Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/99/
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gibt man sich allerwärtS alle Mühe den Verkehr so schnell als 
Möglich wieder herstellen zu können. 
Triefen, 18. Juni. (Eingesendet!) Anläßlich der letz, 
ten, wenn auch nicht gefährlichen Rheingröße, dürfte eS den- 
noch am Platze sein, die Aufmerksamkeit auf eine Stelle im 
TriesnerkorrektionSgebiete zu lenken die man allgemein als "ben 
Schlüssel des Landes zu bezeichnen pflegt. Es ist damit die 
Binnendammstelle beim Triesner-Drachterwuhr gemeint, welche 
auffallender Weise 2—3' niedriger als die weiter unten ge- 
legem Dammstrecke gehalten ist. Sollten wir eine Rhemgröße, 
wie wir st* in den letzten 5 Jahren schon erlebt haben, wieder 
bekommen, so liegt die Gefahr eines Wasserübertrittes an jener 
Stellt ziemlich nahe, wenn man bedenkt, daß das zwischen 
dem neuen Hochbau und dem alten Drahterwuhr sich auS- 
breitende Rheinwasser durch diese Ausbreitung und Stauung 
das Land wesentlich erhöhen wird. Diese Gefahr wird aber 
bedeutend gesteigert, wenn unglücklichen Falls auf der Triesner- 
oder BalznerheilloSstrecke ein Durchbruch zu Stande käme. Bei 
der Möglichkeit und Tragweite einer solchen Gefahr dürfte 
deßhalb die Frage aufzuwerfen sein, ob jene Dammstrecke nicht 
sofort schon auf eine genügende Höhe und Stärke gebracht 
werden sollte. 
Ausland. 
-Deutschland. Fürst BiSmark ist in Kissingen zum Kur- 
gebrauch eingetroffen. 
Oesterreich. Wie man vernimmt, steht dieser Tage eine 
Zusammenkunft der Kaiser von Oesterreich und Rußland bevor, 
an welcher auch der österr. Reichskanzler Graf Andrassy Theil 
nehmen soll. 
Türkei. Die Nachrichten deö Schreckens und der Ueber- 
raschung aus Konstantinopel mehren sich; so meldete der Te- 
legraph in den jüngsten Tagen die Ermordung von zwei tür- 
kischen Ministem. 
Die auS Konstantinopel eingetroffenen Aufklärungen des 
Vorgangs lassen das Ereigniß nur als einen Akt der Privat- 
räche erscheinen, den ein früherer Adjutant Hussein Ävni 
Pascha's, ein Circassier NamenS Hassan, verübte um sich für 
seine TranSferirung und eine damit im Zusammenhang stehende 
diSziplinäre Abttrafung zu rächen. Wie man erfährt, suchte 
der Mörder den Kriegsminister zuerst in seinem PalaiS auf 
und drang dann, als er hörte, daß die Minister einem 
Tonseil bei Midhat Pascha beiwohnen, in den BerathungSfaal 
ein, wobei ihm seine frühere Stellung als Adjutant den Zu- 
tritt erleichterte. Hussein Avni Pascha fiel als erstes Opfer, 
Raschid Pascha sowie ein Diener fielen bei dem Versuche sich 
deS Mörders zu bemächtigen unter den Schüssen die er aus 
seinem Revolver abfeuerte. Der Mörder wurde schließlich be- 
wältigt und in Gewahrsam gebracht. So lautet die offizielle 
Darstellung deS Vorgangs seitens der Pforte, und in dieser 
Form, die auch nichts Unglaubwürdiges an stch trägt, verliert 
der Mord an sich wenn man von den Persönlichkeiten, die 
zum Opfer fielen, absieht, jeden politischen Charakter. In die 
neueste Phase der inneren Entwicklung der Türkei wird das 
Creigniß nichtsdestoweniger störend eingreifen, denn in die 
Uebereinstimmung, die stch unter dem Drucke der äußeren Ver- 
Hältnisse wie der inneren Lage unter den gegenwärtigen Macht- 
Habern am goldenen Horn etablirt hatte, erfolgt damit ein 
gewaltiger Riß. 
Von der bosnisch-kroatischen Griinze geht der „Polit. 
Eorr." ein Bericht zu, demzufolge der Aufstand nichts weniger 
als beruhigt erscheint. ES heißt darin: „Die Insurrektion in 
Bosnien hat Dimensionen angenommen daß eS den Türken 
große Kraftanstrengungen kosten wird sie gewaltsam zu unter- 
drücken. Die beste Karaula am Wege zwischen Kostajnitza 
und Priedor wurde am 8. d. Nachmittags von den vereinigten 
TschetaS deS Marco Bajalitza und Gjenadija angegriffen. Die 
in Rede stehende Karaula ist ein fester zumeist aus Stein auf 
einer Anhöhe aufgeführter, 10 Klafter langer Bau, ist mit 
zahlreichen Schießscharten versehen und faßt nötigenfalls auch 
1000 Mann Besatzung. Alle diese Umstände bestimmten die 
Insurgenten gegen diese, die Hauptverkehrsader zwischen Kroa- 
tien und NordboSnien beherrschende Karaula einen Handstreich 
zu unternehmen. Sie umzingelten die Karaula und forderten 
die Besatzung auf sich zu ergeben. Die Türken weigerten sich 
anfangs. Nachdem sie aber gewahr geworden, daß die Jnfur- 
genten mit Munition, Brandraketen, Dynamit, Pechkränzen:c. 
wohl versehen seien, ließen ste sich in Unterhandlungen ein, 
die endlich auch zum Ziele führten. Die über 100 Man« 
starke Besatzung kapitulirte und konnte mit Hinterlassung fämmt- 
licher Waffen, Munition und Proviantvorräthe abziehen. Die 
Karaula wurde darauf in Brand gesteckt, der Steinbau mit 
Dynamit in die Luft gesprengt, und heute bezeichnet bloß ein 
Schutthaufen die Stelle wo die mächtige Karaula Bosniens, 
Zelovatz mit Namen, gestanden ist. Die Karaula Jelovatz 
hat in Bosnien diejenige Bedeutung wie Gatschko in der 
Herzegowina. Die Kriegführung in Bosnien bewegt sich über- 
Haupt in letzter Zeit in ganz anderer Gestalt als vor einigen 
Monaten. Während die Insurgenten bisher Morden, Sengen 
und Brennen als unbedingt nöthig hielten, trachten ste heute 
durch humanes Vorgehen die Besatzung einzelner Kulen und 
Karaulen mürb zu machen. Ebenso wie die Karaula -JelovaK, 
ergab sich auch die Kula Reljitsch-Kamen an der Sana, wo 
die gleichfalls etwa hundert Mann starke Besatzung ungehindert. 
abziehen konnte. Letzten Montag nahm die Tscheta das Baja 
litza und Gjenadija unweit der Stadt Kozaratsch (auf der 
Hauptstraße Novi-Predor-Banjaluka) einen größeren TranS- 
Port von Munition und Proviant, der für Selim Pascha be- 
stimmt war, welcher mit einigen tausend Mann regulärer 
Truppen — Asker und RedifS — in Predor steht. Der 
Transport hatte eine Bedeckung von nur 36 Mann. Vier 
BegS aus Banjaluka, welche stch nach Novi begeben wollten, 
schlössen sich dem Transport an. Die Insurgenten erhielten 
von der Expedition durch ihre Kundschafter Nachricht, fielen 
dieselbe an und nahmen ihr ohne Mühe ibre Beute ab. Elf 
Türken fielen, die übrigen entflohen; die vier BegS fielen in 
Gefangenschast und wurden, nachdem dieselben durch den sofort 
zusammengetretenen KriegSrath als Bedrücker der Raja er- 
kannt worden, zum Tode durch Pulver und Blei verurtheilt, 
welches Urtheil auch sofort in Ausführung gebracht wurde. 
Die erbeuteten Gegenstände wurden in das Lager in der 
Kozara-Plainna in Sicherheit gebracht." 
Vermiedenes. 
* Ein redender Hund. Ein lustiges Bauchredner- 
stückchen wird von Siegmey in der „Berliner Bürger Ztg." 
wie folgt erzählt: 
„Ein lockerer Studio kam hundemüd' mit seinem „Siegel" 
so nannte er eine fröhliche Bernhardiner Dogge, welche ihm 
lustig um die leeren Taschen herumsprang, nach Zürich. „Sie- 
gel" hatte Appetit, sein Herr ditto, aber die Baarschaft hatte 
in der Freiheit der Natur — o, ihr bösen Hotelwirthe! — 
ein Ende genommen. Für einen Studio hat dies weiter nichts 
zu bedeuten, und frisch, frei, froh, fromm setzte er sich an die 
table d'hdte deS seeumrauschten „Baur au lac". Reben ihm 
und um ihn herum Russen, Engländer, Franzosen und sonstige 
auf Reisen unvermeidliche Zwischenfälle masvulim und fetaini- 
ni gencris. Die Suppe wird aufgetragen — „Kellner l eine 
Flasche Sekt", und AlleS geht gut! Da plötzlich knurrt „Sie- 
gel". Die Bestie hat Hunger! denkt der Meister Studio. 
„Tout & l'heure, mon petit!" ruft er dem Hunde zu und reicht 
ihm ein Stück Brod. „Danke!" tönte es vernehmlich von 
unten. (Wir wollen den Lesern sogleich die Pointe verrathen.
        

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