Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/84/
Moulin einschiffte, 21 Kanonenschüsse. Der italienische Gene 
ralkonsul Hielt eine sehr ergreifende Leichenrede. Die Ordnung 
wurde keinen Augenblick gestört. Für morgen stehen drei neue 
Hinrichtungen bevor. * 
AuS Bosnien bringt ein Korrespondent der A. A. Ztg. 
folgende interessante Mittheilungen: Im Verlaufe deS MonatS 
Mai haben in Bosnien so bedeutende Kämpfe stattgefunden, 
daß der Aufstand nahezu jene Intensität angenommen hat, wie ! 
der in der Herzegowina. Man sprach hier an der Gränze von - 
so großen Massen der Insurgenten und von so bedeutenden! 
Siegen derselben, daß ich fast Anstand nahm Ihnen alles zu 
berichten was darüber verlautete. Indessen habe ich mich nach- 
träglich versichert, daß der Aufstand in Bosnien in der That 
bei weitem größere Dimensionen angenommen hat als eS bis- 
her der Fall gewesen. Sie wissen wohl, daß ich von dem Auf- 
stand in BoSnien bisher keine hohe Meinung hatte, weil der- 
selbe in keiner Beziehung mit dem in der Herzegowina zu ver- 
gleichen war. Seit dem Monat Mai hat aber der Ausstand 
in der That an Intensität und Ausdehnung so zugenommen, 
daß mit demselben jedenfalls zu rechnen ist. Ich weiß nicht 
ob eS gerade Zufall war, daß am griechischen GeorgStage 
(5. Mai), an welchem daS Kabmet Ristitsch in Belgrad zu 
Stande kam, die Znsurgenten in Bosnien den Kampf auf allen 
Linien eröffnet hatten. Dießmal waren eS aber nicht mehr 
Leine Banden zu einigen Hunderten wie bisher, sondern die 
Nethen der Insurgenten zählten zu Tausenden von Streitern. 
Am 5., 6. und 7. Mai gab eS zwischen den Türken und den 
Christen so blutige Kämpfe, daß dieselben mit denen in der 
Herzegowina verglichen werden können. Bei Podsvezda kämpf- 
ten unter dem Jnsurgentenführer Hegumen Hadfchitfch 1500 
Insurgenten gegen eine doppelte Anzahl von Türken unter 
Selim Pascha, bei Kljucsetz unter Pope Karan 1000 Znsur, 
genten gegen 4000 Türken unter Huliman Pascha, dann un- 
ter Peko Zsiukowitsch bei Suhopolye 2000 Insurgenten gegen 
yiehrere Tausend Äaschi BozukS. Auf allen diesen Punkten 
blieben die Insurgenten Sieger. Die Niedertage, welche Selim 
Pascha erlitt, hatte ein furchtbares Nachspiel zur Folge. Die 
«ach Priedor sich zurückziehenden Türken fayatisirten die moha- 
medanische Bevölkerung gegen die Christen und am 8. Mai 
(fast an demselben Tag wie in Salonichi) wurde in Priedor 
ein furchtbares Blutbad an den Christen verübt. Weiber, Kin- 
der und Greise wurden unbarmherzig in den Straßen niederge- 
metzelt. Der Kampf bei Kljucfetz soll nach Angabe der In- 
surgenten ein äußerst heftiger gewesen sein. Die Türken sollen 
yicht weniger als 400 Mann verloren haben, darunter mehrere 
Stabsoffiziere und 14 Offiziere. Der erbittertste Kampf soll 
aber bei Germetsch gewesen sein, der volle 3 Tage dauerte. 
Sjiier waren die Türken die Angreifer. Ali Pascha griff mit 
000 Mann die Insurgenten, die sich unter Gikow verschanzt 
Wen, an. Am 9. Mai nachdem die Türken den letzten 
Wurm auf dte Schanzen versucht, mußten sie sich unter gro- 
ßen Verlusten zurückziehen. Daß der Aufstand bereits solche 
Dimensionen angekommen hat, will man der Unterstützung 
desselben von Seite Serbiens zuschreiben. Indessen ist diese 
yitterstützung wenigstens gegenwärtig sehr schwer, denn die 
Drtna-Gränze ist von den Türken ganz abgesperrt und auch 
ble österreichische Grenze wird strengstens überwacht, so daß 
eine Einschmugglung von Waffen von Serbien aus fast un- 
möglich erscheint. Und doch leiden die Insurgenten einen un- 
geheuren Mangel an Waffen. Kaum die Hälfte ist mit gu- 
ten Gewehren versehen. Unter den Znsurgenten findet man 
viele mit Knitteln und Sensen bewaffnet, aber die Masse der- 
selben imponirt den Türken, die sich vor solchen Schaqren gleich 
flüchten bis sie zur regulären Armee stoßen. 
Verschiedenes. 
* Ueber die Lage deS Petr oleum-Marktes in Ame^ 
rika. BiS vor wenigen Wochen lag die Nachfrage für Petro- 
leum während beinahe zweier Jahre vollständig darnieder. Die 
Vorräthe in den ölproduzirenden Gegenden sollen zwischen 
4—5 Mill. Fässer betragen haben und wurden täglich ca_ 
27,000 Fässer produzirt. BiS vor Kurzem war die AuS- 
dehnung der ölgebenden Region noch keineswegs genau gekannt. 
ES wurde daher alS möglich vorausgesetzt, daß noch kolossale 
ungekannte Quantitäten von Oel vorhanden seien. Infolge 
dessen blieben die Preise niedrig. Neuerdings aber ist eine 
ganze Kette sogenannter GaSbrunnen erbohrt worden, welche 
statt Oel nur brennbares GaS geben und von denen man an- 
nimmt, daß sie die Grenze der Oelregion bilden. Die Produk- 
tion ist auch in der Abnahme begriffen und. soll nicht mehr 
als 23,000 Fasser per Tag betragen, während der tägliche 
Export höher angegeben wird. Infolge dessen ist Oel jetzt 
theurer als zu irgend einer Zeit während der vergangenen 10 
Jahre. Der fernere Umstand, daß immer mehr Brunnen in 
die Hände von großen Kapitalisten übergehen, welche die Preise 
für daS Oel fester halten können als die früheren zahlreichen 
kleinen Besitzer, dürfte auch zur bleibenden Erhöhung derselben 
beitragen. 
* Wie per Kabel auS New-Nork unterm 7. d. gemeldet 
wird, explodirte in dem Eisenbahn-Tunnel, der durch Bergen- 
Hill in Iersey-City gebohrt wird, am Sonnabend um Mitter- 
nacht daS unweit deS östlichen Endes gelegene Dynamit-Ma- 
gazin. Die dadurch erzeugte Erschütterung wurde in einer 
Entfernung von 30 Meilen verspürt. Hunderte von Häusern 
in Iersey-City sind beschädigt und längS des FlußuferS in 
New-Aork blieb keine Fensterscheibe ganz. Glücklicherweife 
sind keine Menschen getödtet worden aber mehrere Personen 
wurden verletzt. 
Verantwortlicher Redakteur tt. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädltt 
Amtliche Anzeigen. 
Bekanntmachung. 
Das unter der Firma „Felix Real" hier bestehende Han- 
delSgeschäft ist über Ableben des bisherigen HgenthümerS Hr. 
Felix Real auf dessen m. j. Sohn Adolf N&l übergegangen 
und wird für diesen von der Wittwe M. Anna Real geb. 
Rheinberger unter der bisherigen Firmi» fottgtführt. 
Fürst!. Liechtensteinisches Landgericht. 
Vaduz, den 20. Mai 1876. 
Keßler. 
Thermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Mai 17. 
+ 8 
+14 
+14 
hell 
* 18. 
+ 5 
+14% 
+14 

■ 19. 
+ 7 

+ 12 
w 
• 20 
+ 3% 
+11 % 
+13 
n 
„ 21. 
+ 
+ 16 
+14 
n 
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+ 7% 
+18 
+16 
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H 23. 
+ 9 
+ 12% 
+10% 
trüb. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien» 
26. Mai Silber 102.65 
20-Frankenstücke 9.62 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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