der 
große Elephant den Mann mit dem Rüssel und warf ihn so 
heftig zur Erde, daß der Tod desselben auf der Stelle erfolgte. 
Der Mann soll übrigens schon am Mittag desselben Tages 
versucht haben, die Elephanten zu reizen, war aber von dem 
Wächter gewarnt und schließlich auch aus der Bahn entfernt 
worden. 
* Verschwinden eines Berges. Ueber eine ebenso 
seltene als schreckliche geologische Erscheinung wird in einem aus 
Szaß-Veßßös im Klein-Kokelbnrger Komitate, (Ungarn) an de 1 * 
vom Unglücke betroffenen Grundbesitzer Grasen Ludwig Degen- 
feld gerichteten Privatschreiben. Nachfolgendes berichtet: Der 
dritte Theil unserer Weinberge ist "faktisch von der Erdoberfläche 
verschwunden und in die Erde versunken, der andere Theil ist 
abgerutscht. An Stelle des versunkenen Theiles dehnt sich jetzt 
ein großer Teich aus. Von den Bergabhängen quillt in einer 
Ausdehuung von 12 Klaftern die feuchte Erde hervor, wie 
flüssiges Pech, wodurch ca. 150 Joch mit Schlamm bedeckt und 
unbrauchbar wurden. Die hohen Berge vor und hinter dem 
Akazienwalde sind in die Thäler gerutscht. Auch die Wiesen 
beginnen langsam zu sinken, ebenso ein Theil der Wälder. Hin- 
sichtlich der Fütterung der Nutzthiere sind wir sehr behindert, 
denn man kann sie nicht auf die Weide treiben, ohne zu be- 
fürchten, daß eines oder das andere der Thiere im Schlamm 
stecken bleibt, wie es unlängst 4 Kühen erging, welche mittelst 
Seilen von dem Tode des Erstickens gerettet werden mußten. 
Der ganze Ort hat eine veränderte Gestalt erlangt; aus 
den Bergen haben sich Niederungen und aus den Niederungen 
Berge gebildet. Ebenso entstanden auf den Bergen Teiche. 
Auch das Weingebirge der Ortschaft (40 Joch) ist zum Theil 
abgerutscht, zum Theil versunken; ebenso ist auf den Wiesen 
nichts als Verwüstung wahrnehmbar. In den Weingärten sind 
ganze Tafeln versunken. Das in der Erde gesteckte Ende der 
Weinstöcke steht nun zu oberst, und eine Tafel sank 2 Klafter 
tief in die Erde, an deren Stelle ein 6 Klafter breiter und 12 
Klafter langer Teich entstand. Alle diese Erscheinungen und 
Schäden sind, wie der Briefschreiber sagt, die Folge ununter- 
brochener Regengüsse, die seit drei Monaten anhielten. Die Ver- 
Wüstung ist eine so fürchterliche, daß der größte Theil derselben 
nicht wieder gut zu machen ist. 
* Die in's Unglaubliche gehende Theilvarkeit des Goldes ist 
durch ein Experiment von dem Franklininstitut in Philadelphia 
auf's Nene in erstaunlicher Weise illustrirt worden. Hr. Ou- 
terbridge, ein Angestellter der dortigen Münze, stellte auf elek- 
trischem Wege (durch einen äußerst feinen Niederschlag von Gold 
auf Kupfer, der sich loslösen ließ) ein Goldblatt her, welches 
10,000 Mal dünner ist als Schreibpapier und von welchem 
man 2,789,000 Stück auf einander legen müßte, um die Höhe 
eines Zolles zu erreichen. Die Lichtstrahlen, welche durch dies 
unendlich dünne Goldblatt fallen, erscheinen grün gefärbt. 
Verantwortlicher Redakteur ».Herausgeber : v?. Rudolf Schädler. 
Thermometerstand nach Reaumur in Bäduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juli 
25 
+13 
+ 15 
+ 11 
trüb; Reg. 
rt 
26 
+11 
+ '18 ! /i 
+ 15 
trüb 
» 
27 
+13 
+ 17% 
+ 14% 
halb hell 
tt 
28 
+ll 3 /4 
+ 14 
+ 13 
trüb; Reg. 
tt 
29 
+11 % 
+ 13 
+ 13 
rt „ 
H 
30 
+ 9 
+ 18 
+ .18 
hell 
D . 
H 
31 
+12 
+ 20 
+ 19% 

Telegrafischer Kursbericht von Wien» 
1. August Silber 108.60 
20-Fraukenstück 9.86 
100 Reichsmark 60.50 
London 123.40 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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