Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1877
Erscheinungsjahr:
1877
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1877/108/
Krieg an der Donau zweckmäßig verwenden könnte. Wahr- 
lich, ich beneide meinen Landsmann Hobart jetzt um seine 
Stelle als Admirat der türkischen Flotte; Venn er hat eine 
ungemein ehrenvolle und erfolgreiche Thätigkeit, aber er ist 
mich ein brtttischer Seemann vom Scheitel bis zur Fußsohle 
und ganz der Mann um seinen Posten auszufüllen. Hätte 
der Padischah nur ein paar Dutzend ähnlicher Männer als 
höhere Befehlshaber in seinem Dienst, wahrhaftig, eS sollte 
den Russen schwer werden die Türkei zu zertrümmern, und 
sie sollten sich schon die Zähne ganz gewaltig an diesem harten 
Bissen stumpf beißen. So aber fürchte ich alles, und wie 
mir ein Freund und Landsmann schreibt, soll es auf dem 
astatischen Kriegsschauplatz verzweifelt schlecht für die Türken 
stehen. Wie konnte man aber auch wohl einen Mann wie 
den gänzlich unfähigen, trägen, in stete Indolenz versunkenen 
Mukthar Pascha zum Oberbefehlshaber auf diesem so äußerst 
Wichtigen Posten ernennen. Wahrlich, ich wollte kaum meinen 
Ohren trauen als ich zuerst seine Ernennung hörte, und nicht 
Weinen Augen als ich die offizielle Nachricht davon las. Im 
vorigen Jahre, in dem Felvzug gegen das Häuflein Monte- 
negrincr, blamirte dieser Mukthar sich auf das äußerste, erlitt 
stete Niederlagen und war von unsäglicher Faulheit und Sorg- 
losigkeit, und zum Lohn dafür gibt man ihm den schwierigsten 
und verantwortlichsten Posten in der ganzen Türkei, der einen 
Mann von seltener Umsicht und Thatkrast erfordert. Wahr- 
lich, da hört doch alles auf! Aber diese Palast-Jntriguen 
und Serail-Kabalen in Konstantinopel haben auch jetzt, in 
der Stunde der alleräußersten Gefahr, nicht ihr Ende erreicht, 
und bringen die Türkei ungleich leichter in den tiefsten Ab- 
grund alles Verderbens a!S sämmtl'che Kanonen und Kosaken 
deS Czaren dies jemals gethan haben würden. 
Daß Ardaghan von den Russen erstümrt werden konute, 
ist ein harter Schlag für die Türken: denn der Weg nach 
Erzerum steht ihnen jetzt offen, und ist auch letzteres besetzt, 
so ist ganz Türkisch-Armenien in ihrer Gewalt. Die Festung 
Batum wird ohne eine Flotte zwar niemals von den Russen 
genommen werden können, und ist landwärts fast unangrejf- 
bar; allein ihre Lage ist sehr isolirt und ohne sonderliche 
strategische Bedeutung. Jetzt kommt in Asien alles darauf an 
wie lange KarS sich hält. Ich hoffe das Beste, und wünsche, 
daß die russische Fahne niemals auf dessen Trümmern weben 
möge. Im letzten orientalischen Krieg leistete KarS länger 
als acht Monate einen verzweifelten Widerstand und konnte 
nur mit Berkust von 10—15,000 Mann von den Russen end- 
lich genommen werden, und seitvem ist eS durch neue Werke 
wesentlich verstärkt und trefflich armirt worden. Mehrere 
frühere englische Artillerie- und Ingenieur-Offiziere'werden 
übrigens jetzt nach KarS gehen unv den dortigen Widerstand 
kräftigen Helsen. Mögen ihre Bemühungen den besten Er- 
folg haben, dieS wünsche ich als Engländer von ganzem 
Herzen, unv jeder Feind der Panflapisten muß diesen Wunsch 
mit mir theile». 
Reueste Rachrichte« vom Kriegs- 
fchauplatze. 
Wie«, 2 Juli. Das ,N. W. Tagbl." meldet aus 
Schumla, 30. Juni: Die Russen wurden an der Zantra- 
brücke, deren sie sich bemächtigen wollten, bei Bjela zurückge. 
schlagen. — DaS Bombardement von Rustschuk dauert fort- 
Die Gebäude sind größtemheilS zerstört, die Batterien dagegen 
intakt. — Der Bahnverkehr zwischen Tschernawoda und Kü- 
stendsche und der zwischen Rustschuk und Varna ist ungestört. 
— Die .Presse" meldet aus Danilowg rad, 1 Juli: Die 
montenegrinischen Corps erwarten in günstiger strategischer Gt- 
birgSposition einen vereinigten Angriff von Suleiinan Pasch# 
und Ali Salb Pascha aus der Ebene von Podgoritza. 
# 
* * 
Wien, 3. Juli. DaS^N. W. Tagbl." meldet auSTurn- 
Severin: In der Nacht aus den 1. d. ward bei Tschetate 
(nördlich von Widdin) der Uebergang der ersten rumänischen 
Truppen bewerkstelligt. Ä< sind vorläufig 2000 Mann auf 
das bulgarische Ufer vorgeschoben. Von Kämpfen hiebei ver- 
lautet nichts, doch wird bei Florentin ein Gefecht erwartet. 
Bei Grudscha wird eine Brücke gebaut für den Uebergang der 
rumänischen Hauptmacht. Bei Turn-MagureUi passirten 60,000 
Russen die Donau unter heftigen Kämpfen und großen Ver- 
lusten. — Die .Presse" meldet auS Buka r est: Nach drei 
fachem gestrigem heftigem Zusammenstoße besetzten die Russen 
die alte Zarenstadt Tirnowa. — Der Fürst Tscherkaßky, der 
russische Civilgouverneur von Bulgarien, hat die Verwaltung 
angetreten und das Post- und Telegraphenwesen eingerichtet. 
— Sieben türkische Monitors find bei Wilkow im Kilia-Arm 
eingetroffen. 
Wien, 2 Juli. Die „N. Fr. Pr." enthält folgende Te- 
legramme: Konstantinopel, 2. Juli: Die in der Ge 
gend von Alaschkett operirenve russische Division wurde in'Folge 
siegreicher türkischer Angriffe zum Rückzüge gezwungen und be, 
ging auf demselben Akte der Grausamkeit und Barbarei Allr 
berührten türkischen und christlichen Ortschaften wurden von 
ibr zerstört, geplündert und angezündet und drei Frauen grau- 
sam getödtet. Diese Thatsachen wurden von dem bei Wan 
stehenden türkischen Kommandanten gemeldet und von den 
Korrespondenten auswärtiger Blätter bestätigt — Aus W i d- 
din, 2. Juli. DaS türkische Casematt-Kanonenboot „Podga* 
ritza" bohrte bei Rahowa einen russischen mit Munition bela- 
denen Dampfer in den Grund. — Aus Galatz 2. Juli: 
Die englischen Consuln in Galatz, Braila unv Sulina erhiel- 
tefl den Beiehl über russische „Scheußlichkliten" in der Dob- 
rubscha Erhebungen anzustellen. Der russische Kommandant 
von Madschin erklärte das Gerücht, eS seien Frauen an ihren 
eigenen Gedärmen aufgehenkt worden, für falsch; die einzigen 
Exzesse die vorgefallen seien, rühren von Bulgaren her, welche 
türkische Häuser geplündert haben. Der einzige Zeuge für die 
auf vem Schlachtfelde begangenen Grausamkeiten, der Pope 
von Madschin, habe sich geweigert, die verschonten Leichname 
ausgraben zu lassen. Es ist hierüber ein Consularbericht nach 
^London abgegangen. — AuS Krakau, 2. Juli. Einem 
Adrianopeler Bericht des „CzaS" zufolge werden die Balkan- 
Übergänge insbesondere bei Sophia, Schibka, Sliwon, Philip- 
popel und Adrianopel, sowie auch Konstantinopel, letzteres vom 
Marmara- bis zum Schwarzen Meer eilends befestigt 
Verantwortlicher Redakteur «.Herausgeber: vi-.RudolfSchädler. 
Telegrafischer Kursbericht von Wie«» 
5. Juli Silber. . . 109 20 
20-Frankenstück 10.02 % 
100 Reichs-Mark 61.70 
London 125.30 
Druck von Heinrich Graff in Feldtirck.
        

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