Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/87/
Verschiedenes. 
* In dem Dorfe Heringsand in Holstein feierte dieser 
Tage der 92jährige Veteran Hennings seine diamantene Hoch- 
zeit. DaS noch rüstige Paar hatte hiezu gedruckte EinladungS- 
karten erlassen, auf denen die auf dem Lande vielfach übliche 
Bedingung enthalten war: „Man bittet Löffel, Messer und 
Gabel mitzubringen!" Im letzten Augenblicke fiel eS dem di- 
amantenen Bräutigam, der mehr mit Jahren als mit Glücks- 
gütern gesegnet ist, ein, auch den Kaiser zu dem seltenen Feste 
-einzuladen, aber mit der einfachen Karte: „Bitte Löffel ;c. 
mitzubringen!" Der Kaiser soll über diese Bedingung herzlich 
gelacht haben. „Bei der Unmöglichkeit, sofort der Einladung 
Folge leiten zu können", übersandte er sein Bildnih im stlber- 
nen Glänze in 25 Exemplaren: vollklingenden 25 Thalern. 
* Fütterung der Kanarienvögel. Viele Kanarien 
vogelhalter, sowie auch Züchter, sind der irrigen Ansicht, ihre 
Karnarienvögel ja recht mit Hanfsamen und Haberkernen zu 
stopfen, welch beides eher Hühner- und Taubenfutter oder 
überhaupt für Wildvögel ist,- jedsch nicht für Kanarienvögel. 
Wenn man denselben dies!? FütterungSmethode abrathen will, 
sagen sie, ich habe immer mit solchen gefüttert, und eS hat 
üifch recht gethan, ist jedoch kein Beweis, daß dieses Futter 
dem Bogel zuträglich, derselbe ist am Ende nicht wählerisch, 
frißt waS er bekommt, besonders den Hanfsamen, welcher süß 
ist. Wir haben Beweise genug, daß ein großer Theil Vögel 
sich immer mausern und natürlich wenig oder gar nicht singen, 
welches nur unrichtiger Fütterung zuzuschreiben ist. DaS rich 
tige Kanarienvogelfutter besteht in Sommerrübsamen mit Ka- 
nariensamen vermischt, hie und da etwas Vogelkraut, Salat 
oder Reseder als Gemüse. 
* Erderschütterunge.n in der Westschweiz. Da 
die Erdstöße seit dem 7. Mai in der westlichen Schweiz sich 
in ziemlich rascher Folge wiederholt haben, so mag eS nicht 
uninteressant sein, auf die Ursachen derselben hinzuweisen, die 
einem neuenburgischen Blatte entnommen sind: 
Die Erdbeben im Allgemeinen haben zwei von einander 
sehr verschiedene Ursachen. Die einen sind die Vorläufer der 
vulkanischen Ausbrüche oder wohl auch die Folgen davon. 
Diese finden in der Nähe von vulkanischen Mittelpunkten statt, 
welche man mit Recht die Sicherheitsventile der Erdrinde ge 
nannt hat. Bisweilen machen sie sich mehr oder weniger 
weit von demselben entfernt fühlbar; aber immer stehen sie 
mit einem Ausbruch des nächstliegenden Vulkans in Verbin- 
dung. Der Umfang dieser Art Erdbeben ist gewöhnlich groß 
And mag hier als Beispiel daS Erdbeben von Lissabon im 
Jahr 1775 angeführt werden. 
Eine andere Art hat zum Glück für uns einen ziemlich 
begränzten Boden und erstreckt sich nie weit in der Runde. Weniger 
zu fürchten als die erstern, find sie auch weit mehr verbreitet 
und insbesondere viel häufiger. 
Die Erderschütterungen dieser Art sind nichts anders als 
heftige Bewegungen unterirdischer, mehr oder weniger beträchtli 
cher Einstürze, veranlaßt durch die Zerfressung der im Wasser 
sich auflösenden Steinarten, wie Mergel, Thon, GypS, Stein 
salz (Kalkfelsen), die über ihnen liegen. Aehnlichen Erscheinun- 
gen muß das Erdbeben von 1855 zugeschrieben werden, wel- 
cheS Wallis stark heimsuchte und auch im Kanton Neuenburg 
verspürt wurde. 
Ein deutscher Geologe hat berechnet, daß eS im Visperthal 
(Wallis) nicht weniger als 20 Quellen gebe, welche GypS oder 
schwefelsauren Kali enthalten und daß eine! jede derselben 
jährlich mehr als 200 Kubikmeter dieser Stoffe an die Ober- 
fläche bringe. So entstehen im Laufe der Zeit im untern 
Boden beträchtliche Höhlungen, die die Einstürze zur Folge 
haben, welche sich durch Schwingungen oder Stöße auf die 
Erdoberfläche verpflanzen und um so fühlbarer sind, je näher 
cher Ort der Senkungen der Oberfläche liegt. Zieht man die 
Erfahrung zu Rathe, so liegt eS nahe, daß dergleichen Erd 
erschütterungen entstanden sind infolge fortgesetzten MegenS. 
* Noch nicht dagewesen. Durch verschiedene Blät- 
ter läuft folgende Anekdote: Ein in Wien akkreditier Gesand 
ter, welcher zur Theilnahme an den diplomatischen Konferenzen 
in Berlin eingetroffen war, bemerkte zu seinem Erschrecken kurz 
vor dem Zeitpunkte der großen Galacour, wo er sich den Ma- 
jestäten vorstellen sollte, daß man, wenn auch nicht seine ge- 
sammten, so doch gerade seine Gesandten-Gala-Hosen einzu- 
packen vergessen hatte. Guter Rath war theuer. In einer 
Stunde sollte die Cour stattfinden, und selbst die eiligst her- 
beigerufenen Coryphäen der Berliner Schneiderzunft erklärte« 
einstimmig, daß eS außer dem Bereiche jeder Möglichkeit liege, 
die erforderlichen Jnexpresstbles vor Ablauf zweier Stunden 
in vorschriftsmäßigem Zustande fertig zu stellen. Da, im Mo- 
mente höchster Ratlosigkeit, erscheint die Rettung, nämlich der 
Garderobier deS Gesandten aus Wien, welcher, nachdem er 
das Versehen bemerkt, ohne Besinnen einen Extrazug genommen 
hatte, mit den nun doppelt theuren Beinkleidern dem Herrn 
nachgeeilt und kurz nach ihm in Berlin eingetroffen war. Die- 
ser diplomatische Instinkt des Garderobiers soll sowohl bei 
seinem Herrn als dessen College» hohe Anerkennung und Be- 
wunderung erregt haben. 
* Eingraben der Futter- und Runkelrüben. Allenthalben 
ist eS gebräuchlich, einen Theil der geernteten Rüben über 
Winter in Erdlöchern aufzubewahren. Nach der allgemein 
üblichen Methode werden diese Löcher in Form viereckiger Gru- 
ben an trockenen Stellen angelegt und wenn sie mit Rüben 
angefüllt sind, der Art mit Erde bedeckt, daß ein Erfrieren 
nickt zu befürchten ist. Aber öfter kommt eS vor, namentlich, 
wenn im Vorwinter viel Feuchtigkeit fällt, daß sich Wasser in 
die Gruben hineinzieht, wodurch dann oben ein Faulwerden 
der Rüben unvermeidlich ist. Daher möchten wir allen Land- 
wirthen rathen, von dem altüblichen Verfahren Abstand zu 
nehmen und daS als viel besser erkannte Verfahren der Rüben- 
Zuckerfabriken sich zu eigen zu machen. Dieses Verfahren be- 
steht darin, daß die aufzubewahrenden Rüben auf ebenem Bo- 
den zu einem kammförmigen Haufen gesetzt werden, der dann 
mit Erde rundum dicht bedeckt wird und zwar mit Erde, die 
man um die Sohle deS Haufens aussticht. Hierdurch ent- 
steht um den Haufen herum ein Abzugsgraben. Alle fallende 
Feuchtigkeit versenkt sich in denselben und kann, wenn der 
Platz etwas abschüssig liegt, rasch abgeleitet werden, so daß 
also die Rüben stets trocken liegen und auch meistens mit 
mehr trockener Erde gedeckt sind. 
Die Wetterpropheten. 
(Wir lassen hier eine kurze anschauliche Beurtheilung der 
Wetterprophezeiungen folgen, wie sie Dr. Tschudi in seinem 
populären landwirtschaftlichen Lesebuche vorführt, und glauben 
damit manchen Lesern eine interessante Belehrung zu bieten.) 
Wir leben nahezu in der Mitte zwischen jdem Pol und 
Aequator der Erde. Vom Pol weht immerfort ein kalter 
(Nord-) Wind und oben in der Luft strömt fortwährend ei« 
warmer (Süd-) Wind vom Aequator her. Durch die Um- 
drehung der Erde wird für unS der Nordwind zum Nordost, 
der obere Südwind zum Südwest. Jener kommt aus kalten 
Gegenden und führt also keinen Wasserdunst mit sich. Wir 
haben demgemäß bei Nordostwind klaren Himmel und Sonnen- 
schein, ^wenn auch nicht große Wärme. Im Winter bringt 
unS dieser Wind trockenen Frost und im Frühling neben dem 
Sonnenschein empfindliche Kälte. Solche Witterung würde 
bei uns die regelmäßige sein; allein die obere wärmere 
die vom Aequator zum Pol hinströmt, dringt gerade in unser« 
Gegenden herab in die kalte Strömung und berührt oft ia 
weiten, breiten Strecken den Erdboden, warme Strömungen 
verursachend, die mit kalten abwechseln. Die Südwestwinde
        

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