Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/78/
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Werth der Ertragnisse gestiegen fei. Auf diese Vorstellungen 
hin ließ man, wie eS scheint, die Sache auf sich beruhen. 
(Fortsetzung folgt.) 
7^7. Mai. (Eingesendet.) Die Periode deS trüben, 
regneriWn und kalten Wetters vom 2 —14. Mai hat einen 
von Manchen befürchteten drastischen Abschluß gefunden, indem 
sich bei schneidendem Nordwind am 14. der Himmel klärte und 
— obwohl wir die gefürchteten Weinmörder Pankratius und 
Servatius glücklich hinter uns hatten — in der Nacht vom 
14/15 einen Frost mit starkem Reif und Eis brachte. Schon 
am 14 nach Sonnenuntergang fiel das Thermometer rasch um 
-2y 2 0 und sank fortwährend bis es auf 0 stand. Um y 2 3 
Uhr (am 15.) ertönten die 2 gefürchteten Pöllerschüsse und 
verkündeten den erschreckten Bewohnern die Frostgefahr, von 
welcher der Wemstock bedroht war. Sosort eilten die meisten 
der schon vorher bestimmten Bewohner auf die ihnen äuge- 
wiesenen Sammelplätze zur gemeinsamen, von der hiesigen Ge« 
meittdevertrtetung schon seit längerer Zeit beschlossenen Beräu- 
cherung der Weinberge. Dieser erste derartige Vernich zeigte, 
daß mit vereinten Gräften Vieles geleistet und die drohendste 
Gefahr beseitigt werten könnte; denn bald war beinahe ras 
ganze Rebengebiet des Dorfes durch die an verschiedenen 
len angezündeten und unterhaltenen F uer in ein Rauchmeer 
gehüllt, daö dem giftigen Reif erfolgreichen Widerstand entge 
gensetzte. Wäre mehr und noch zweckmäßigeres Räucherungs» 
Material zur Hand gewesen und hätten alte Aufgebotenen Der 
wohlgemeinten und so zweckinüßigen Anordnung der Gemeinde, 
behörde rechtzeitig Folge geleistet, so wäre bei der verhältniß- 
mäßig großen Windstille der beabsichtigte Zweck: das ganie 
Redgebiet bis nach Sonnenaufgang fortwährend unter Rauch 
zu halten, völlig erreicht worden Aber manche Aufgebotene 
kamen verspätet auf ihre»! Sammelplätzen an und mehrere 
derselben glänzten durch völlige Ab Wesenheit 
und schickten auch keine Stellvertreter, darunter 
mitunter größere Weiubergbefitzer. Dieses letztere Qk< 
bahren hat mit stecht allgemeinen und großen Unwillen erregt 
und es wird erwartet, daß die Schuldigen der bestimmtet, 
Strafe nicht entgehen werden; eine derartige Mißachtung einer 
zum Besten der Rebbesiyer getroffen Anordnung der Gemeinde- 
Vertretung hat weder auf Duldung noch Schonung Anspruch. 
So stark nun auch der Frost war, so läßt sich doch äußer 
lich an den Reben ganz wenig Frostschaden nachweisen; selten 
steht man vom Frost beschädigte Blättchen und T-iebe. Ob 
aber der grost auf die fernere Entwicklung deS Weinstockes 
nachtheilig eingewitkt hat, wird wohl erst die nächste Zukunft 
zeigen. Gut zu statten kam diesmal den Reben, daß \u über 
haupt im Trieb noch ziemlich weil zurück waten, weil durch 
die vorausgegangene naßkalte Witterung ein Stillstand in der 
Vegetation eingetreten war. Die Hoffnung?-» atir ein reiches 
Weinjahr mußte«« schon vor dem 15. Mai aufgegeben wer 
den; der dazu gekommene Frost hat dieselben jedenfalls noch 
mehr herabgemindert. 
Baduz. 16 Mai Ueber ein erfolgreiches Vorgehen ge- 
gen ijroltjchäoen wird dem württembergischen StaatSanzeiger 
auS NeckarSulm ber-chten „Heute, 6. Mai, faiw die erste 
Weinbergräucherung statt. Nachdem gestern ein eisiger Nord- 
ostwino eii^e gejah»volle Nacht hatte befürchte»» lassen, wurde 
die telegraphische Anfrage HeilbwnnS. od hier geräuchert werde, 
um 10 Uhr bejaht und die Kommissionsmitglieder begaben sich 
gegen Mitternacht auf ihre BeobachtungSstat'onen. In Folge 
einer starken Wolkenbildung stieg gegen 1 Uhr das Quecksilber 
stus 5° R, allein kaum hatten sich die Wolken verzogen, 
jso stet dasselbe rasch auf -j- 1 0 und durch Hör signale wurde 
die Einwohnerschaft von dem bedrohlichen Temperaturzustande 
benachrichtigt. Schnell versammelten sich die Weingärtner vor 
dem Rathhause, die Obmänner nahmen das Erdöl in Empfang 
und Jeder eilte auf den /chon vorher bestimmten Brandplatz. 
Gegen 4 Uhr zeigte sich schon am Klee die verderbliche Wir- 
kung deS Frostes und das Quecksilber sM auf — 1®; jetzt 
ek tönten zwei Kanonenschüsse und fast mit einem Schlage ent- 
zündeten sich etwa 500 mit Erdöl getränkte Holzhausen, die 
einen solch starken Rauch entwickelten, daß über den ganzen 
Berg ein bleierner Mantel unbeweglich sich lagerte. Alle 
Wemgärtner überzeugten sich nunmehr von der Zweckmäßig- 
keit einer von vielen Seiten angegriffenen Maßregel." 
Ausland. 
Deutschland. Die Drei-Kaiser-Politik in der orientali 
schen Frage wird gegenwärtig aufs neue durch die Reichskanz 
ler der 3 Nordmächte: Bismarck, Andrassy und Gortschakoff 
in Berlin verhandelt. Nach den neuesten Telegrammen soll 
eine vollständige Uebereinstimmung erzielt worden sein und — 
rer Weltfrieden demnach (vorderhand) gewahrt bleiben. Ueber 
die Art und Weise, wie sich die 3 Reichskanzler verständigt 
haben, verlautet noch nichts Sicheres. 
Schweiz. Die GroßratbSwaklen in dein uns benachbar- 
" ten Eanlon St. Gatten, welche am 7. Mai stattfanden, ha 
ben das ailnähernd bisherige Pa'te.'vethältnili ergelen. Es 
wurden gewählt 98 liberale und 63 conservative Vertreter. 
Türkei. Im Vordergründe d*r auswärtigen Tagesnach- 
richleit steht ein deklagenöwerther Vorfall in der Stadt Sa- 
ionichi, mit welchem sich augenblicklich die gelamutte europäische 
Presse beschäftigt. Derselbe ist ernst und 'Zesorgniß erlegend, 
beionderS als Symptom, bis zu welch bedenk!ichem Grade der 
muselmännische Fanatismus bereits erregt sein muß. Der 
türkische Generalgouverneur von Saio.nichi stellt in einem offi 
ziellen Bericht an die Pforte die Vorgänge folgendermaßen 
di,r: 
„Ein junges christliches ^ansurädchen, welches zum Islam 
übergetreten war, kam aus dcr Eisenbabn nach Laionichi, wo- 
selbst sie auf dem Bahnhof einige Zapttes erwarteten und dem 
Herkommen gemäß nach der Residenz deS GeneralgouverneurS 
führen wollten. Da sammelten sich auf Anstiftung des Kon- 
fulS der Veretniqten Sta.uei, be^läusig 150 Personen, übe sie- 
len daS junge Mädchen, entlissen ihr ihren Schleier und Man- 
tel und entführten si^ gewaltsam in daS HauS eines Christen, 
welcher Vorgang die Muselmänner, die Zeugen die'es gewalt- 
thätig'N Auftrat waren, im hohen Grad erbitterte. ÄlSbald 
wäiste sich die in Aufruhr gerathene Menge zur Residenz deS 
GouvernemS, um mit Beharrlichkeit zu verlangen, daß die junge 
Mohammedanerin in d«e Residenz zurückgebracht werde. Um 
die Ankunft derselben zu erwarten, versammelte sich die Volks- 
menge einstweilen in einer Moschee. Alle Bemühungen so- 
wohl Leite 'S der Lebörde wie auch der Notablen, um auf 
die Menge, welche nicht anoerS als durch das Erscheinen deS 
jungen Mädchens oder durch 'das Einlangen von Truppen zu 
zerstreuen gewesen wä^e. Einfluß zu erlangen, blieben ganz 
ulimächtig. In diesem Augenblick wurde der Generalgouver- 
neur benachli tätigt, daß die Konsuln von Deutschland und 
Frankreich in die von der Volksmenge besetzte Moschee einge- 
vrungen seien. Er begab sich unverzüglich persönlich dahin, 
um die Gemüther zu berndigen. Aber alle seine Bemühun- 
gen waren vergeblich. Sowie die Volksmenge sah, daß daS 
junge Mädchen nicht eintras, riß sie die Gitterpstöcke herauS, 
bewaffnete sich damit, verschaffte sich auch ande»e Waffen und 
stürzte sich auf die Konsuln. Wiewohl der Generalgouverneur 
verzweifelte Versuche machte, die Angegriffenen mit seiner Per- 
son zu decken, so blieb er doch unmächtig sie zu schützen und 
erlagen dieselben schließlich unter den Streichen der Angreifer. 
In Folge dteleS Vorfalles eilten Truppen sowohl von dem 
türkischen StationSschiffe alS auch auö der Kaserue herbei und 
gelang eS ihnen schließlich die Aufrührer zu zerstreuen. Der 
Generalgouverneur traf sofort weitere Vorsichtsmaßregeln, in-
        

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