Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/94/
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man, krank geworden, früher und sicher sterben müsse, weil man 
die Hülfe eines ArzteS sucht. 
Die Lebensversicherung besteht nun darin, daß gegen eine 
jährliche, verhältnißmäßig geringe Einzahlung (Prämie) die 
Versicherungsgesellschaft die Verpflichtung übernimmt, beim Tode 
des Versicherten die versicherte Summe an dessen Erben zu be- 
zahlen, auch wenn die Prämie nur einmal bezahlt worden 
wäre und der Tod dann gleich erfolgen sollte. Oder wenn 
Jemand sich bis auf ein b.estimmtes Lebensalter (alterna- 
tiv) versichert, zahlt die Gesellschaft bei Erreichung dieses Le- 
benSalterS die Summe an den Versicherten, bei früher erfolg- 
tem Tode an dessen Erben. Diese zwei Formen der Lebens- 
Versicherung sind die gewöhnlichsten; andere Formen der Ver- 
sicherung können auf Verlangen gewählt, gewählte später wie- 
der abgeändert werden. In jedem Falle hört bei erfolgtem 
Tode die Prämienzahlung auf. Auch wer später seine Prämie 
nicht mehr bezahlen konnte, verliert in diesem Falle von dem 
bislang Eingezahlten nichts, da es ihm jederzeit unbenommen 
bleibt, eine andere Versicherungsform einzugehen, wobei nur die 
frühere Versicherungssumme nach Verhaltniß reduzirt wird, der 
Versicherle aber weitere Prämien nicht mehr zu bezahlen hat. 
Solchen, welchen die Bezahlung der vollen Prämie von An- 
fang an schwer fallen würde, wird der Beitritt mit ermäßigter 
Prämie für die ersten fünf Versicherungsjahre — auf Ver- 
langen — gewährt. 
Beitrittsatter zur Lebensversicherung nicht unter 15 und 
— in der Regel — nicht über 60 Jahre. Je jünger 
man beitritt, desto kleiner ist die jähr!. Prämie. Niederster Be- 
trag der Versicherungssumme KHK) Mark, höchster 60,000 
Die A ltersverficherung kann beginnen gleich bei der 
Geburt eineS Kindes oder eS kann der Beitritt beliebig in 
späteren Lebensjahren erfolgen. Hier handelt es sich entweder 
um einmalige oder jährliche Einzahlungen, um in einem 
bestimmten Lebensalter eine gewisse Summe erheben zu können; 
die Versicherungssumme kann von 50 M. an beliebig hoch 
gegriffen werden und zwar schließt man Versicherungen ab nnt 
oder ohne Rückvergütung im Falle des früheren Todes. 
Die Altersversicherung ist eigentlich ein Sparhafen, in welchen 
auch kleine jährliche Ersparnisse nutzbringend gelegt werden 
können, da den Versicherten die gemachten erhöhten Einnahmen 
der Gesellschaft in Form von Dividenden zu gute kom 
mend Bei den Lebensversicherten sind diese Dividenden sehr 
bedeutend, 38—39 % der jährlichen Prämie 
Die eifrige Betheiligung an den geschilderten Versicherungen 
wäre ein treffliches Mittel, die soziale Frage theilweise zu lö- 
sen, denn sie gewähren beim zeitigen Hingange des Familien 
vaters den Hinterbliebenen eine augenblickliche Hülfe, wodurch 
manche Roth gemildert, manche Thräne getrocknet wird; sie 
nöthigen zur Sparsamkeit, um rechtzeitig die Prämien erlegen 
W können; auch verpflichtet die Lebensversicherung zu einem 
soliden Lebenswandel, der statutenmäßig gefordert wird, wenn 
die Versicherung in Kraft bleiben sott. 
Wenn aber der Familienvater das theilweise Wohl der 
Seinen, jeder Versicherte einen Theil seines Vermögens, seiner 
Ersparnisse einer Gesellschaft anvertraut, so muß er — zumal 
in unserer Zeit deS Schwindels, des B-trugS und der Krache 
— die Solidität, Sicherheit und Billigkeit derselben gründlich 
in Betrachts ziehen. In dieser Beziehung bietet die von dem 
Unterzeichneten vertretene Anstalt, dieLebensversicher- 
ungS- und Ersparnißbank in Stuttgart alle und 
jede Gewähr. DaS Institut beruht auf Gegen seitigkeit (ist 
nicht Aktiengesellschaft, wo die Aktionäre zuerst das Fett 
abschöpfen, ehe man an die Versicherten denkt), aller Ge- 
winn kommt nur den Versicherten zu gut abzüglich 
der geringen Verwaltungsunkosten. Die Anstalt steht unter 
Staatsaufsicht und hat seit ihrem Bestehen vom Jahre 
1854 gar keine Verluste erlitten, auch nicht im Jahre 
des großen Krachs 1873. Der Bankfond betrug am Schlüsse 
des JadreS 1875 19.416,485 Mark, welche sicher und mög- 
lichst nutzbringend angelegt sind. Jedes Jahr wird ein Re 
chenschaftsbericht veröffentlicht, der über die Vermögenslage ac. 
genaue Auskunft gibt. Der letzte von 1875 weist sehr gün 
stige Ergebnisse nach Bei den Lebensversicherten ergibt sich 
ein reiner JahreS-Ueberfchu ß von 1.144,954 69 M., 
wodurch sich eine Dividende von 39,88% ergibt. Auch bei 
den Altersversicherten wurde ein Jahresgewmu von 14,605.gz. 
M. erzielt. 
^ Die Anstalt genießt aber auch in Deutschland, in der 
Schweiz und zum Theil in Oesterreich allgemeines Vertrauen. 
Ende 1875 gehörten derselben an 25,645 Personen mit einer 
Versicherungssumme von 102,607,621 M., und vom 1. Ja- 
nuar bis Ende Mai d. I. sind weiter beigetreten 1364 Per- 
sonen. 
Durch die hohe Dividende bei den Lebensversicherten min- 
dert sich die tarifmäßige Prämie sehr herab und zahlt z. B. 
ein im 30. Jahre Beitretender statt M. 24 gg abzüglich der 
Dividende von 38% nur noch M. 15.25« 
Wer noch im Laufe des MonatS Juni d. I. bei- 
tritt, ha: Antheil an dem Überschüsse dieses Jahres. 
Prospekte und Statuten stehen zu Diensten und ist der 
Unterzeichnete zu jeder gewünschten Auskunst stets bereit und 
ladet zum Beitritt ein. 
Oberlehrer H i n g e r. 
Baduz, den 12. Juni. Zu Frastanz brach letzten Diens- 
tag Morgens um 7 Uhr in der Baumwollspinnerei des Hrn. 
Kar! Ganahl während der Arbeit im Spinnsaal im dritten 
Stocke in Folge ungenügenden Einölens an einer Spinnmaschine 
Feuer aus, zerstörte das dritte Stockwerk bis auf einen Seiten- 
flügel gänzlich und das zweite Stockwerk größtentheüs. Auch 
im ersten Stock und ebener Erde sind die Maschinen, Böden:c. 
durch Feuer und Wasser arg beschädigt worden. Der Schaden 
wird auf mehr als 100,000 Gulden geschätzt. Gebäude und 
Maschinen sind versichert. 
Baduz, den 13. Juni. Auf die Reihe schöner sonniger 
Tage, welche der scheidende Mai und der beginnende Juni uns 
bescheerten, folgten Ende der letzten Woche nach einem heftigen 
Föhnwinde äußerst ergiebige Regengüsse, die durch 2 Tage an- 
hielten unv der Feuchtigkeit bedürfenden Pflanzenwelt das nö- 
thige Naß in reichem Maße gespendet haben. Da der Regen 
im Anfang über Spitz und Berg ging und zu dem die Schnee-« 
schmelze durch den vorangegangenen Föhn im besten Zuge war, 
so wurde mit Recht ein gefährliches Steigen deS Rhein-nassers 
befürchtet; doch kamen diese Befürchtungen nicht zu Stande, 
indem der höchste Wasserstand an der Vaduzer Rheinbrücke 9 
Fuß nicht überschritt. 
Nicht so günstig lauten die Nachrichten, welche fortwährend 
aus den Kantonen St. Gallen und Thurgau einlaufen und 
von großen Überschwemmungen melden. Die Murg und die 
Thür haben Häuser, Brücken unv den Bahnkörper zerstört. In 
Frauenseld sind einige Menschen ertrunken. Der Schaden wird 
jetzt noch alS unberechenbar dezeichnet. Die Rheinhöhe bei 
Basel betrug am 12. Juni 15 y 2 Fuß. 
Ausland. 
Deutschland. Die am 1. Dezember 1875 im ganzen 
Deutschen Reiche stattgefundene Volkszählung hat 42,757,812, 
resp. für 4 Jahre einen Zuwachs von 1,699,020 Einwohnern 
ergeben. Auf die einzelnen Staaten vertheilt sich die Bevölke 
rung wie folgt: 
Preußen 25,772,562 
Bayern 5,027,832 
Sachsen 2,760,416 
Württemberg 1,881,505 
Elsaß-Lothringen 1,529,408 
,
        

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