Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/77/
Liechtensteinische 
Vierter JaSrgang. 
Vnduz, Freitag 
Nr. 20. 
den 19. Mai 1876. 
Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für daß Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. sammt 
Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. so kr., halbjährig 1 fl. 2s kr.; für dat 
übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. 10 fr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrückungSgebühr für die sgespaltene Zeile b kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
70. Die Fürsten von Liechtenstein. 
Die Franzosen-Kriege. 
(Fortsetzung.) 
Der Landvogt begab sich selbst in die Gemeinden um die 
Stimmen aufzunehmen zuerst in die der obern Landschaft, dann in 
die der untern, aber keine Gemeinde wollte sich zuerst erklären. 
Nun wurden Ausschüsse aus allen Gemeinden nach Vaduz ht* 
schieden. Die Stimmen derselben fielen dahin auS: „Die 
Landammänner beider Landschaften sollen nach Ulm gehen und 
sich entschuldigen, daß man hierseitS zu so großer Rüstung zu 
schwach sei. Man sei gar zu sehr mit Wuhren beschäftigt 
und fast ganz von der Schweiz und Graubünden umgeben, 
welche französisch gesinnt seien. Man werde die Feinde 
daher zuerst auf dem HalS haben und eö sei deßwegen nicht räch« 
(ich sich aller Mannschaft zu entblößen." 
So wurden die Landammänner Lorenz Pschetter von 
Schaan und Josef Nescher von Gamprin nach Ulm geschickt 
mit ^Empfehlungsschreiben vom Oberamte Sie brachten die 
Nachricht zurück, daß die Sache nicht so gemeint gewesen, wie 
die Gemeinden sie aufgefaßt. DaS schwäbische Kreisdirektorium 
wolle nur ein Verzeichniß der waffenfähigen Mannschaft und 
Vermehrung deö Kontingents. Man schickte also noch 1 Reiter 
und 4 Mann zu Fuß und gab daS verlangte Verzeichniß. 
Große Kosten verursachten dem Lande die österreichischen Trup- 
Pen, welche im Dezember 1794 nach Vorarlberg und inS 
Liechtensteinische verlegt wurden. 
Im Jahre 1795 wurde die Gemeinde BalzerS von einem 
schweren Unglücke heimgesucht. Während eineS heftig wehen- 
den FöhnS brach am 22. Oktober Feuer auS und griff so 
reißend schnell um sich, daß in kurzer Zeit 70 Häuser sammt 
der Kirche und dem Pfarrhause in vollen Flammen standen. 
An Löschen war nicht zu denken, da der Föhn so heftig wehte, 
daß er die brennenden Funken ins Wartauische über den Rhein 
trug und dort einige Häuser in Asche legte. DaS Unglück 
traf um so härter, weil der größte Theil der Feldfrüchte einge- 
erntet war. 40 Familien waren ohne Obdach und ohne Mit' 
tel zum Unterhalt und 3 Menschen verloren im Brande daS 
Leben. Der damalige Landvogt Mmziger nahm sich der Ver- 
unglückten mit edlem Eifer an und von Lindau, Chur und 
vielen andern Orten flößen reichliche Gaben. 
Ebenfalls im Jahre 1795 entspann sich ein Briefwechsel 
zwischen dem Abte von St. Luzi in Chur und dem Fürsten 
von Liechtenstein über den Novalzehnten. Der Abt schrieb an 
den Fürsten in Wien, daß er gehört habe, die Einwohner von 
Lendern seien bei der Regierung um Befreiung vom Roval- 
zehnten eingekommen. Zugleich wäre bei ihnen die Absicht 
vorhanden möglichst viele Grundstücke urbar zu machen, dage- 
gen die bisherigen in Wiesen zu verwandeln und h den Zehn 
ten ganz ausgehen zu lassen. Der Abt beruft sich gegenüber 
diesen Bestrebungen auf daS gemeine Recht und die alten Privi- 
legten des Klosters, sowie darauf, daß daS benannte Gotteshaus 
in Bendern statt wie früher einen, jetzt 2 Priester unterhalten 
müßte. Am 8. Juli erfolgte vom Fürsten eine beruhigende 
Antwort: „ES werde nicht ohne vorherige genaueste Prüfung 
der ganzen Angelegenheit, den betreffenden Gemeindeleuten, 
wenn sie um Befreiung vom Novalzehnten einkommen sollten 
dieselbe erteilt werden." Im Mai 1796 wurde sodann vom 
Fürsten wirklich zu Gunsten deS Klosters entschieden. 
Dagegen begannen nun zwischen der Abtei und den liech 
tensteinischen Lehenleuten andere Zwistigkeiten. Untern 15. Juli 
1796 beschweren sich nämlich die Gemeinden der Herrschaft 
Schellenberg beim Fürsten über die Statthaltereien Bendern 
und Eschen. Insbesondere habe Bendern bei einem Einkommen 
von 6000 fl. den LehenzinS erhöht, wogegen eö die gemein- 
samen Lasten nicht tragen helfe. Der Fürst theilte unter dem 
31. Juli 1796 die Klagen dem Abte von St. Luzi mit und 
begleitete sie mit einem Schreiben auS welchem hervorgeht, daß 
die Gemeinden noch anderwärtige Klagen eingereicht hatten. 
In dem fürstlichen Schreiben heißt eS: „Leider ist von der so- 
gearteten Stimmung der Unterthanen un> den französischen 
Freiheitsgrundsätzen beinahe so viel, wo nicht mehr, als vom 
Feinde selbst zu besorgen. Indessen hat mich noch mehr alS 
diese Betrachtung der wirklich bedaurungSwürdige Zustand die- 
fer Unterthanen und ihre in der nämlichen Beschwerdeschrift ge 
machte feierliche Angelobung ihren Pflichten bis auf den äu- 
ßersten Grad der Möglichkeit getreu zu bleiben, bewogen ihren 
Beschwerden so viel alS möglich abzuhelfen." Er habe deS- 
halb seinem Oberamtmann zu Vaduz den Einzug der bedeuten- 
den Rentreste untersagt und werde auch sonstige Vorkehrungen 
zu Gunsten der Unterthanen treffen. Ohne dem Abte Vor- 
schriften machen zu wollen, will er ihn über die Lage in Kennt- 
mß setzen und ihn ersuchen dieselbe in Berücksichtigung zu ziehen. 
Der Abt antwortete dem Fürsten, daß alle Beschwerden der 
schellenbergischen Unterthanen auf schiefen Darstellungen beruhen. 
Die Einkünfte der Stalthalterei betragen nicht die Hälfte der 
angegebenen Summe. Zudem werde ein großer Theil derselben 
für den Unterhalt der Pfarrgeistlichen und für Almosen in 
Benvern verwendet. Während der KriegSzeit leiste daS Kloster 
freiwillige Beiträge an die Ausgaben der Gemeinden, helfe 
auch mit Pferden :c. aus, sogar ohne angesprochen zu werdett. 
Zudem habe eS sich bereit erklärt mit der Statthaltern Eschen 
auf ihre Kosten den Bau einer Bezirksstraße zu übernehmen. 
Die Steigerung des Zehnten habe stattgefunden, weil der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.