Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/82/
Wir gleichfalls in freundschaftlichen Beziehungen stehen, ge^ 
lingen werde, durch ein aufrichtiges Zusammenwirken die Seg 
nungen deS europäischen Friedens zu erhalten. Auch hoffe 
Ich, daß die Bestrebungen der Mächte, die Pforte in den Auf« 
gaben der dauernden Pacisication ihrer insurgirten Provinzen 
zu unterstützen, nicht erfolglos bleiben werden. Sie werden 
in den Vorlagen, welche Ihnen als das Ergebniß der Vera- 
thung Meiner Regierungen zugehen werden, daS Bestreben er- 
kennen, alle Anforderungen auszuschließen, welche nicht durch 
die Rücksicht auf die Wehrkraft der Monarchie geboten erschei- 
nen. Indem Ich dem bewährten Eifer und der patriotischen 
Hingebung, mit welcher Sie sich Ihrer verfassungsmäßigen 
Thätigkeit unterziehen werden, vertrauensvoll entgegensehe, heiße 
Ich Sie auf daS herzlichste willkommen." 
Der Kaiser empfing hierauf die ungarische Delegation, de- 
ren Präsident Szlavy folgende Ansprache hielt: 
„Kaiserliche und königlich Apostolische Majestät! Allergnä- 
digster Herr! Die durch Ew. Majestät zur Verhandlung der 
gemeinsamen Angelegenheiten einberufene LandeScommission er- 
scheint auf gnädige Erlaubniß und Befehl Ew. Majestät, um 
ihre homagiale Huldigung zu erstatten. Die nämliche uner- 
schütterliche Treue für die Person Ew. Majestät und die 
Grundgesetze deS Landes, daS nämliche warme Gefühl für die 
Festigkeit und Machtstellung der Monarchie beseelt uns auch 
heute, welches in den Beschlüssen der früheren Delegationen 
AuSdruck gefunden. In den Ereignissen der jüngsten Tage 
glauben wir daS erfreuliche Zeichen dessen zu erblicken, daß 
jene erheblichen Opfer, welche die Völker Ew. Majestät seit 
Jahren zur Kräftigung unserer Wehrhaftigkeit gebracht, eS der 
Weisheit Ew. Majestät, den erfolgreichen Bemühungen der 
gemeinsamen Regierung möglich gemacht haben, bei der Erle- 
digung der europäischen Fragen für unsere Monarchie eine an- 
gesehene Stellung zu erringen. Vor den szur Aufrechthaltung 
und Festigung dieser Stellung notwendigen Lasten werden 
auch wir nicht zurückschrecken, allein schwere Calamttäten und 
unsere in den letzten Iahren wohl auch durch Ueberspannung 
geschwächte materielle Kraft setzen unfern, Eifer Schranken. 
Bei der pflichtgemäßen Beurtheilung der Vorlagen von Ew. 
Majestät gemeinsamer .Regierung werden die Anforderungen 
der Wehrfähigkeit, Sicherheit und Machtstellung der Monarchie 
nothwendig ein schweres Gegengewicht finden in den ob der 
großen Zabl unserer unabweislichen inneren Erfordernisse und 
der Ungenügendheit unserer Einnahmsquellen in uns Allen 
auftauchenden Besorgnissen. Wenn aber auch der Kampf, wel- 
chen die nicht zu unterdrückenden Besorgnisse und die nicht zu 
läugnenden Erfordernisse in dem Innern eines jeden von uns 
kämpfen, sich auch äußerlich offenbaren wird, wenn in den 
Berathungen der Delegation bald der eine, bald wieder der 
andere der gegensätzlich erscheinenden Standpunkte sich Geltung 
zu verschaffen suchen wird, so wird unS jederzeit der Glanz, 
die Herrlichkeit, die Sicherheit des ThroneS Ew. Majestät als 
leuchtende Fackel dienen, welche uns sicher hinausführen wird 
auS dem Labyrinth der einander Entgegengesetzten Anschauun- 
gen. DieseS bedingt das Wohlsein, die Blüthe der Völker 
Ew. Majestät, waS — wir wissen eS — der einzige Wunsch 
deS väterlichen Herzens Ew. Majestät ist. Gebe Gott, daß 
Ew. Majestät diesen Wunsch in vollstem Maß erfüllt sehe. 
Gebe Gott, daß wir und unsere Nachkommen in Ew. Majestät 
noch lange unsern allergnädigsten Herrn, unfern constitutwnel- 
len König lieben können." (Eljen! Rauschendes, anhaltendes 
Eljen«Rufen der gesummten Anwesenden.) 
Se. Majestät erwiederte die Ansprache in -derselben Weise 
wie jene deS Präsidenten der österreichischen Delegation, und 
der Erwiederung folgte stürmisches, lang anhaltendes Eljen. 
DaS gemeinsame Budget, welches beiden Delegationen 
vorgelegt wurde, enthielt- folgende Ansätze: Ordentliches Er- 
fordernis und zwar Ministerium des Aeußern, 3.141,680 fl, 
Ministerium des Kriegs, und zwar Landarmee 86 836,234 fl., 
Marine 8.643,254 fl., zusammen daher 95,4 Mill., Finanz 
ministerium und RechnungSkontrole zusammen 1.996,479 fl. 
stetS abzüglich der eigenen Einnahmen, die beim Ministerium 
deS Aeußern 1.157,500, beim Kriegsministerium 4.518,475 fl. 
ausmachen. DaS ordentliche Erforderniß beträgt zusammen 
100.601,647 fl. DaS außerordentliche Erforderniß für daS 
Heer beträgt 12.279,931 fl., für die Flotte 1.327,780 fl.. 
zusammen 13.607,711 fl.; unbedeutende Beträge von 38,000 
fl. und 1050 fl. fordert daS Ministerium des Aeußern und 
das gemeinsame Finanzministerium. Zusammen beträgt das 
Extraordinarinm 13.647,561 fl. und daS gesammte zu be- 
deckende Erforderniß 114.249,208 fl d. i. um 1,5 Mill. ge- 
ringer als dasselbe für daS laufende Jahr festgesetzt worden. 
Die Netto - Einnahmen deS Zollgefälles find für 1877 mit 
11.099,000 fl. veranschlagt und eS bleibt daher zu bedecken 
der Betrag von 103.150,208 fl. Da die Zolleinnahmen wie- 
der um fast eine Million niedriger präliminirt werden mußten 
als für 1876, so beträgt daS reine Mindererforderniß für 1877 
nur 695,123 fl. Diese Ziffern haben aber bloß vorübergehen- 
den Werth, da in Folge deS Ausgleichs daS Zollgefälle in 
Folge der Erhöhung einiger Zölle wahrscheinlich einen größeren 
Betrag ausweisen wird. DaS Kriegsministerium weist für 
Heuer ein Mindererforderniß von 1.14 Mill. (110.23 gegen 
109,09 fl) aus, dagegen spricht eS für 1875 und 1876 einen 
Nachtragskredit von jzufammen 700,982 fl. an. DaS Mini- 
sterium deS Aeußern spricht für die Unterstützung der 
Flüchtlinge aus Bosnien für die beiden Jahre zusammen 
995,637 fl. an. 
Im Budget-Ausschuß der Delegation deS ReichSratheS 
erklärte Adrassy gelegentlich der Berathung über das auswär- 
tige Budget bei Beantwortung einer Anfrage bezüglich der 
orientalischen Angelegenheit unter Bezugnahme auf die vorjäh- 
rige Darlegung der Ziele der Regierungspolitik: er könne heute 
nur konstatiren, daß der europäische Friede ungestört bleiben 
werde. Weitere Complicationen seien durch Verhinderung der 
Theilnahme anderer Elemente hintangehalten. Es sei erreicht, 
daß die vorgeschlagenen Reformen von Europa und von der 
Türkei angenommen und von den Insurgenten freudig begrüßt 
worden seien, welche nur Garantien für deren Durchführung 
wünschen. Die gegenwärtige Aktion der Machte strebe die 
Durchführung der Reformen auf dem Wege friedlicher Hin- 
wegräumung der Hindernisse an. Der Minister warnt vor 
dem bei unS herrschenden Pessimismus der durch die Erfolge 
unserer Regierung widerlegt würde. Daß England dem allge- 
meinen Einverständniß der europäischen Mächte noch nicht bei- 
getreten, liege vielleicht in der durch Verhältnisse geändertes 
Form deS diplomatischen Verkehrs; er selbst hege die private 
Ueberzeugung, daß, wenn die englische Regierung die rein pa- 
cificatorische Intervention der Mächte klar vor sich sehe, sie 
sich denselben im Einverständniß anschließen würde. Die 
Mittheilung deS Inhalts der getroffenen Vereinbarungen 
sei unmöglich, da die Mittheilung zunächst an die Pforte gehen 
müsse. Besonderen moralischen Werth l*gt der Minister auf 
die erneuerte befestigte Einigkeit der Mächte, welche dahin 
geht'ihre Bemühungen zur Aufrechterhaltung deS europäischen 
Friedens mit aller Energie durchzuführen und auf dessen Eni- 
fchluß sich von Fall zu Fall zu verständigen. Der Minister 
lehnte den Vorwurf der Convinenz gegenüber dem Aufstand 
bei Beginn desselben ab, und übernimmt die volle Verant- 
wortlichkeit für den von ihm allein vertretenen Staatswillen 
nach außen. Im weitern Verlauf seiner Rede spricht sich der 
Minister entschieden gegen den Gedanken einer Okkupation auS. 
In der Berliner Verständigung sieht er einen maßgebenden 
Faktor für den europäischen Frieden, und übernimmt die volle 
Verantwortung, daß auS der gegenwartigen Lage keine Schä- 
digung der Interessen der Monarchie hervorgehe. Die Mächte
        

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