Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/70/
schrieb damals die stets noch lobenSwerthe Streitschrift gegen 
das „TabakSmonopol", sowie die für den deutsch-französischen 
Handelsvertrag, betitelt „Vorwände und Thatfachen"); ihm 
verdanken wir alle gegenwärtig in Kraft stehenden Handels- 
Verträge, und eS ist ein doppelter Verlust, daß der sachkun 
digste Mann gerade in dem Augenblicke abtritt, wo diese Ver- 
träge erneuert werden sollen. Ihm verdanken wir endlich die 
geschickte Ueberführung deS Zollvereins in daS Deutsche Reich, 
unter Vermiltelung der Connexität deS erstem» mit den Schutz- 
nnd Trutzbündnissen von 1866. Im August 1867 zum Prä 
fidenten des Reichskanzleramtes, im Sommer 1868 zum preu 
ßischen Minister ohne Portefeuille ernannt, hat er sich bei dem 
Kaiser >alS treuer und hochbegabter Diener und bei dem Reichs- 
tag als unermüdlicher Vertreter der Interessen deS Reiches 
bewährt, in allen jenen zahlreichen Ressorts, die unter seiner 
einheitlichen Verwaltung standen. Erwähnt zu werden ver- 
dient nebenbei auch seine Stellung als Vorstand deS „Ver- 
einS zur Beförderung deS Gewerbfleißeö", in welcher er oie 
Gelegenheit zur Hebung von Industrie und Gewerbe, nament- 
lich auch gegenüber den Weltausstellungen, auf das Eifrigste 
wahrnahm. 
Oesterreich Die Nachrichten über die österreichifch-unga< 
tischen Ausgleichsverhandlungen lassen bis jetzt noch nicht auf 
einen günstigen Abschluß dieser Angelegenheit schließen. 
Der spanische Politiker Marcoartu hat in Wien eine Con- 
ferenz über eine allgemeine europäische Abrüstung angeregt. 
An derselben nahmen 4 Mitglieder deS Herrenhauses und etwa 
30 Deputirte Theil. Den Vorsitz führte Fürst Colloredo. 
Marcoartu entwickelte in französischer Sprache seine Vorschläge 
betreffs Organisation eines internationalen Parlaments, wel- 
cheS über Maßregeln zur Organisation eines internationalen 
Schiedsgerichts und über die Mittel zur Herabt? i.^rung des 
HeereS-EtatS in allen Ländern zu berathen hatte. Nach einer 
eingehenden Debatte nahm die Versammlung fast einstimmig 
einen Antrag an, welcher die Geneigtheit zur Beschickung ei- 
ner europaischen Abgeordneten-Conferenz ausspricht und die 
Einsetzung eineS ComiteS von 9 Mitgliedern für die einschlä- 
gigen Fragen vorschlägt. 
Schweiz. Die aus den Kantonen eingegangenen Gr- 
gebmsse der schweizerischen Volksabstimmung über daS Bank 
notengesetz lassen, wenn auch die Kantone Uri, Solothurn, 
Tessin und Wallis noch ausstehen, an seiner Verwerfung mit 
einer Mehrheit von 60,000 Stimmen nicht mehr zweifeln. 
Bern stimmte mit 5085 Ja gegen 32,413 Nein, Zürich mit 
32,667 Ja gegen 13,448 Nein. Luzern mit 1636 Ja gegen 
12,581 Nein, Schywz mit 1952 Ja gegen 1156 Nein, Ob- 
walden mit 291 Ja gegen 429 Nein, Nidwalden mit 200 Ja, 
gegen 832 Nein, GlaruS mit 2316 Ja gegen 1590 Nein, 
Zug mit 761 Ja gegen 901 Nein, Freiburg mit 7600 Ja 
gegen 4315 Nein, Baselstadt mit 2306 Ja gegen 1100 Nein, 
Baselland mit 2860 Ja gegen 2037 Nein, Schaffhausen mit 
2099 Ja gegen 3433 Nein, Appenzell a. Rh. mit 5489 Ja 
gegen 4741 Nein, Appenzell i. Rh mit 695 Ja gegen 1229 
Nein, St. Gallen mit 6877 Ja gegen 27,718 Nein, Aar- 
gau mit 16,188 Ja gegen 18,928 Nein, Thurgau mit 
7682 Ja gegen 7805 Nein, Waadt mit 6634 Ja gegen 6118 
Nein, Gens mit 399 Ja gegen 4305 Nein und Graubünden 
mit 771 Ja gegen 8093 Nein. — 
Türkei. Die schriftliche Erklärung, welche Gabriel Wesse- 
litSky Bogdanowitsch von den Führern der herzegowinischen 
Aufständischen am 5. April eingehändigt erhalten hat, damit 
er sie den Großmächten und der Pforte übermittle, stellt fol 
gende Forderungen auf: 
1) DaS herzegowinisch- christliche Volk muß wenigstens ein 
Drittheil des Badens zu eigen bekommen, nicht allein weil 
derselbe gegen Recht und Gesetz mit Gewalt in Besitz und Nutz- 
nießung der Türken ist, sondern auch darum weil ohne so viel 
» 
Eigenbesitz das herzegowinisch-christliche Volk außer Stand ist 
zu leben und eS darum vorzieht lieber zu Grunde zu gehen als 
zu einem Dasein zurückzukehren, in welchem kein Leben möglich 
ist. 2) Die Türkei muß für immer auS der Herzegowina ihre 
Armee entfernen und nur so viel im Lande belassen, alS zu 
Garnisonen von nöthen ist und dies nur in folgenden Orten: 
Mostar. Stolatz, Trebinje, Niksitsch, Plevlje, Foca. 3) Die 
Türkei baue allen christlichen Familien die eingeäscherten Hau- 
ser und Kirchen auf und gebe ihnen wenigstens für ein Jahr 
Lebensmittel und die Geräthe für Landbau und sollen die christ- 
lichen Familien gar keine Abgaben zahlen drei Jahre hindurch, 
vom Tage der Rückkehr an gezählt. 4) DaS herzegowinisch- 
christliche Volk wird die Waffen nicht niederlegen solange nicht 
zuerst alle Mohamedaner sie abgelegt haben und bis die ver-. 
sprochenen Reformen vollends durchgeführt sind. 5) wird ver- 
langt, daß, falls das ganze herzegowinifch-christliche Volk zu- 
rückkehrt, seine Führer über die Ausführung der Reformen mit 
den Behörden verhandeln und daß sie insgesammt eine Consti- 
tution („uprava") schaffen, welche entsprechend wäre dem Sinne 
des Reformprojekts des Grafen Andrassy; daß diese Reformen 
alsogleich eingeführt werden, auch in jenen Geschlechtern („ple~ 
mens", Familien, Gemeinden) ganz Bosniens und der Herzego^ 
wina, welche noch nicht aufständisch find. 6) Daß daö Geld, 
welches die Pforte bestimmen würde für daS herzegowinisch- 
christliche Volk, nicht in die Hände der türkischen Beamten fällt, 
sondern unter die unmittelbare Aufsicht einer europäischen Com- 
Mission gestellt wird, die eS zum Wiederaufbau der Kirchen und 
Häuser, sowie zur Anschaffung der HauSgeräthe verwenden und 
vor der Rückkehr der geflüchteten Familien einige Hauptmaga- 
zine mit allem Notwendigen errichten soll. 7) Daß in den 
sechs GarnijonSorten die Regierungen Oesterreichs und Rußlands 
je einen Agenten bestellen, welche darüber zu wachen haben, 
daß die Reformen vollkommen ausgeführt werden. 
Bosnien. ES hat sich bestätigt daß Mukhtav Pascha in 
der That im Duga-Passe von den Jusurgenten eernirt wurde. 
Nach den Niederlagen welche derselbe am Charsreitag und 
CharsamStag erlitten hat (es wurden ihm 3 Bataillone voll- 
kommen aufgerieben) und nach der Zurückschlagung deS AuS- 
falls der Garnison von Niksitsch am Ostersonntag von Seite 
der Insurgenten war der Stand der Truppen Mukhtar Pa» 
scha'S ein äußerst schwieriger. Bon dm Insurgenten im Duga 
Paß umzingelt, wäre die ganze Truppe bald gefangen genom- 
men worden. Aber zum Glück für Mukhtar Pascha hatten 
die Insurgenten kein Geschütz, und die türkischen Truppen, da 
sie von den Insurgenten keinen Pardon hoffen konnten, hatten 
keine andere Wahl als sich mit dem Bajonnett durchzuschla- 
gen. In der Nacht vom Dienstag (18 April) gelang eS 
Mukhtar Pascha mit der größten Anstrengung sich durchzn- 
schlagen. Er verlor aber den gesammten Proviant der für 
Niksitsch bestimmt war, viele Saumthiere und eine Menge 
Waffen. Nach Angabe der Insurgenten soll sich von den 25 
Bataillonen Mukhtar Pascha'S kaum die Hälfte gerettet haben. 
Indessen, wie berichtet wird, sammelt Mukhtar Pascha neue 
Truppen um die Entsetzung von Niksitsch zum zweitenmal zu 
versuchen. Er zieht die Truppen an sich die sich in Klek 
ausgeschifft haben. — In Bosnien haben die Türken ein furcht« 
bareö Blutbad in Unnaz angerichtet. Sie griffen die schwache 
Besatzung von 200 Mann der Insurgenten in Unnaz an, 
und da sich diese zurückziehen mußte, metzelten sie die wehrlo- 
sen Weiber, Kinder und Greise nieder. — AuS Serbien er 
warten die Insurgenten mit jedem Tag eine Entscheidung. In- 
dessen wird das Eintreten Serbiens in die Action verzögert 
durch das zu bildende neue Ministerium und durch die pro- 
jektirte Anleihe, die noch immer nicht beigeschafft werden 
konnte'. 
Amerika. Die Eröffnung der Weltausstellung in Pbila- 
delphia soll am 10. Mai d. I. nach folgendem Programm
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.