Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/75/
WaS sein muß, wird ohne eure Hilfe ebenso wie mit derselben 
hereinbrechen. Wir werden Recht und Freiheit mit euch thei- 
len, lhr wökdet in Ruhe und Frieden Mohammed verehren 
können, eben so wie wir das Kreuz anbeten werden." — 
Wie der m Polit. Corr." auS Rustschuk mitgetheilt wird, 
wird augenblicklich unter dem loyalen und wohlhabenderen Theil 
der bulgarischen Bevölkerung eine Petition an den Sultan 
kolpvrtirt, deren Ziel nichts geringeres als die Schaffung eines 
konstitutionellen Staats im absoluten Staate bildet. Mit der 
Motivirung jedem etwaigen gewaltsamen Umsturz des Bestehen- 
den begegnen zu wollen, '.vird der Sultan ehrfurchtsvoll ge- 
beten, seinem bulgarischen Vilajet eine Reihe von Zugestand- 
nissen gewähren zu wollen, welche die Ruhe desselben und die 
loyale Treue seiner bulgarischen Unterthanen für ewige Zeiten 
verbürgen sollen^ Die Petition verlangt: 1) Bulgarien soll 
fortan ein eigenes Königreich Hilden. 2) Der Sultan ist 
„König der Bulgaren." 3) Bulgarien erhält eine Repräsen- 
tativ-Versassung und eine eigene auS Christen und Mohamme- 
danern gebildete Regierung die der nationalen Vertretung und 
der Krone verantwortlich ist. 4) Die nationale Vertretung 
wird in Rustschuk tagen. 5) Die Centralregieru.ng in Kon- 
ftantinopel behält nach wie vor die Leitung deS Kriegswesens 
und der auswärtigen Angelegenheiten 
.WHHpi,,.. ^Pie „Polit. Korr." meldet ftrner auS Bosnien: 
DieMßdtrbrennung Wd Verwüstung der Weiler und Dörfer 
durch die Insurgenten hat solche Ausdehnung angenommen, 
daß den EinstDigeren unter ihnen vor den Konsequenzen die- 
ser Kriegsführung selbst bange zu werden anfängt. Der po 
litische Leiter der Insurrektion, Vassa PelagitS, sah sich ver- 
anlaßt, an alle AbiheilungSchess der Insurgenten Anordnungen 
zu erlassen, deren pünktliche Befolgung verlangt wird. ES 
heißt in der Instruktion, daß jedes türkische Dorf erst nach 
einer dreimaligen fruchtlosen Aufforderung zur Unterwerfung 
mit Waffengewalt dazu gezwungen werden soll; dabei sollen 
Über Menschenleben wie Eigenthum von Privatpersonen ge- 
schont werden. Es sei strenge darauf zu achten, daß die keinen 
Widerstand leistenden Mohammedaner mcht belästigt, und Wei 
ber wie Kinder niemals bedroht werden. Nur jene Moscheen 
find anzugreifen, in welche daS türkische Militär zu Angriffs- 
oder Vertheidigungszwecken eindringt. PelagitS ließ diese In 
struktionen auch in allen Orten bekannt werden, wo die Mo- 
hammedaner in der Mehrzahl stch befinden, und forderte die- 
selben aus, ihrerseits gleichfalls Menschlichkeit und Milde zu 
üben. 
Frankreich» Weltausstellung. Aus der jüngsten 
Sitzung der WeltauSstellungSkommission, in welcher man sich 
definitiv für MarSfeld und Trocadero als Ausstellungsplatz 
entschieden hat, erfährt der „Steele folgendes Nähere: Nach 
dem Berichte, welchen Viollet-Leduc erstattete, soll der AuSftel« 
lungSpalast in Eisen gezimmert und daS Füllwerk gemauert 
sein; die einzelnen Fächer sollen einander vollkommen gleichen, 
so daß sie an jeder beliebigen Stelle deS Baues zusammenge- 
legt und später auch anderweitig verwendet werden können. 
Für die Kunstwerke und allenfalls für eine retrospektive Aus 
stellung find Centralsäle in Aussicht genommen. Die Rotunde, 
die sich auf dem Gipfel deS Trocadero erheben wird, soll 
10,000 Personen fassen. Ein Ingenieur, Namens Äionne, legte 
der Kommission ein von der „France" und anderen Blättern 
unterstütztes Projekt vor, demzufolge der Sitz der Ausstellung 
in eine Reihe von Gallerien und anderen Baulichkeiten verlegt 
werden soll, welche sich über den Carousselplatz, den Tuilerien- 
garten, den Concordienplatz, die Elysee'schen Felder bis zum 
Rondpoint und jenseits der Seine über die große Invaliden- 
esplanade verbreiten würden. Dieses Projekt wurde von Viollet 
lebhaft bekämpft. Derselbe führte auS, daß eS die Pariser 
durch drei Jahre um den Genuß deS schönsten TheilS ihrer 
Stadt bringen und daß die Ausstellung in dieser Form jeder 
einheitlichen Physiognomie entbehren würde. Man kehrte hier, 
auf zu dem Projekte Viollet-Leduc's zurück und dieseSwurdeschkieß- 
lich mit allen Stimmen gegen die einzige Bionne's angenommene 
Nächsten Dienstag wird ein entsprechendes Programm im „Jour* 
nal offieiel" erscheinen und ein auf 20 Tage bemessener Kon- 
kurs für die Einreichung der Pläne zur Ausführung deS BaueS 
an der Hand dieses Entwurfes ausgeschrieben werden. 
Auf städtischer Seite ist man ebenfalls nicht müßig. Einige 
von der Haußmann'schen Zeit unvollendet zurückgebliebene 
große Straßenanlagen, so namentlich auf dem linken Ufer der 
Boulevard St. Germain und auf dem rechten die Avenue de 
l'Opera, welche die neue Oper mit dem Palais Royal-Ptatze 
verbinden wixd, sollen bis zur Ausstellung fertig gebaut fem; 
Zu diesem Zwecke und zu dem bei den letzten Ucberschwemmun- 
gen alS unabweislich erkannten Bau eines neuen Weinentre- 
pots in Bercy wird der Seinepräfekt nächsten Dienstag int 
Gemeinderathe den Antrag auf Emission einer neuen städti. 
schen Anleihe von 120 Millionen Fr. einbringen. 
Amerika. New-Nork, 18. Der Mississippidampfer „Die 
Utot' 1 stieß gestern gegen einen Pfeiler der Eisenbahnbrücktz 
bei Hannibal und sank; neun Menschen kamen in den Wel- 
len um. 
Der Mississippi hat gegenüber Memphis und oberhalb 
Napoleon sc.ne Damme durchbrochen und die Gegend Meilen*: 
weit überschwemmt. Die Pflanzer haben sich auf die Anhöhen 
geflüchtet. Es soll sehr viel Vieh ertrunken sein. Die Little. 
Rock Bahn hat ihre Fahrten einstellen müssen. 
In Massachusetts hat wieder ein Dammbruch an einem 
Reservor stattgefunden, wodurch ein Schaden von 500,000; 
Dollar verursacht wurde. Die Boston und Albany Bahn- 
wird einer ganzen Woche bedürfen, um den an Bahnkörper, 
und Brücken angerichteten Schaden ausbessern zu können. 
-» Aus Montreal (Canada), 18. April, wird gemeldet, 
daß zu Gajpe, im Golf von St. Lawrence, die größte Roth 
herrsche und daß Leute HungerS sterben. 
— AuS allen Theilen der Vereinigten Staaten kommend 
höchst traurige Berichte über Ueberfluthungen. Dazu gesellen 
sich noch im Westen die furchtbaren Schneestürme, im Osten 
Gewitterstürme und Wirbelwinde, welche ganze Ortschaften, 
zerstört haben und wobei viele Menschen um'S Leben kamen. ^ 
Verschiedenes. 
* E i n e M e r k w ü r d i g k e i t. In Lausanne legte dieser 
Tage eine Henne ein außergewöhnlich großes Ei. Man 
schlug es aus und fand in dessen Innern ein zweites vollstän- 
digeS Ei mit harter Schale und regelrechtem Inhalt. Das 
kleinere Ei stand frei und schwimmend im Weiß deS großen. 
* Bingen am Rhein. Am 30. April ist der Kessel' 
eines Dampfbootes gesprungen. Ueber die Katastrophe theilt 
man der „Franks. Ztg." Folgendes mit: Das Boot lag noch 
an der Landungsbrücke in RüdeSheim, und die Passagiere wa?. 
,ren im Einsteigen begriffen, als die Explosion erfolgte. Dieser 
Umstand macht eS schwer, die Zahl der Verunglückten genau 
zu ermitteln. Etliche 40 Personen waren an Bord', alS die 
Explosion stattfand. Eine Anzahl Personen ertrank noch An-. 
geslchtS deS UferS, nachdem dieselben aus dem Wasser aufge- 
taucht waren, und vergeblich um Hilfe nefen; denn trotz aller 
Schnelligkeit, mit welcher Nachen abstießen, war es nicht mög- 
lich, allen rasch genug beizuspringen.. Fünf Todte liegen im 
Rathhause. Die Zahl der auS dem Wasser Gerettelen incl. 
der Verwundeten beläuft sich auf etliche zwanzig — die Ziffer 
ist nicht genau festzustellen. — ES bleiben also noch 15—20 
Personen, die man vermißt und die allmälig auS dem Grund 
auf die Oberfläche kommen werden, und hiernach dürfte sich 
die sichere Anzahl vielleicht festsetzen lassen. Die Todten blu?
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.