Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/66/
denn daS Laub und das Stroh sind sehr schlechte Warme- 
leiter, und nur sehr schwer durchdringt sie die innere Wärme, 
welche zu entweichen und in der Form von Strahlen auf der 
üußern Oberfläche zu verschwinden strebt. 
Da die nächtliche Ausstrahlung nie thätiger ist, als bei 
heiterm Himmel, wo Mond und Sterne glänzen, so haben die 
Gärtner dem Monde die Schuld beigemessen, als bringe er die 
jungen Sprossen der Pflanzen zum Gefrieren oder bräune sie, 
und aus diesem Grunde den Mond im März oder April den 
Bräunemond genannt. Der Mond hat bei dieser Erscheinung 
nichts zu schaffen, er begleitet sie wohl, ist aber die Ursache 
nicht davon. 
AuS dem eben Gesagten läßt eS sich leicht erklären, in- 
wiefern daS sogenannte Reifräuchern nutzbringend wirken 
kann; indem der durch Rauchfeuer erzeugte Rauch gleich den 
Wolken der Wärmeausstrahlung deS Bodens sich wiedersetzt 
und sonnt die Reifbildung verhindert; doch soll die Rauch- 
erzeugung schon dann beginnen, wenn der Thermometer eine 
Reifbildung nur annähernd befürchten läßt. Sollte jedoch die 
Reifbildung schon vor Beginn der Räucherung vor sich gegan- 
gen sein, oder ist dieselbe durch letztere nicht verhindert wor- 
ven, so liegt eine weitere nutzbringende Wirkung deS Reisräu- 
chernS unzweifelhaft darin, daß durch dasselbe die ersten Son- 
nenstrahlen, die sonst versengend auf die mit Reif bedeckten 
Pflanzen wirken würden, abgehalten werden und die sich 
nach und nach erwärmende Luft Zeit gewinnt, den Reif all- 
mählig aufzulösen. 
Ausland. 
' Oesterreich. Ueber den Stand der Ausgleichsverhand- 
hingen schreibt der „Politische Korrespondent": DieBerathung 
der beiderseitigen Regierungen führte in manchen wesentlichen 
Punkten zu einer Verständigung; in andern Punkten konnte 
bisher eine Vereinbarung nicht erzielt werden. Bevor aber eine 
endgültige Entscheidung erfolgen kann, haben die ungarischen 
Minister eS für nothwendig gefunden nach Buda-Pest zurück- 
zukehren, um sich mit ihren Parteigenossen ins Einvernehmen 
zu setzen" 
Bosnien. Der Aufstand in Bosnien nimmt von Tag zu 
Tag immer größere Dimensionen an. Besonders ist es die 
heldenmüthige Schaar des Woiwoden Golub Babitsch, welche 
einen Erfolg nach dem andern erringt und auf diese Weise die 
Insurrektion rege erhält. UebrigenS ist den Leuten, seit man 
auS Serbien Nachrichten über die kriegerischen Vorbereitungen 
erhält, der MutH neuerdings gehoben und die Kriegslust bis 
zu einem sehr hohen, bedrohlichen Grade gestiegen. Vor nicht 
langer Zeit boten sich den Insurgenten einige BegS an um 
mit diesen gemeinschaftliche Sache zu machen. Man trat be- 
reitS in Unterhandlungen, doch «ab es auch Stimmen, die da* 
vor warnten den mohamedanischen BegS irgendwie zu trauen. 
Die Unterhandlungen wurden noch gar nicht zu Ende gefühlt, 
und schon zeigten sich die so friedensliebenden BegS in ihrer 
wahren Gestalt. Einer von diesen, der bekannte Hussein Veg 
Kulinowitsch, überfiel plötzlich mit 200 Türken daS Dorf Pe- 
trovitza. Einige Häuser wurden niedergerissen, eine große An- 
zahl dortiger Einwohner verwundet, sieben Kaufleute des OrteS 
mißhandelt und eingekerkert, während man ihnen alles Hab 
und Gut raubte. Die übrigen flohen nach Oesterreich oder 
aber zum Woiwoden Golub, in dessen Schaar sie nun käm- 
pfen. Derselbe Hussein Kulinowitsch überfiel nun Krupa, fer- 
ner einige kleinere Orte unweit BihatS. Sogar einige Bihat- 
ser Einwohner wurden^ mißhandelt und eine Menge Weiber, 
Kinder und Greise gefangen; was nicht den Türken in die 
Hände fiel, flieht nach Oesterreich. Gleichzeitig näherte sich 
eine türkische Abtheilung, bestehend auS 700, zum Theil Ni- 
zamS, zum Theil Redifs, den Orten Iajatz und GlumatS, um 
dieselben zu besetzen. Eine Abtheilung deS Grahovoer Znsur- 
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gentenkorpS aber schlug die Türken unter dem Unnatz gerade 
am Ostersonntag. Die Türken flohen, eine große Menge Tod- 
ter und Verwundeter am Wahlplatze zurücklassend. Woiwode 
Golub trifft alle Vorkehrungen um den Türken eine große 
Schlacht z»t liefern. Die Nachrichten auS der Herzegowina 
erneuern den MutH der bosnischen Kämpfer und stacheln die- 
selben zum Ehrgeiz auf Man erwartet einen allgemeinen Auf- 
stand, der zweifellos den etwaigen Operationen der serbischen 
Armee zu statten kommen wird. 
AuS Montenegro meldet ein Telegramm vom t 7. April: 
Mukhtar Pascha mit 25 TaborS (Bataillonen) auf seinem 
Wege zur Verproviantirung der Festung Niksitsch, welche 
während deS Waffenstillstandes nicht verproviantirt werden 
konnte, stieß am Gründonnerstag bei Krstatz am Eingang zum 
langen Gebirgspässe Dugo auf die erste Jnfurgentenabtheilung 
und erlitt namhaften Schaden. Am Charfreitag gelang eS 
Mukhtar Pascha bis Presjeka zu gelangen. Hier empfing ihn 
die Hauptmacht der Insurgenten und gebot ihm nach hartnäcki- 
gem Kampfe Halt. Am CharsamStag abermals blutiger Kampf. 
Die Insurgenten^ erstürmten die türkischen Schanzen, schlugen 
die Türken zurück bis Odzina und Poljana. Drei TaborS 
türkischer Truppen sind theilS gefallen, theils verwundet. Ein 
Theil der Saumpferde ist den Insurgenten in die Hände gefallen. 
Am Ostersonntag machte die Garnison von Niksitsch einen AuS- 
fall, um Mukhtar Pascha zu unterstützen. Sie wurde von der 
dort aufgestellten Insurgentenabtheilunq geschlagen und in die 
Festung zurückgetrieben. Mukhtar Pascha ward im Gebirgö- 
defilee von allen Seiten umzingelt. Es könnte noch geschehen, 
daß er mit seiner ganzen oder theilweisen Truppenmacht in 
Gefangenschaft gerath. Jedenfalls ward seine Absicht bis heute 
entschieden vereitelt. — Ein zweites Telegramm, welches mir 
eine Stunde spater zuging, lautet: Am Charfreitag rückten 5 
TaborS Türken aus Billek auf Vucidol und Banjari, um die 
gegen Mukhtar im Dugo-Passa kampfenden Insurgenten im 
Rücken anzufallen. Als sie die Niederlage der Türken im Du- 
go-Paß erfuhren, kehrten sie unverrichttter Dinge nach Bittet 
zurück, auf ihrem Weg einen 70jährigen GreiS niedermetzelnd. 
Türkei. Die Verhältnisse im Orient dürften, abgesehen 
von der Möglichkeit eineS Krieges, auch noch andere mindestens 
ebenso bedenkliche Folgen für Europa mit sich bringen. Der 
„Pol. Corr." wird nämlich aus Constanlinopel unter dem 
14. April folgendes geschrieben: „Seit einigen Tagen hat sich der 
gesammten Bevölkerung unserer Hauptstadt ein panischer Schrecken 
bemächtigt. Der Grund dieser Bewegung, welche durch alle Schich* 
ten der hauptstädtischen Bevölkerung geht, ist ein simples Ge 
rücht, welches allerdings nicht aus der Luft gegriffen zu sein 
steint. In der großen Notb an Truppen, welche die Ereig- 
Nisse i'i den nordwestlichen Provinzen deS Reiches im Gefolge 
haben, blickt man nach allen Ecken und Enden des weiten 
Reiches aus um was immeWan regulären und Landwehrtrnp- 
Pen verfügbar ist, nach den bedrohten Punkten zu senden. So 
ist man schon dabei angelangt auö den asiatischen Provinzen 
die Nizams und RedifS hieher 411 dirigiren. Plötzlich verlau 
tete, daß i,uch nach Mesopotamien an die dortigen Garnisonen 
Marschordre ergangen sei, um fich hieher in Bewegung zu 
setzen. Diese Kunde ist eS, welche so panisch wirkte. In der 
That kann man dem gesunden Sinn der türkischen Bevölkerung 
die Anerkennung nicht versagen, daß er daS fürchterliche einer 
solchen Maßregel rasch capirte und durch entsprechende volksthüm- 
liche Kritik der ahnungslosen Mitwelt zu Dank rechtzeitig de- 
nunzn'rte. Man weiß, wie die Pest augenblicklich in Mesopo- 
tamien, namentlich in Bagdad und Hillah, wüthet. Durch« 
lchnittlich erliegen in beiden Städten 200—250 Menschen der 
gräßlichen Seuche. Und gerade auS ^Bagdad soll die dor- 
tige Garnison Marschbereitschaft für Europa bekommen haben. 
Es scheint daß der Lärm, welchen das betreffende Gerücht 
hier erregte, genügend war um den Großwessier und Seraö-
        

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