Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/60/
keinen Gaßhof der zivilisirten Welt, in welchem er nicht we- 
nigstenS 2 bis höchstens 14 Tage gewohnt hätte. 
* Complicirte Verwandtschaftsgrade. Ein seltenes Paar 
soll demnächst vor dem Berliner StandeSamte erscheinen. Der 
Bräutigam ist 35, die sehr reiche Braut 70 Zahre alt. Die 
Letztere weiß genau, daß der Zukünftige sie lediglich des Gel 
des wegen zur Frau nimmt, doch sucht ste für den Rest deS Lebens 
ihre Freude in dem Gedanken, den jungen Mann, zu dem ste 
ein unbegrenztes Vertrauen und eine seltene Neigung gewon- 
nen hat, im Besitze eines hübschen Vermögen« zu wissen, — 
wenn sie todt ist. Die Verwandtschaftsverhältnisse, welche aus 
dieser Heirath entstehen werden, sind so curioS, wie ste wohl 
noch nicht vorgekommen sind. Der 42 Jahre alte Sohn der 
Braut nämlich ist seit 10 Jahren mit der Mutter des Bräu 
tigams verheirathet, einer Dame, die stch, obwohl 60 Jahre 
alt, eine seltene Frische und ein liebliches Aeußere bewahrt hat. 
So wird der Bräutigam zunächst der Mann seiner eigenen 
Großmutter, der Schwiegervater seiner Eltern und der Groß- 
vüter seiner Geschwister. Auch muß er, wenn er sich mit 
seinem Großvater unterhalten will, zu sich selber sprechen. Die 
Braut wird aus der Schwiegermutter zur Schwiegertochter, 
ihr Sohn der Schwiegervater seiner Mutter, und endlich 
machen ihre Enkel ihr alS Schwagersleute die Aufwartung. 
* Wasservergiftung. Wie überaus vorsichtig man bezüglich 
der Benutzung von Sodbrunnen fein muß, zeigt ein jüngst in 
Breslau vorgekommener Fall, wo in Folge des Genusses schäd- 
lichen Trinkwassers eine ganze begrenzte TyphuSepidemie aus 
brach. Es handelte sich um 9 Häuser mit 667 Bewohnern 
in 156 Familien. Von diesen sind 202 Einwohner in 63 
Familien erkrankt. Diese Massenerkrankung ist lediglich zu- 
rückzuführen auf den Gebrauch eineS Brunnens im Hose eines 
HauseS, welches keine Wasserleitung besitzt. Die benachbarten, 
ebenfalls infizirten Häuser haben zwar Wasserleitung, dieselbe 
konnte aber nicht benutzt werden, weil die Röhren eingefroren 
waren (Dezember 1375), sie machten daher von jenem Bun- 
nen Gebrauch. GS ist festgestellt, daß alle Erkrankten von 
dem Wasser desselben getrunken haben, und die Untersuchung 
Kellte heraus, daß die Brunnenbekleidung oben schadhaft ge- 
worden war. Um dieselbe hatte sich ein Kessel von Schnee 
und Eis gebildet und in diesen waren von den Hausbewoh 
nern Geschirre mit allerhand mehr oder weniger unsauberem 
Inhalte entleert worden, und beim Austhauen entstand dann 
die Verunreinigung und Infektion deS Brunnens. Es mag 
der Fall auch für anderwärtige Verhältnisse zur Warnung und 
zur Vorstcht dienen. 
* Fleischextrakt. AuS den Platastaaten kommt die 9tach* 
richt, daß die Fabrik Liebig'schen Fleischextrakts in Frey-BentoS 
im Monat Dezember 1875 14,500 Stücke Rindvieh geschlach 
tet hat und gesonnen sei, in der begonnenen Saison % Mil 
lionen Pfund Fleischextrakt herzustellen. Dazu find 100,000 
Stück Vieh nöthig. 
* Vor dem gewohnheitsmäßigen Abkeimen der Saatkar- 
toffel wird, sehr zeitgemäß, neuerdings nachdrücklichst gewarnt. 
Bei eminent abgekeimten Kartoffeln gehen gegen unabgekeimte 
6 Prozent, bei zwei- und dreimal abgekeimten' 17 bis 30 
Prozent des Ertrages verloren. Dr. Schacht hat nachgewiesen, 
daß die meisten kranken Knollen bei dreimal abgekeimten Kar- 
löffeln gefunden wurden. Es ist nothwendig, die Saatkar- 
toffeln im März an einen lustigen Ort, z. B. Scheunentenne 
oder Boden aufzuschütten und bis zur Saatzeit abwelken zu 
lassen. 
* Allzugroßer Diensteifer. Die vortreffliche Schlittenbahn 
im vergangenen Winter hatte auch eine kleine Gesellschaft 
eines sächsischen Grenzstädtchens zum Besuch einer böhmischen 
Grenzstation veranlaßt. Vor ihrer Rückkehr hatten die In- 
fassen deS Schlittens die sorgfältig gereinigten Wärmeflaschen 
mit feurigem Ungarwein füllen lassen um die Steuer zu um 
gehen, hatten auch unangefochten und unter Schellengeläute 
die Grenzwache passirt Drüben wurde über die gelungene 
Schmuggelei gescherzt und noch ein sächsischer Gasthof besucht. 
Beim Wiedereinsteigen rief ein Theilnehmer von der Parthie: 
Aber unsere Wanneflaschen sind ja ganz heiß! — Da trat 
der HauSknecht in den Bordergrund und sprach mit gewin- 
nender Freundlichkeit: „Dte Flaschen waren ganz kalt gewor 
den, da habe ich Sie eine heimliche Freude gemacht, 'S kalte 
Wasser rauS- und heißes eingefüllt!" 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Oeßentliche Danksagung. 
Der Unterzeichnete fühlt sich verpflichtet, für die zahlreichen 
Liebesgaben, welche ihm anläßlich feines Unglücksfalles von 
der Gemeinde und vielen Privaten in Vaduz gespendet wuv* 
den, seinen tiefgefühlten Dank auszusprechen. 
Vaduz, den 11. April 1876. 
Alois Ofpelt. 
Steinbrecher» 
welche daS Brechen von Wuhrfteinen für die Gemeinde Vaduz, 
auf ein oder mehrere Jahre in Akkord zu übernehmen wün- 
schen, sind eingeladen, die diesbezüglichen Bedingungen einzu- 
sehen unv verschlossene Angebote bis am 15 d. M. abzugeben 
bei 
A. Walch, 
Wuhrkommissar, Vaduz. 
Arbeiter-Vesuch. 
Bei Unterzeichnetem finden zwei tüchtige SHüUtet bei 
gutem Lohne dauernde Arbeit. 
Johann Rusch, Maurermeister, 
Hohlweg. Wartau. 
Korn preise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 7. April. 
Der halbe Metzen 
| 
beste 
mittlere 
geringe 
i? 
kr. 
1 ff. 
fr. | 
fi. 
kr. 
Korn 
1 3 
40 j 
3 
15 
3 
05 
Roggen .... 
1 2 
80 | 
2 
60 
2 
50 
Gerste 
2 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken . . 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer | 1 
70 
1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
April 
5 
+ 6^/2 
+ 8% 
+ 9 
halb hell 
» 
6. 
+ 2 
+10 
+10 i/z 
hell. Reif 
i» 
7. 
+ 3 
+12 
+ 11 
fast hell 
ff 
8 
+ 3 
+ 12 
+125/4 
hell; R?if 
i# 
9 
+ 6 t/z 
+16 
+ U% 
halb hell 

10. 
+ 7 
+16 
+14 
halbhell; Föhnwd. 
«r 
11. 
+11 
+16 
+ 8 
fast bed. Föhnw.R. 
Telegrafischer Kursbericht von Wie«. 
12. April Silber 103.60 
20-Frankenstücke . 9.54 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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